Die Olympischen Spiele waren ursprünglich ein sportliches Kräftemessen, um griechische Götter zu ehren. Heutzutage sind mit dem größten Sportevent der Welt milliardenschwere Geschäfte verbunden – und Enthüllungen über Handel und Einnahme von Doping-Mitteln. Einige Sportarten und Disziplinen gelten als die "dreckigsten".

Die chinesische Olympia-Schwimmerin Chen Xinyi ist in Rio gerade erst positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden.

Dopingfälle bei Olympia 2016 in Rio

Und auch die bulgarische 3.000-Meter-Hindernisläuferin Silvia Danekowa ist einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge wegen eines positiven Dopingtests vorläufig von den Olympischen Spielen suspendiert worden.

Und das Internationale Olympische Komitee wird den Betrugsversuch eines kenianischen Leichtathletik-Trainers bei einer Doping-Kontrolle im Olympischen Dorf von Rio untersuchen.

Doping ist die Schattenseite des Rampenlichts im Profi-Sport, gerade auch bei olympischen Spielen. Böse Zungen spötteln gerne, das größte Sportevent der Welt sei mittlerweile eine reine Leistungsschau der Pharmaindustrie.


Auch Dopingforscher Perikles Simon erklärte im Vorfeld, in Rio sei "mit den gedoptesten Olympischen Spielen aller Zeiten" zu rechnen. Jüngst hat der deutsche Gewichtheber-Trainer Oliver Caruso mehreren Nationen planmäßiges Doping vorgeworfen und Sperren gefordert. Laut seiner Aussage sei das Olympia-System krank und korrupt.

Bei Olympia wird schon lange gedopt

Ganz Unrecht hat Caruso damit wohl nicht. Zumindest hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) jüngst im eindeutigen Falle Russlands nicht gerade mit Entschlossenheit geglänzt, sondern entschieden, russische Sportler trotz Staatsdopings nicht komplett vom Turnier auszuschließen.

Fakt ist: Gedopt wird bei Olympia schon lange. 1908 torkelte der italienische Marathonläufer Dorando Pietri bei den Sommerspielen in London ins Ziel, nachdem er Strychnin genommen hatte. Mit einem Schuss Cognac.

Heute geht es bei der unerlaubten Leistungssteigerung deutlich professioneller und perfider zu. Doch unbemerkt müssen die Manipulationsversuche nicht immer bleiben.

Das IOC hat laut eigenen Angaben Teilnehmer der Olympischen Spiele in Peking (2008) und London (2012) im Nachhinein des Dopings überführt. Die Proben seien mit einer verfeinerten Methode ein weiteres Mal unter die Lupe genommen worden.

Insgesamt sollen bei 1.243 Untersuchungen mittlerweile 98 positive Fälle aus beiden Olympischen Spielen bekannt geworden sein. Darunter befanden sich laut IOC auch 23 Medaillengewinner aus Peking und acht aus London. Verteilt hätten sich die Proben in Peking auf vier Sportarten und acht Nationen.

Im Falle der Spiele von London seien zwei Sportarten und neun Nationen betroffen. Um welche es sich dabei handelt, hat das IOC nicht öffentlich gemacht. Der Gewichtheber-Weltverband IWF hat allerdings mittlerweile bekanntgegeben, dass allein 20 dieser positiven Nachtests aus dem Gewichtheben stammen.

Sportler nutzen Doping für unterschiedlichste Effekte

Radfahrer dopen, um ihre Ausdauer zu verbessern, Gewichtheber nehmen verbotenen Substanzen, um ihre Kraft zu steigern. Und Leichtathleten passen ihre Aufputschmittel der jeweiligen Disziplin an. Doch auch in anderen Disziplinen, wie etwa Schwimmen, kommt es immer wieder zu Doping-Fällen. Selbst Pferde wurden in der Vergangenheit mit Medikamentencocktails auf olympische Wettkämpfe vorbereitet.


Je nach Substanz wird über Ermüdung und Überlastung hinweggetäuscht, Schmerz unterdrückt, Muskelkraft erhöht, die Sauerstoffversorgung verbessert oder das Selbstvertrauen gesteigert. Dabei verstoßen die Sportler nicht nur gegen Regularien, sondern setzen auch ihr Leben aufs Spiel. Trauriger Beispiele dafür sind die Radsportler.

Bei Olympia 1960 in Rom starb der dänische Radrennfahrer Knut Enemark Jensen während des Mannschaftsfahrens. Er bekam einen Hitzschlag, nachdem er Amphetamine genommen hatte. 1967 starb der englische Radprofi Tom Simpson bei der Tour de France.

Ärzte fanden später Alkohol und Amphetaminen in seinem Blut. Ein Jahr später gab es bei den Sommerspielen in Mexiko und den Winterspielen in Grenoble die ersten offiziellen Dopingkontrollen bei Olympischen Spielen.

Doping: Die auffälligsten Länder und Sportarten

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat kürzlich einen Bericht für das Jahr 2014 herausgegeben. Vor zwei Jahren wurden 1.693 Vergehen gegen die Doping-Bestimmungen registriert.

Laut WADA ist Russland Dopingsünder Nummer eins im Weltsport. Insgesamt gingen 148 Vergehen auf russische Athleten zurück. Dahinter folgt nicht etwa China, sondern Italien mit 123 Verstößen – und Indien mit 93 Vergehen auf dem dritten Platz.

Insgesamt hätten 109 Sportler aus verschiedenen Ländern gegen die internationalen Doping-Richtlinien verstoßen. Betroffen waren 83 Sportarten. Dabei liegt die olympische Disziplin Leichtathletik mit 200 Verstößen weltweit auf Platz zwei. Spitzenreiter im Negativ-Ranking der nichtolympischen Sportarten sind die Bodybuilder mit 207 Vergehen.

Zum Vergleich: Die für Deutschland zuständige Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hat in diesem Zeitraum aus mehreren Sportarten insgesamt "nur" 22 Athleten sanktioniert. Doch die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.