Zehn Spieler feiern, einer schaut nur zu. Bei der WM 2018 bot sich dieser Anblick bereits des Öfteren. Eine offiziellen Grund für diese Zurückhaltung gibt es aber laut dem WM-Regelwerk nicht.

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Drei Tore erzielte Cristiano Ronaldo im WM-Spiel gegen Spanien. Und auch gegen Marokko jubelte der Fußball-Weltstar - er erzielte das entscheidende Tor. Was beide Situationen gemeinsam haben? In beiden Partien bot sich den Zuschauern nach Ronaldos Treffern dasselbe merkwürdige Bild.

Während gegen Spanien neun Feldspieler das Tor freudetaumelnd hinter der Seitenlinie bejubelten, schien José Fonte nicht wirklich in Feierlaune. Ein wenig abseits der Traube, die seine Mannschaftskameraden gebildet hatten, blieb er im Spielfeld stehen und beklatschte Ronaldos Treffer.

Ebenso machte es gegen Marokko Joao Moutinho - die anderen durften mit Ronaldo seinen Treffer bejubeln, er blieb beharrlich innerhalb des Spielfelds stehen, stets darauf bedacht, ja nicht die weiße Außenlinie zu überschreiten.

Portugal befolgt eine nicht existente Regel

In den sozialen Netzwerken kursierte nach dem Spanien-Spiel bereits eine Erklärung zu Fontes Verhalten. Schuld an der fehlenden Feierwut sei angeblich eine Regel der FIFA. Dieser zufolge sei es verpflichtend notwendig, dass ein Spieler der Mannschaft nach einem Tor innerhalb des Spielfelds bleibe.

Sollte dies nicht der Fall sein, könnte die gegnerische Mannschaft den Anstoß durchführen. Das Resultat: Der Torwart könnte, während der Rest seines Teams noch feiert, einfach vom Gegner überrannt werden.

Anscheinend glaubt nicht nur Portugal an diese Regel. Auch beim Torjubel von Australien gegen Frankreich und von England gegen Tunesien ließen sich ähnliche Szenen beobachten.

Angebliche FIFA-Regel ist frei erfunden

Vorsicht ist zwar bekanntlich eine Tugend, in diesem Fall ist sie aber völlig unnötig.

Denn das Regelwerk des International Football Association Board (IFAB), legt in Regel. 8.1 unmissverständlich fest, dass sich beim Anstoß "alle Spieler, mit Ausnahme des Spielers, der den Anstoß ausführt" in der eigenen Spielfeldhälfte befinden müssen.

Auch eine Ausnahme oder Sonderregel gibt es nicht. Denn: "Alle Spiele sind gemäß den vom International Football Association Board beschlossenen, zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft geltenden Spielregeln auszutragen." So legen es die Rahmenbedingungen der FIFA zur WM 2018 fest.

Warum genau sich die Mannschaften also beim Feiern zurückhalten, ist nicht nachvollziehbar. "Ich dachte, es gibt diese Regel", sagte Fonte nach dem Marokko-Spiel einem Reporter der ARD. Jetzt wissen wir: Nein, sie gibt es nicht.

Beim nächsten Treffer Portugals dürfen alle portugiesischen Spieler ohne schlechtes Gewissen ruhig mitfeiern.

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