Mit dem Weltcup in Sölden startet die Saison im Ski Alpin. Für den DSV ist es die erste Saison nach der Ära Felix Neureuther. Der 35-Jährige hat seine Karriere beendet. Doch auch ohne ihn haben die deutschen Sportler in diesem Winter Chancen auf Podestplätze. Wir machen den Check unter den deutschen Ski-Stars.

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Im Frühjahr machte Felix Neureuther Schluss. Er wolle sich mehr seiner Familie widmen, begründete er. Zusätzlich wird er Wintersport-Experte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Mit Neureuther verlor der deutsche Skiverband (DSV) zwar sein männliches Zugpferd, doch in jüngerer Vergangenheit machten auch andere deutsche Skifahrer auf sich aufmerksam.

Als größter deutscher Hoffnungsträger geht Josef Ferstl in die neue Saison, Stefan Luitz könnte vor allem im Riesenslalom Erfolge feiern. Bei den Damen ist Viktoria Rebensburg nach wie vor die Nummer eins. Gelingt ihr der große Coup? Wir zeigen die Chancen der deutschen Alpin-Spezialisten für die Saison 2019/20 auf.

Josef Ferstl (30): Die neue Nummer eins?

Bereits in der vergangenen Saison war Josef Ferstl der beste Deutsche in der Weltcup-Gesamtwertung – allerdings kam der Speedspezialist nicht über Platz 23 hinaus. Doch im Januar 2019 gelang ihm etwas, was bisher kein Deutscher vor ihm schaffte: Er gewann den Super-G in Kitzbühel.

In seiner Paradedisziplin sind ihm auch in der neuen Saison Erfolge zuzutrauen, eine Platzierung in den Top Ten des Gesamtweltcups wäre jedoch eine Überraschung.

Kleiner Wermutstropfen: Ferstl verletzte sich direkt vor Saison-Start im Training an der Hand und muss sich einige Tage schonen. In Lake Louise – wo der erste Super-G stattfindet – möchte er aber voll angreifen.

Am 26. Oktober startet die neue Ski-Alpin-Saison mit dem Riesenslalom der Damen in Sölden in Österreich. Am Sonntag sind dann die Herren dran. Wo Sie den Saisonauftakt des Alpinen Skiweltcups live im TV verfolgen können, erfahren Sie hier in der Übersicht.

Linus Straßer (26): Slalomspezialist mit Potenzial für mehr

Der 26-Jährige wurde bei der Ski-WM in Are durch seine Disqualifikation im Mannschaftswettbewerb zum tragischen Helden – weil er einfädelte, verpasste das deutsche Team die Bronze-Medaille.

Straßers Motivation dürfte das im Hinblick auf die kommende Saison kaum dämpfen, ganz im Gegenteil. Der Spezialist im Slalom und Riesenslalom zeigte zuletzt auch in der Kombination seine Fähigkeiten. In dieser Disziplin belegte er in der Gesamtwertung 2018/19 Platz 17. Der Münchner ist allemal für eine Überraschung gut.

Thomas Dreßen (25): Attacke nach dem Kreuzbandriss

Die vergangene Saison sollte Thomas Dreßen schnellstens vergessen. Der Streif-Sieger von 2018 war in Beaver Creek (USA) schwer gestürzt und hatte einen Kreuzbandriss erlitten. Sein Comeback plant er für das Wochenende in Lake Louise Ende November. Zuletzt sagte er bei einer Veranstaltung: "Wenn ich im Training merke, dass noch viel zu tun ist, werde ich mir das noch aufsparen."

Der Abfahrtsspezialist ist noch weit von seiner Topform entfernt, allein deshalb zählt er nicht zu den Favoriten. Knüpft er an seine frühere Form an, ist das Podium für ihn erreichbar.

Stefan Luitz (27): Riesenslalom-Spezialist nach Verletzung zurück

Hinter Josef Ferstl war Stefan Luitz mit Rang 42 in der Weltcup-Gesamtwertung vergangene Saison zweitbester deutscher Athlet. In der Riesenslalom-Wertung belegt er sogar den elften Platz. Sein größter Coup gelang ihm im Dezember 2018, als er den Riesenslalom von Beaver Creek gewann.

Bei der WM zog sich der Allgäuer einen Innenbandeinriss zu – eine Prognose ist deshalb auch beim 27-Jährigen schwer abzugeben. Generell gilt er mehr als Riesenslalom-Spezialist denn als Allrounder und wird vermutlich am ehesten in dieser Disziplin punkten. Er selbst spekuliert sogar auf die kleine Kristallkugel: "Das ist auf jeden Fall ein Ziel für mich", sagte Luitz der dpa. "Weil Marcel (Hirscher, Anm. d. Red.) nicht mehr da ist, sind die Chancen auch ein bisschen besser."

Viktoria Rebensburg (30): Sie bleibt die deutsche Hoffnungsträgerin

Seit Jahren ist Viktoria Rebensburg die erfolgreichste deutsche DSV-Athletin. In der vergangenen Saison belegte sie Platz vier im Gesamtweltcup, bei der WM in Are gewann sie Silber im Riesenslalom. Ihr großes Ziel bleibt der Sieg im Gesamtweltcup. Doch dafür müsste sie an der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin vorbei – und die befindet sich seit Jahren in einer Fabel-Form. Dazu kommt, dass Rebensburg nicht im Slalom antritt.

Für die 30-Jährige bietet sich in dieser Saison dennoch eine gute Gelegenheit, die – vielleicht letzte – große Attacke zu starten.

Kira Weidle (23): Abfahrtsspezialistin auf dem Vormarsch

Rebensburg und sonst nichts? Nicht ganz. Kira Weidle debütierte vor drei Jahren im Weltcup und arbeitet sich seitdem kontinuierlich nach oben. Ihr bisher größter Erfolg ist die Bronze-Medaille in der Abfahrt der Junioren-WM in Are 2017. Zweimal fuhr sie 2018/19 im Weltcup auf das Treppchen – da geht noch mehr.

Die 23-Jährige steht noch am Anfang ihrer Karriere und könnte perspektivisch Viktoria Rebensburg beerben. Neben der Abfahrt ist Super-G ihr Steckenpferd.

Ski-Alpin-Weltcup 2019/20: Chancen der deutschen Ski-Rennläufer im Fazit

Zu den Topfavoriten im Weltcup zählen die deutschen Athletinnen und Athleten in diesem Winter sicher nicht – mit Ausnahme von Viktoria Rebensburg, der ein Podiumsplatz in der Gesamtwertung zuzutrauen ist. In den einzelnen Disziplinen können Ferstl und Weidle sicher auf sich aufmerksam machen.

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Viktoria Rebensburg ist eine der besten Riesenslalom-Läuferinnen der Ski-Geschichte

Viktoria Rebensburg gehört zu den schnellsten Skirennläuferinnen Europas und bringt von den Olympischen Spielen 2010 ihr erstes Gold für Deutschland mit nach Hause. Spätestens von da an ist sie in jedem Riesenslalom-Rennen eine Anwärterin auf den Sieg - und sie hält dem Druck meist stand.