Philipp Max ist in der Offensive der mit Abstand beste Linksverteidiger des Landes und wird von Bundestrainer Joachim Löw doch nicht zur DFB-Elf eingeladen. Dabei würde der Augsburger gut zum neuen Stil der Nationalmannschaft passen.

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Chancen gab es nun wirklich genug, Joachim Löw hat sie aber alle verstreichen lassen. Dass der Bundestrainer vor einem großen Turnier, dazu noch bei der Mission Titelverteidigung, keine großen Experimente wagen würde, war nachvollziehbar.

Löw nahm Jonas Hector und Marvin Plattenhardt mit zur WM nach Russland. Hector als gestandene Lösung für die Position des linken Verteidigers, Plattenhardt als dessen Alternative.

Löw hatte die Tür für deren Konkurrenten schon früh zugeschlagen. Auf keiner anderen Position legte sich der Bundestrainer so früh auf seine beiden Kandidaten fest. Schon im Frühjahr nannte er Plattenhardt als die optimale Besetzung für die Rolle als Hectors Backup.

Nun, nach dem Desaster bei der Weltmeisterschaft sollte es einen Neuanfang geben und zu einem Neuanfang sollten beim Fußball auch ein paar neue Spieler gehören.

Löw hat sich bei der Position links in der Viererkette für den Hoffenheimer Nico Schulz entschieden, der im September im Test gegen Peru debütieren durfte. Um Philipp Max vom FC Augsburg hat Löw zum wiederholten Male einen Bogen gemacht.

Überragende Werte

Als sich Löw vor einem halben Jahr für Plattenhardt als WM-Fahrer entschied, da war Max gerade drauf und dran, sich so richtig ins Rampenlicht zu spielen.

Schon zur Hälfte der vergangenen Spielzeit kam Max auf neun Torvorlagen und war damit unter anderem mit Neymar, Kevin de Bruyne, Paul Pogba und Leroy Sané Topvorbereiter aller europäischer Topligen. Und das nicht als Stürmer oder Mittelfeldspieler - sondern in seiner Funktion als linker Verteidiger.

Die Saison 2017/18 schloss Max mit 13 Torvorlagen, 81 Torschussvorlagen und zwei eigenen Treffern ab. In der aktuellen Saison sind es nach nur sieben Spielen schon wieder zwei Torvorlagen und zwei eigene Tore.

Kein anderer Linksverteidiger in der Bundesliga kann auch nur annähernd diese Werte aufweisen. Und trotzdem ist Max auch im dritten oder vierten Anlauf von Löw nicht berücksichtig worden, diesmal für die beiden wichtigen Nations-League-Spiele gegen Frankreich und die Niederlande.

Max passt perfekt zu Augsburgs Ideen

Natürlich ist der Spielstil des FC Augsburg nicht mit dem der Nationalmannschaft zu vergleichen. Im Verein kommen Max’ Stärken in der Offensive voll zum Tragen.

Augsburg spielt entweder mit einer Vierer- oder einen Dreierkette in der Abwehr, entweder ist Max als linker Verteidiger oder sogar linker Schienenspieler eingeplant, der im Spiel mit dem Ball noch eine Spur höher aufrücken kann.

Daher flankt Max nicht nur hart und präzise, sondern auch sehr oft, weil beim FCA im Zentrum mit Michael Gregoritsch, Alfred Finnbogason oder Caiuby unglaublich kopfballstarke Spieler lauern.

Max ist ein Dauerläufer in beide Richtungen, nur drei Spieler rissen in der letzten Saison mehr Kilometer ab als der Augsburger, der es auf insgesamt knapp 373 Kilometer in 33 Spielen brachte.

Aber Max nur auf rennen, kämpfen und flanken zu reduzieren, würde den Fähigkeiten des 25-Jährigen nicht gerecht.

Max ist wie sein Vater, TSV-1860-Legende Martin Max ein gelernter Mittelstürmer, spielte noch in der A-Jugend beim FC Schalke im Angriff. Seine Antizipation im Strafraum ist außerordentlich gut, sein Abschluss sauber und er hat ein Gespür für Situationen, das man nicht erlernen kann, sondern einfach haben muss.

Im Verein ist in dieser Saison schon zu erkennen, wohin das führen soll. In den vom FCA gewünschten Umschaltaktionen bewegt sich Max auch ballfern sehr hoch mit, er läuft Konter über die rechte Angriffsseite strikt zu Ende und lauert dann im Strafraum als zusätzliche Anspielstation.

Eine gute Option für den neuen DFB-Stil

Auf diese Weise hat der 25-Jährige beide Tore (gegen Bremen und zuletzt Dortmund) erzielt. Und so tauchte er auch beim Auswärtsspiel in München nach wenigen Minuten in Mittelstürmerposition völlig blank vor Manuel Neuer auf, Mitspieler Caiuby verpasste aber das Zuspiel.

Max ist ein herausragender Umschaltspieler und bringt damit eigentlich genau jene Fertigkeiten mit, die Löw in naher Zukunft wieder verstärkt bei seiner Mannschaft sehen will.

Die zarte Abkehr vom reinen Ballbesitzfußball ist ein Ziel der neuen Nationalmannschaft, Löws Team soll selbst wieder mehr in offensive Umschaltsituationen finden und geradliniger agieren . Dafür wäre einer wie Max geradezu prädestiniert.

Es war schließlich nicht immer so, dass dem Bundestrainer ein reiner Linksverteidiger quasi auf dem Silbertablett präsentiert wurde. Seit Löws Amtsantritt als Chef der Nationalmannschaft vor zwölf Jahren wurden über 20 Spieler auf der Position des linken Verteidigers durchgebracht.

Es wurde getestet wie wild, selbst Innenverteidiger wie Holger Badstuber oder Jerome Boateng oder Mittelfeldspieler wie Thomas Hitzlsperger spielten für Deutschland links in der Viererkette.

Jetzt bietet sich Löw eine starke Alternative, die ihre beachtliche Form auch über die Sommerpause konservieren konnte, der Bundestrainer greift aber einfach nicht zu.

Max’ verbesserungswürdiges Defensivverhalten könnte bisher der entscheidende Nachteil sein, hier hat der Augsburger tatsächlich noch ein wenig Nachholbedarf.

Aber "früher oder später" werde Löw seinen Spieler schon einladen, sagt Augsburgs Geschäftsführer Stefan Reuter. Max selbst gibt sich nach außen gelassen. "Wenn man liest und hört, dass viele einem die Daumen drücken, hofft man natürlich, dass dein Name da auftaucht. Aber für mich ist gar nichts selbstverständlich", sagte er schon im September, als er das vorletzte Mal nicht nominiert wurde. "Es ist das Höchste, was man als deutscher Fußballer erreichen kann, da dabei zu sein."

Noch hat er es nicht ganz geschafft. Aber noch ein paar Flanken, ein paar Torvorlagen und vielleicht das eine oder andere eigene Tor, und für Philipp Max wird auch dieser Traum in Erfüllung gehen.

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