• Jürgen Klopp hat nach dem Rückschlag im Meisterrennen einen TV-Reporter brüsk zurechtgewiesen.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass dem Teammanager des FC Liverpool der Kragen platzt.

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Jürgen Klopp hatte genug von den bohrenden Fragen zum Beinahe-K.o. im Meisterrennen - und plötzlich verwandelte sich Dr. Jekyll wieder mal in Mr. Hyde.

Das Video vom deutschen Welttrainer des FC Liverpool, der einen Journalisten für die naheliegende Frage nach den verbliebenen Titelchancen brüsk einnordete, sorgte auch rund zwei Tage nach dem bitteren 1:4 gegen Manchester City noch für Aufsehen.

Und es fasste Klopps Gemütszustand der vergangenen Wochen treffend zusammen. Eigentlich wollte der Reporter Niv Dovrat vom israelischen TV-Sender Sport 1 nur wissen, ob sich Klopp nach der niederschmetternden Heimpleite gegen die Citizens irgendein Szenario vorstellen könne, in dem die Reds noch einmal in Sachen Titelverteidigung anzugreifen vermögen. Zu viel für den 53-Jährigen.

Reporter sollte laut Jürgen Klopp "Job besser vorbereiten"

"Ich glaube wirklich, dass Sie Ihren Job besser vorbereiten sollten", schimpfte Klopp: "Wie können Sie das fragen? Sie (Manchester City/Anm. d. Red.) sind nach meinem Verständnis 13 Punkte weg. Diese Frage nach der Meisterschaft - wie können Sie denken, dass das eine geeignete Frage ist im Moment? Sie haben nur zwei Fragen, und Sie verschwenden eine dafür." Dabei war Klopps Rechnung etwas eigenwillig.

Liverpool, das zuletzt drei Heimspiele in Folge verlor, kommt nach der jüngsten Niederlage auf 40 Zähler und hat zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer City. Manchester hat jedoch noch ein Nachholspiel in der Hinterhand, das Klopp wohl gedanklich bereits als Sieg für die Mannschaft von Teammanager Pep Guardiola verbuchte.

Nach Klopps Antwort hakte Dovrat nach und fragte, ob sich Liverpool nun eher mit einer Platzierung unter den besten Vier beschäftige. "Ja, das ist offensichtlich. Das versuchen wir", entgegnete Klopp schmallippig. Die Auseinandersetzung mit Dovrat brachte dem Deutschen in den Sozialen Medien reichlich Kritik ein, und auch der Reporter schien verwundert.

"Ich habe den Liverpool-Manager dutzende Male über die letzten Jahre hinweg interviewt", schrieb Dovrat am Montag auf Twitter: "Gestern Abend sah ich eine andere und ungewöhnliche Reaktion."

Jürgen Klopp gerät oft mit TV-Reportern aneinander

Indessen ist er bekanntlich nicht der erste Journalist, mit dem Klopp aneinander gerät. Der Streit mit einem Reporter des SWR, den Klopp in seiner Zeit als Trainer von Borussia Dortmund als "Seuchenvogel" bezeichnet hatte, ist legendär.

Auch danach zeigte er sich mehrfach dünnhäutig - besonders, wenn es sportlich nicht lief. So wie aktuell bei Liverpool. Weil die erfolgreiche Titelverteidigung immer weiter aus dem Blickfeld rückt, wird Klopp bei fast jeder Gelegenheit danach gefragt. So auch vor dem City-Spiel, als Sky-Journalist Geoff Shreeves im Interview den Zorn Klopps auf sich zog. "Das Einzige, worüber Sie die ganze Zeit sprechen wollen, ist die Meisterschaft", meckerte Klopp auch dort.

Für seine Kritiker dürfte der jüngste Aussetzer Klopps ins Bild der Vorwochen passen. In Pressekonferenzen wirkt er nicht immer souverän, weil er wieder und wieder erklären muss, warum es derzeit nicht so rund läuft wie in der Meistersaison 2019/20.

Klopp führt dann meist die Belastung, die Verletzten oder zuletzt mentale Erschöpfung an, aber nicht nur Roy Keane reicht das nicht mehr. "Sie suchen immer nach Ausreden", ätzte der Sky-Experte: "Sie sind ein unwürdiger Meister."  © AFP

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Der FC Liverpool ist am ersehnten Ziel: Krönender Abschluss gegen den FC Chelsea

Zwischen 1976 und 1990 holte der FC Liverpool zehn von 15 möglichen Meisterschaften in England - um dann 30 Jahre lang leer auszugehen. Ein deutscher Trainer, Jürgen Klopp, hat diese Durststrecke beendet. Liverpool holte seinen 19. Titel bereits nach 31 von 38 Spielen. Nach dem letzten Heimspiel gab es endlich auch den Pokal.