Seit ziemlich genau einem Jahr ist Uli Hoeneß wieder Präsident des FC Bayern Münchens. In der Zeit, in der er weg war, hat sich viel verändert. Mit Karl-Heinz Rummenigge steht er häufig öffentlich im Konflikt. Seine Macht wächst allerdings wieder.

Als Uli Hoeneß seine letzte komplette Saison als Bayern-Präsident bekleidete, war Jupp Heynckes Trainer, Karl-Heinz Rummenigge Vorstandsvorsitzender und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt Mannschaftsarzt. Das war 2012/2013. Die Saison, in der die Bayern das Triple holten.

Bis heute, dem Tag der Jahreshauptversammlung und Hoeneß‘ einjährigem Jubiläum als zurückgekehrter Präsident, hat sich im Bayern-Gefüge viel getan.

Internes Machtgefüge zerrüttet

Nicht auf den ersten Blick. Hoeneß, Rummenigge, Heynckes und Müller-Wohlfahrt sind immer noch bzw. wieder da. In identischen Rollen. Doch in den knapp vier Jahren wurde das interne Machtgefüge der Bayern zerrüttet wie lange nicht mehr. Weil ein Mann fehlte: Uli Hoeneß.

Mit den Worten: "Ich gönne Dir Deine verdiente Rückkehr von Herzen. Du warst auf allen Ebenen ein Spiritus Rector des FC Bayern und bleibst wichtig. Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit Dir. Ich wünsche mir eine vertrauensvolle, loyale, harmonische, respektvolle und qualitativ gute Zusammenarbeit zum Wohle des FC Bayern", feierte Karl-Heinz Rummenigge damals die Rückkehr von Uli Hoeneß.

Worte, die einem heutzutage wie ein verschwommener Traum vorkommen. Denn seit Hoeneß' Rückkehr kriselt es öffentlich in der Zusammenarbeit der beiden Bayern-Alphatiere.

Ein Blick zurück

Als Hoeneß am 13. März 2014 seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender ablegte, übernahm Karl Hopfner für die kommenden zwei Jahre. Die Einflussnahme und Macht eines Uli Hoeneß und ein Agieren auf Augenhöhe Rummenigges waren ihm fremd. Das war bekannt – und sogar gewünscht.

Die Doppelspitze Rummenigge/Hoeneß war vorerst passé. In den zwei Gefängnisjahren übernahm der Vorstandsvorsitzende Rummenigge im Alleingang die wichtigsten Bayern-Entscheidungen und baute seine interne Macht auf.

Der 62-Jährige traf Entscheidungen, die Hoeneß sicherlich kritischer, wenn nicht gar komplett anders gesehen hätte. Die Wahl für Ancelotti als Bayern-Trainer fällte einzig Rummenigge. Der war offenbar auch federführend in der James-Verpflichtung. "Er gibt uns die Qualität, die wir brauchen", erklärte der Vorstandsvorsitzende damals.

Hoeneß sah das skeptischer: "Wir verlassen uns da voll auf Carlo Ancelotti, der ihn im Gegensatz zu uns viel besser kennt", warnte er damals.

Hoeneß muss sich Macht wieder erarbeiten

Seit Hoeneß 2016 auf der Jahreshauptversammlung mit beeindruckenden 97,7 Prozent der Stimmen wieder zum Präsident gewählt wurde, wächst auch seine Macht bei den Bayern wieder.

Das hatte zur Folge, dass es häufig öffentlich in der Bayern-Führungsriege zu Streitereien kam. Das dementierte Rummenigge zwar kürzlich. "Alles okay, wir haben eine gute Zusammenarbeit. Es läuft alles so, wie wir uns das wünschen."

Doch die Zeiten der Harmonie – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – sind vorbei.

Hoeneß sieht die Meinungsverschiedenheiten realistischer und nimmt sich dabei nicht heraus. Man habe von außen betrachtet durchaus "zum Entschluss kommen können, dass es Unebenheiten gegeben hat. Das kam in den letzten zehn Jahren immer wieder vor. Jetzt wurde es aber zu sehr in der Öffentlichkeit ausgetragen, den Schuh ziehe ich mir an", so Hoeneß.

Öffentliche Streitpunkte mit Rummenigge

In der Öffentlichkeit wurde in Hoeneß‘ erstem Jahr nach seinem Comeback einiges ausgetragen. Die Asienreise vor der Saison, die Rummenigge als "beste Tour aller Zeiten" ansah, bezeichnete Hoeneß als "grenzwertig".

Bei der Suche nach einem geeigneten Sportdirektor waren die beiden Führungspersonen zunächst völlig anderer Meinung. Rummenigge hätte sich Philipp Lahm gewünscht, Hoeneß wollte Gladbachs Max Eberl. Am Ende wurde es Hasan Salihamidzic, der im internen Bayern-Machtgefüge wohl eher als Marionette, denn als Strippenzieher anzusehen ist.

Und auch die Trainersuche verdeutlicht die Ungereimtheiten. Rummenigge wünschte sich Thomas Tuchel, Hoeneß plädierte auf eine Übergangslösung – und setzte sich durch. Mit Triple-Coach Heynckes übernimmt bis zum Saisonende die Wunschlösung des 65-Jährigen den Trainerjob.

Der Weg zurück zur Mia-san-Mia-Bayern

Es verdeutlicht bis dato Hoeneß' größten Schritt. Seine Macht bei den Bayern wächst kontinuierlich. Rummenigge, der in Hoeneß' Abwesenheit vor allem die Interessen der FC Bayern München AG vertrat, muss sich seinen Einfluss nun wieder teilen – mit Uli Hoeneß, der ganz für den Verein FC Bayern München spricht.

Das zeigt auch die Rückkehr Müller-Wohlfahrts. Der verließ in Hoeneß‘ Abwesenheit den Verein nach Streitigkeiten mit Pep Guardiola.

"Dieses Thema war zwei Jahre lang ein ständiger Unruheherd im Verein. Und ich bin überzeugt, dass genauso, wie es mit Jupp Heynckes innerhalb kürzester Zeit zur Ruhe gekommen ist, es auch mit dem Team Müller-Wohlfahrt ruhig wird", erklärte Hoeneß die Rückholaktion.

Die Bayern sind seit dem Hoeneß-Comeback wieder stetig auf dem Weg zurück zur Mia-san-Mia-Mentalität, die Uli Hoeneß schon immer prägte.

Der 65-Jährige ist aktiv wie selten zuvor und wünscht sich sicherlich, dass seine erste komplette Saison als zurückgekehrter Bayern-Präsident so endet, wie auch seine letzte. Dasselbe Kernpersonal wäre ja vorhanden.