Der englische Fußballverband und sein Nationalcoach trennen sich nach einem höchst peinlichen Fehltritt von Sam Allardyce. Was der Trainer fatalerweise Undercover-Reportern erzählte und wer schon mal auf eine solche Finte reinfiel - so lief der Skandal ab.

Die deutschen Sportfans kannten Sam Allardyce wegen seines verbalen Scharmützels mit dem Teammanager des FC Liverpool, Jürgen Klopp. Der 61-Jährige hatte Klopp einen "weichen Deutschen" genannt. Seine Fans wiederrum nennen Allardyce "Big Sam". Sein Auftreten ist entsprechend: Der Engländer hat was von einem polternden Brummbär, einem konservativen Trainer, der meint, vieles aus dem Fußball besser zu verstehen als andere.

Besserwisserei wird Sam Allardyce zum Verhängnis

Diese Eigenschaft wurde Allardyce zum Verhängnis. Nach dem blamablen Aus bei der EM 2016 hatte die englische Football Association (FA) ihn zum Nationalcoach gemacht. Doch diesen Job ist "Big Sam" in Rekordgeschwindigkeit wieder los - nach nur 68 Tagen und einem Länderspiel. Er ging spektakulär Undercover-Reportern in die Falle. Einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge soll sich Allardyce für 400 000 Pfund bereiterklärt haben, potenziellen Investoren in Ostasien zu erläutern, wie man Transferregelungen umgeht.


Reporter legen Sam Allardyce rein

Blöd nur: Besagte Investoren waren in Wirklichkeit Reporter. Blöd auch: Sowohl die FA als auch der Weltverband Fifa verbieten eine Teilhabe an Transferrechten von Spielern. Und als wäre das nicht schon peinlich genug, soll sich Allardyce zudem abfällig über Offizielle der FA, unter anderem Prinz William, geäußert haben. Seine pikantesten Aussagen:

Allardyce über die rhetorischen Qualitäten seines Vorgängers Roy Hodgson:

"Er hat sie alle in den Schlaf geredet, Roy. Er hat nicht die Persönlichkeit dafür."

Allardyce über das Scheitern von Hodgson:

"Die Spieler haben ihn am Ende fallen gelassen. Ich denke, er war vielleicht zu unentschlossen. (…) Wir haben Russland gezogen, ein Spiel, das wir hätten gewinnen müssen. Wir haben Wales geschlagen, was aber unsere schlechteste Vorstellung war. Wir haben die Slowakei gezogen und wir wurden nur den Isländern (im EM-Achtelfinale, d. Red.) zugelost. Mehr war es nicht, um durchzukommen. Aber er scheiterte."

Allardyce über Hodgson-Assistent Gary Neville und die Diskussion über Talent Marcus Rashford:

"Sie diskutierten zehn Minuten lang, ob sie ihn bringen sollen, er und Gary Neville. Deshalb war Gary der falsche Einfluss auf ihn. Mensch (frei übersetzt, d. Red.), sag doch einfach Gary, er solle sich hinsetzen und den Mund halten. Du bist der Teammanager, du machst, was du willst, und nicht, was irgendjemand anderes will."

Allardyce über das neue Wembley Stadion:

"Sie (die FA, d. Red.) investierte dummerweise 870 Millionen Pfund in Wembley, sodass sie noch immer die Schulden abbezahlen muss. Sie haben es komplett wiederaufgebaut. Hätten sie es irgendwo anders gebaut, hätte es vielleicht 400 Millionen Pfund gekostet. Nein, sie haben es komplett eingerissen und eingeebnet und dann haben sie das neue Stadion hingestellt, das großartig ist, aber das sind keine Schulden, die du willst. Das meiste Geld, das die FA einnimmt, geht in die Schuldentilgung."

Allardyce über Prinz William, den Schirmherren der FA, im Umfeld der Bewerbung um Spiele der EM 2020:

"Er ist der Repräsentant der FA. Deshalb wäre es schön gewesen, wäre er dabei gewesen. Aber er hatte offensichtlich größere, geschäftigere Dinge zu erledigen."

Allardyce über Prinz Harry:

"Harry ist ein ungezogener Junge. Er ist ein sehr ungezogener Junge, sehr unartig. Er zeigt sein Gesäß und all das."



Auch sein Vorgänger fiel auf Undercover-Reporter rein

Sven Göran Eriksson, Nationalcoach der Engländer zwischen 2001 und 2006, kann von solchen Peinlichkeiten ein Lied singen. Vor der WM 2006 hatte er einem angeblichen Scheich Vertrauenswürdiges über sich und aus dem von ihm trainierten Nationalteam erzählt. Der Schwede fiel dabei laut "Spiegel" auf den in England bekannten Undercover-Reporter Mazher Mahmood herein. Mahmood hatte sich demnach mit Eriksson in einem 7-Sterne-Hotel in Dubai getroffen.

Eriksson erzählte dem Reporter demzufolge, dass er nach der WM als Nationalcoach aufhören und mit dem Geld des (angeblichen) Scheichs aus dem Premier-League-Klub Aston Villa ein Spitzenteam formen wolle. Zugleich habe der 72-Jährige demnach angedeutet, David Beckham zum Wechsel von Real Madrid zu Villa bewegen zu können. Die Peinlichkeit wurde publik, nach der WM war Eriksson seinen Job los. Beckham spielte bekanntlich nie für Aston Villa.

Allardyce und Eriksson fielen zwar auf findige Reporter rein – ihr Verhalten war aber jeweils alles andere als professionell. England hat wieder einmal einen XXL-Fußballskandal erlebt.

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