Können sich die deutschen WM-Teilnehmer nach dem Titelgewinn in Brasilien ausreichend erholen? Nach nur drei Wochen Regenerationszeit geht es für die Nationalspieler zurück zu den Vereinen. Sportmediziner Dr. Markus de Marees analysiert für unser Portal den Fitnesszustand der Spieler - und sieht unter anderem auf Mats Hummels Probleme zu kommen.

"Schweinsteiger bräuchte sechs Wochen Pause. Mindestens!", sagte Dr. Hans Müller-Wohlfahrt, der Mannschaftsarzt des FC Bayern München, am Samstag am Rande der Verleihung des Bayerischen Sportpreises. Damit wärmte der Mediziner die Diskussion um die kurze Erholungszeit der deutschen Nationalspieler nach der WM in Brasilien auf.

Nur wenige Tage nach dem Trainingsstart geht es für die meisten Spieler nach nur drei Wochen Urlaub mit dem ersten Pflichtspiel los. Genügt die Zeit, um sich von den Strapazen der Weltmeisterschaft zu erholen? Oder drohen den Spielern Leistungstiefs und Folgeverletzungen? Wir haben mit einem Sportmediziner über die Konsequenzen der kurzen Pause gesprochen.

Bastian Schweinsteiger musste viel einstecken

Dr. Markus de Marees ist Leiter der Abteilung Leistungsphysiologie des Instituts für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Über die kurze Regeration nach der Weltmeisterschaft sagt er: "Was die Fitness betrifft, werden die Spieler Defizite haben. Sie können in drei Wochen nicht auf dem gleichen Level sein wie zu Beginn der WM." Da die Profis im Urlaub nur wenig trainieren, verschlechtere sich ihr Leistungsstand. Das sei aber normal, weil niemand sein Spitzenniveau über zwölf Monate halten könne. "Die Pause führt aber andererseits dazu, dass verschiedene Blessuren heilen können", meint de Marees.

Das hat vor allem Bastian Schweinsteiger dringend nötig. Der Mittelfeldspieler ging angeschlagen ins Turnier und musste besonders im Finale einiges einstecken. Schweinsteiger kehrt vermutlich gesund, aber unfit zu den Bayern zurück.

Sami Khediras Kreuzband hält

Nach seiner Blitzgenesung von einem Kreuzbandriss wirkte Sami Khedira zu Beginn der WM nicht fit. Er zeigte aber vollen Einsatz und fand im Laufe des Turniers zu seiner alten Form zurück. Sorgen, dass die Verletzung nach der hohen Belastung wieder aufbrechen könnte, scheinen unbegründet. Die kurze Zeit zwischen Kreuzbandriss und Comeback könne zwar ein Anzeichen sein, dass nicht alles vollständig zusammen gewachsen ist. "Aber es gibt Menschen bei denen es schneller geht. Sami Khedira scheint eine sehr gute Veranlagung zu haben", so Sportmediziner de Marees. Wenn sich das Knie an die Belastung bereits gewöhnt hat, bestünde kein erhöhtes Risiko mehr.

Auch der erhöhte "Muskeltonus", den Müller-Wohlfahrt bei Khedira feststellte und seine Finalteilnahme verhinderte, sei kein Grund zur Sorge. "Dieses Phänomen kennt man landläufig als Verspannung, wenn nach viel Training der Muskel nicht mehr so weich ist", meint de Marees.

Mats Hummels könnte Probleme bekommen

BVB-Spieler Mats Hummels hatte in Brasilien immer wieder mit kleineren Problemen zu kämpfen. Wegen einer Grippe, einer Oberschenkelprellung und einer Sehnenreizung im Knie konnte er einige Male nicht trainieren bzw. spielen. Laut Dr. de Marees könnte dies in der kommenden Bundesligasaison zu einem Problem werden. "Wenn man dem Körper nach einer Verletzung nicht genug Zeit zur Regeneration lässt, erholt sich das Gewebe nicht vollständig." Das führe dazu, dass das Verletzungsrisiko steigt. Er könne aber keine konkrete Diagnose stellen, weil er Hummels nichts selbst behandelt hat, so de Marees.

Keine Langzeitverletzung bei Christoph Kramer

Christoph Kramer hatte es im WM-Finale besonders hart erwischt. Nach einem Zusammenprall mit dem Argentinier Ezequiel Garay hatte der Jungnationalspieler sogar einen kurzzeitigen Blackout. Eine Langzeitverletzung schließt Sportmediziner de Marees aber aus. "Christoph Kramer wurde nach dem Spiel sicherlich nach allen Regeln der Kunst durchgecheckt. Wenn eine Langzeitverletzung vorgelegen hätte, wäre diese in den Untersuchungen entdeckt worden." Nach seiner schweren Gehirnerschütterung brauche der 23-Jährige jetzt einfach viel Erholung in Form von Ruhe und Schlaf.

"Arjen Robben kennt seinen Körper jetzt"

Bei einem niederländischen Bundesligastar, Arjen Robben vom FC Bayern München, gibt es berechtigte Sorgen, dass diese WM nicht spurlos an ihm vorbeiging. Robben gilt als verletzungsanfällig. Nun befürchten viele Bayernfans, dass der Niederländer eine Seuchensaison vor sich hat. Dabei verletzte sich Robben bei dieser WM nicht. Viel mehr zeigte er in der niederländischen Nationalmannschaft eine überragende Leistung und wurde am Ende WM-Dritter. De Marees relativiert ohnehin: "Robben wird sicherlich zu Beginn der Saison auch ein kleines Leistungstief haben. Aber ich denke, er kennt seinen Körper mittlerweile sehr gut und weiß, wie er wieder fit wird." Robbens letzte schwerwiegendere Verletzung liegt schon länger zurück. Im Gegensatz zu seinen früheren Vereinen bereite sich der Flügelflitzer bei den Bayern professioneller vor und werde vom Ärzteteam besser eingestellt.