• Juventus befindet sich momentan nur im Mittelfeld der italienischen Liga.
  • Stars sind entweder gealtert oder wie im Fall von Cristiano Ronaldo abgewandert.
  • Die finanzielle Situation des Turiner Clubs lässt keine großen Sprünge zu.

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Der Abstieg kam nicht schleichend, sondern rasant. Nach neun Meistertiteln in Folge ist Juventus ins Mittelfeld der italienischen Liga abgerutscht und muss mittlerweile um den Anschluss an die Spitze kämpfen. Nach zwölf Spieltagen der Serie A haben die Spitzenreiter SSC Neapel und AC Milan doppelt so viele Siege eingefahren.

Während der vierte Rang in der vergangenen Saison noch als Ausrutscher abgetan werden konnte, steht dem Turiner Erfolgsclub mittlerweile eine handfeste Krise ins Haus. Überraschend ist jedoch, dass Juve gegen Top-Teams immer noch gut abschneidet. Siege gab es zuletzt etwa gegen die AS Rom sowie in der Champions League gegen Chelsea und Zenit St. Petersburg.

Pleiten gegen die Kleinen

Nach dem 1:0 gegen Chelsea Ende September sprach Trainer Massimiliano Allegri bereits von einem "Wendepunkt". Was folgte waren weitere Siege gegen Stadtrivale FC Turin, AS Rom sowie ein Remis gegen Titelverteidiger Inter Mailand. Aber gerade als ein leichter Höhenflug einsetzte, gab es die Bruchlandung in Duellen mit Sassuolo und Verona.

"Es war wirklich hart und es ist auch aktuell noch hart", konstatiert Weston McKennie. Der Ex-Schalker war zuletzt der Torschütze des Ehrentreffers beim 1:2 gegen Verona und auch am Wochenende beim knappen Sieg gegen AC Florenz der beste Mann auf dem Rasen. Insbesondere die schlechten Leistungen bei Begegnungen mit individuell deutlich unterlegenen Teams werfen Fragen nach der Einstellung der Spieler sowie den taktischen Entscheidungen Allegris auf, denn die Turiner konnten zuletzt in solchen Partien keinerlei spielerische Dominanz entwickeln.

Alternde Stützen

Allegri lässt vornehmlich in einem klassischen 4-4-2 spielen und setzt vor allem auf Flügelangriffe speziell über die rechte Seite, wo wahlweise Juan Cuadrado oder Federico Chiesa spielen. Eine kohärente Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff existiert jedoch nur bedingt. Oftmals hängen die beiden Spitzen Paulo Dybala und Álvaro Morata in der Luft. Während seiner ersten Amtszeit bei Juventus zwischen 2014 und 2019 wurde unter Allegri noch ein viel geduldigerer und methodischer Ballbesitzfußball gespielt.

Zugutehalten kann man Allegri allerdings, dass er in diesem Sommer ein schweres Erbe antreten musste. Der spielerische Verfall begann bereits unter Vorgänger Andrea Pirlo und wurde durch den Qualitätsverlust des Kaders noch beschleunigt. So verließ etwa Mittelfeldanker Miralem Pjanic den Verein im Sommer 2020 und wurde nicht adäquat ersetzt.

Einige Stützen des Teams, wie beispielsweise Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci, sind zudem in die Jahre gekommen. Chiellini und Bonucci können wie bei der Europameisterschaft in diesem Sommer immer noch für Glanzmomente sorgen, aber das vor allem punktuell und nicht dreimal die Woche.

Für das Spiel am vergangenen Samstag gegen Florenz hatte Allegri beide Altmeister auf der Bank gelassen. Andere Stammkräfte wie Adrien Rabiot, der momentan nahezu jede Partie auf der linken Seite absolviert, schwanken derweil regelmäßig zwischen Top- und Kreisklasse.

Ronaldo suchte das Weite

Die offensive Ideenlosigkeit wurde in den vorangegangenen Spielzeiten zum Teil noch durch die Durchschlagskraft von Cristiano Ronaldo und seinen unmittelbaren Nebenspielern kaschiert. Vorn machten Ronaldo und Co. aus wenig viel, aber der Portugiese verließ Juventus kurz vor dem Ende der Sommertransferperiode gen Manchester United.

Der kalkulierte Superstar ahnte wahrscheinlich schon, wohin sich die Turiner entwickeln würden. Sein Transfer, der Juventus 2018 eine Ablösesumme von 100 Millionen Euro sowie horrende Jahresgehälter kostete, zahlte sich insgesamt nicht aus. Denn der lang ersehnte Champions-League-Sieg blieb Juventus deutlich verwehrt und inwieweit die eigene Marke von Ronaldo profitierte, ist diskutabel.

Leihgeschäfte statt Millionentransfers

Doch durch die hohen finanziellen Verpflichtungen, die Juventus einging, fehlten gerade während der Corona-Pandemie Ressourcen. Die einzigen namhaften Neuzugänge in diesem Sommer waren die beiden EM-Stars Manuel Locatelli und Federico Chiesa, die zunächst als Leihgaben von Sassuolo beziehungsweise der AC Florenz kamen.

Der endgültige Transfer von Locatelli und damit auch die Zahlung von 25 Millionen Euro Ablöse wird erst im kommenden Sommer abgewickelt. Bei Chiesa ist die finale Verpflichtung an einige Bedingungen – unter anderem einen Platz unter den ersten vier der Serie A – geknüpft und diese würde ohnehin erst im Sommer 2022 erfolgen. Die Transferzahlungen sind somit vorerst aufgeschoben.

Blüht das Schicksal von Milan?

Dass Vereinspräsident Andrea Agnelli vor einigen Monaten an der Spitze der Bewegung zur Etablierung einer abgeschotteten Super League stand, durfte nicht überraschen, denn ein solcher Wettbewerb hätte Juventus die Zugehörigkeit zur europäischen Elite auf viele Jahre hin gesichert. So muss der Turiner Club nun trotz neun Meistertiteln seit 2012 um die eigene Relevanz kämpfen.

Das hat auch damit zu tun, dass der italienische Vereinsfußball äußerst fragil ist. AC Milan, der große Juve-Konkurrent der Nullerjahre, schlitterte auch schnurstracks ins Mittelfeld der Serie A und muss aktuell mühselig den eigenen Ruf wieder aufpolieren. Dieses Schicksal könnte im schlimmsten Fall Juventus ebenfalls blühen.

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