Pornofilme und ein sogenannter "Phallograph" sollten der Wissenschaft helfen: Ein kurioses Experiment hat in den Diskussionen um die Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" bisher noch kaum Beachtung gefunden.

Im Interview erklärt Sporthistoriker Giselher Spitzer die Unterschiede zwischen "systematischem" und "systemischem" Doping, das Problem bei der Erforschung der Dopingpraktiken in der BRD und warum die Studie bislang noch nicht veröffentlicht wurde.

Mit Sexvideos wollte der Leverkusener Professor Josef Nöcker in den 1970er Jahren die Gefahren von Anabolika für die Libido untersuchen. So weit, so skurril. Den Ablauf der Untersuchung hat man sich wohl ungefähr so vorzustellen: Ein klinisch nüchterner Raum, ein Proband mit einem mysteriösen "ösenartigen Instrument" an seinem Penis und eine Leinwand, auf der Erotikfilme laufen. Was sich anhört wie die berühmte Szene aus Stanley Kubricks Filmklassiker "Clockwork Orange", war tatsächlich eine geheime Studie, bezahlt vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Untersuchungen am lebenden Objekt

Über die Nebenwirkungen von Anabolika war in dieser Zeit nur wenig bekannt. Mit der sogenannten "Porno-Studie" wollte der Mediziner Nöcker nicht nur die körperlichen, sondern auch die psychosexuellen Folgen am lebenden Objekt erforschen.

Wie genau Nöcker dabei vorgegangen ist, darüber schweigen die Akten. "Das Projekt wurde weitestgehend verheimlicht und für Forschung und Anwendung im Sport nicht dokumentiert", schreiben die Forscher aus Münster und Berlin in ihrem Abschlussbericht der aktuellen Doping-Studie. Von einem "Phallographen" ist die Rede, der den Erektionsgrad der Sportler messen sollte. Über das Aussehen des geheimnisvollen Geräts gibt es kaum Informationen aus der Wissenschaft. Man möchte fast sagen, Gott sei Dank. Es genügt zu wissen, dass es "den Penisumfang und die Penishärte in Anstiegswinkeln, Abstiegswinkeln und -geschwindigkeiten" aufzeichnen kann, wie die "Zeit" berichtet.

Angeschlossen an den Phallographen sollten sich die Sportler "visuell wahrgenommenen sexuellen Reizen" aussetzen. Dummerweise waren Pornofilme in den 1970er Jahren in Deutschland verboten, was die Angelegenheit für das Bundesinstitut für Sportwissenschaft umso heikler machte. Das war wohl ein weiterer Grund, warum die Ergebnisse weitestgehend vertuscht worden sind. (com)