• Die katarische Herrscherfamilie verweigert den Bierausschank bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft.
  • Fifa-Sponsor Anheuser-Busch macht jedoch Druck auf den Weltverband und möchte eine Lösung.
  • Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass die WM in Katar kein gewöhnliches Turnier sein wird.
Eine Analyse
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Bier und Fußball gehören für viele Fans hierzulande einfach zusammen. Jedes Bundesliga-Wochenende werden allein in den Stadien Unmengen an Gerstensaft an Zuschauerinnen und Zuschauer ausgeschenkt. Auch bei Weltmeisterschaften gibt es in den Arenen normalerweise viele Bierstände. Normalerweise.

Denn die anstehende WM in Katar (21. November bis 18. Dezember) ist alles andere als normal. Die katarische Herrscherfamilie, bestehend aus strenggläubigen Sunniten, verweigert den Bierausschank in den eigenen Stadien. Und damit bringt sie den Weltverband Fifa in die Bredouille.

Die Fifa ist nämlich nicht nur daran interessiert, die WM – trotz aller offensichtlichen Begleitumstände – so gewöhnlich wie möglich erscheinen zu lassen, sie hat mit Anheuser-Busch zudem einen der größten Bierproduzenten der Welt als Sponsor des Turniers. Das US-Unternehmen drängt darauf, dass die eigenen Produkte in Katar verkauft werden.

Kein Bier in WM-Stadien in Katar: Alternativszenarien werden diskutiert

Bislang scheint ein großangelegter Verkauf allerdings unwahrscheinlich. Bei der Klub-Weltmeisterschaft 2019 in Katar wurden Bier und Wein lediglich auf einem entlegenen Golfplatz angeboten. Normalerweise kann Alkohol im Emirat nur in Hotel-Bars und Restaurants geordert werden.

Nun werden diverse Szenarien für die WM diskutiert: Ein Vorschlag sieht vor, dass Bier lediglich in bestimmen Stadionzonen verkauft werden darf. Ein anderer ist, ausschließlich alkoholarmes Bier anzubieten. Auch bezogen auf die vorgesehenen Fan-Feste gibt es bislang keine Übereinkunft zwischen der Fifa und der Herrscherfamilie, die auf den Festen ein Alkoholverbot aussprechen will.

Der Weltverband will sich jedoch dem Wunsch Katars noch nicht final beugen und drängt weiter auf eine Lösung. Der Druck, den Anheuser-Busch wohl auf die Fifa ausübt, dürfte dabei eine Rolle spielen. Die Partnerschaft besteht seit 1986.

Fifa wartete lange, um Entscheidung zu forcieren

Aber auch ganz grundsätzlich sagt der Konflikt einiges über die anstehende WM aus. Die Fifa wurde aufgrund der Bedeutungslosigkeit Katars im Weltfußball und der außerordentlich kritischen Menschenrechtslage vor Ort für die Vergabe scharf kritisiert. Die Entscheider in Zürich hofften wohl, das Emirat würde dafür ohne Murren mitspielen. Dem ist aber nicht so.

Die Fifa selbst hat zu lange gewartet, um eine Entscheidung zu forcieren, musste man doch wissen, wie wichtig der Herrscherfamilie die Aufrechterhaltung eigener Glaubensgrundsätze ist. Hinzu kommt die geopolitische Komponente des Vorgangs: Trotz diplomatischer Annäherung sind die Beziehungen zwischen Katar und dem US-Verbündeten Saudi-Arabien angespannt. Dass Katar folglich einem großen US-Produzenten wie Anheuser-Busch erst recht Steine in den Weg legt, mag da nicht überraschen.

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