Neues Jahr, alte Probleme: In der Rückrunde stehen erneut etliche vermeintliche Stars unter Beobachtung, nachdem sie in der Hinserie enttäuschten. Doch können Rafael van der Vaart, Kevin-Prince Boateng und Co. endlich zeigen, was sie wirklich draufhaben? Oder droht der große Zoff mit Klub und Trainer?

Seit 14 Jahren bewegt sich Rafael van der Vaart im Profifußball, über 500 Spiele hat der Niederländer absolviert und mehr als ein Dutzend Trainer erlebt. Einen wie Josef Zinnbauer aber noch nicht.

Der Coach des Hamburger SV hat den Zehn-Stunden-Tag für seine Profis eingeführt. 17 Punkte auf dem Konto, Platz 14 in der Tabelle und eine nicht existente Offensive auf dem Platz lassen Zinnbauer wohl keine andere Wahl.

Für van der Vaart könnte das Mehr an Trainingseinheiten sogar von entscheidender Bedeutung sein: Der Spielmacher war in der Hinrunde einer jener Spieler, die deutlich unter ihrem wahren Leistungsvermögen geblieben sind - obwohl sie für ihre Mannschaft eine Führungsfigur sein sollten.

Gleich zwei Profis vom FC Schalke 04 unter Beobachtung

Auf Schalke sind gleich zwei Spieler in ein tiefes Loch gefallen. Kevin-Prince Boateng war fast die komplette Hinrunde über verletzt. Seine erschreckende Bilanz: Nur drei Spiele über 90 Minuten, eine Torvorlage, ein Platzverweis, kein eigener Treffer. Auch Kollege Sidney Sam, vor der Saison als Königstransfer von Bayer Leverkusen gekommen, spielte in Gelsenkirchen kaum eine Rolle.

Beide gelten nicht unbedingt als pflegeleichte Typen: Trainer Roberto Di Matteo wird in den kommenden Wochen sehr genau hinschauen und behutsam mit seinen Stars umgehen müssen, um nicht zwei Dauernörgler in seinen Reihen zu haben.

Beim Rivalen Borussia Dortmund ist die Lage ähnlich, wenngleich nicht ganz so brisant. Roman Weidenfeller hat seinen Platz im Tor Anfang Dezember an Mitch Langerak verloren. Seitdem schweigt er beharrlich.

Degradierung des BVB-Torwarts birgt enormes Konfliktpotenzial.

Zum einen, weil der sich der Routinier nicht zu unüberlegten Äußerungen hinreißen lassen wollte. Und zum anderen, weil der Weltmeister zum Start der Rückrunde wieder seine Chance wittert. Kontrahent Langerak weilt mit Australien bei der Asienmeisterschaft. Was aber nach Langeraks Rückkehr passieren wird, ist derzeit völlig offen. Die Anzeichen verdichten sich, dass sich die Borussia für die kommende Saison nach einem neuen Torhüter umschauen wird. Für die BVB-Ikone Weidenfeller wäre das ein nächster harter Schlag. Und keiner weiß, wie der durchaus impulsive 34-Jährige damit nach zwölf Jahren in Dortmund umgehen würde.

Shinji Kagawa verpasst die Vorbereitung

Shinji Kagawa ist ein weiterer Leistungsträger in Schwarz-Gelb, der in der Hinserie komplett enttäuscht hat. Der Japaner wurde zum Sinnbild des zwar talentierten, aber nach Form und Fitness ringenden BVB. Dass Kagawa durch seine Abstellung zur Asienmeisterschaft nun erneut die Vorbereitung verpasst, lässt die Perspektive für die Rückrunde düster erscheinen. Dazu steht im in der Winterpause verpflichteten Kevin Kampl ein zusätzlicher Konkurrent parat, der Weg zurück in die Stammformation dürfte für Kagawa in dieser Saison sehr steinig werden. Immerhin: Vom Japaner ist kein öffentliches Lamentieren zu erwarten.

Ganz anders sah das zuletzt bei Aaron Hunt aus. Der stichelte mehrfach, kokettierte unverhohlen mit einem Abgang vom VfL Wolfsburg. Dabei war der 28-Jährige erst im Sommer mit großen Zielen im Gepäck von Werder Bremen in die Autostadt gewechselt. Hunt hat noch kein einziges Spiel über die vollen 90 Minuten bestritten, am Wolfsburger Aufschwung in der zweiten Saisonhälfte hat er nur einen marginalen Anteil.

Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs schließen einen Weggang Hunts kategorisch aus. Der Spieler sei wichtig für die Mannschaft, betonen sie. Insbesondere Allofs sollte aber auch wissen, dass Hunt mit seiner Meinung nicht hinter den Berg halten dürfte, wenn nicht bald eine Besserung seiner Lage eintritt.

Und in Hamburg? Da hat Rafael van der Vaart die neuen Gegebenheiten akzeptiert. Er soll jetzt etwas defensiver spielen und wieder zu alter Stärke finden. Immerhin spielt Van der Vaart ja auch um einen neuen Vertrag. Auf der Bank kann er dafür keine Argumente sammeln.