Die Kinos sind und bleiben – nicht nur in Deutschland – wegen der Coronakrise geschlossen. Zahlreiche Blockbuster mussten ihre Starttermine daher weit nach hinten verschieben. Einen anderen Weg ging ein Filmstudio mit "Trolls World Tour" - was für Boycott-Drohungen von Kinobetreibern sorgt.

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Keanu-Reeves-Fans müssen jetzt stark sein: Die Verschiebungen von Kinostarts machen auch vor der "John Wick"-Fortsetzung nicht halt. Statt wie zunächst geplant im Mai 2021 soll der Action-Streifen "John Wick: Kapitel 4" nun erst im Mai 2022 in die Kinos kommen, wie das Hollywood-Studio Lionsgate bekanntgab.

Die 2014 begonnene Reihe mit Reeves in der Rolle eines Auftragskillers kam zuletzt 2019 mit "John Wick: Kapitel 3" unter der Regie von Chad Stahelski auf die Leinwand.

Grund für die Verschiebung soll aber nicht Corona sein - zumindest nicht direkt. Von der Coronakrise direkt betroffen ist aber eine andere Kult-Reihe mit Reeves: Die Dreharbeiten für "Matrix 4" mussten unterbrochen werden. Nun soll sich der Schauspieler erst einmal diesem Projekt und seiner Rolle als "Neo" widmen, bevor es mit der John-Wick-Planung weitergeht.

Einige Kinostarts werden sogar vorverlegt

Während Zuschauer auch auf zahlreiche weitere Blockbuster - deren Starttermine in den Herbst oder gleich ins nächste Jahr verschoben wurden - länger warten müssen, können sie andere Filme wohl sogar früher sehen.

So wird etwa der vierte Teil der Animations-Reihe "Hotel Transsilvanien" um ganze vier Monate auf den 5. August 2021 vorgezogen; auch "Uncharted" startet statt im Oktober nun im Juli 2021. Eine Liste neuer Starttermine finden Sie weiter unten - allerdings ist angesichts der aktuellen Lage mit weiteren Änderungen zu rechnen.

Streaming statt Kino? "Trolls" sorgt für Streit

Liegt die Zukunft der Filmindustrie vielleicht sowieso außerhalb der Kinos? Einen Schritt in diese Richtung ging Universal mit dem Animationsfilm "Trolls World Tour". Statt den Kinostart zu verschieben, lief der Streifen direkt im sogenannten Premium-Online-Verleih für knapp 20 Dollar in den USA und 15 Euro in Europa.

Für das Filmstudio zahlte sich das aus: In drei Wochen spielte der Film allein im US-Markt knapp 100 Millionen Dollar ein, wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete. Der Chef von NBCUniversal, Jeff Shell, machte in der Zeitung eine weitreichende Ankündigung: "Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Filmtheater wieder öffnen."

Der Filmtheater-Betreiber AMC, zu dem in Deutschland die UCI-Kinos gehören, reagiert erbost und droht, künftig von Universal mehr zu zeigen. Traditionell laufen neue Filme erst im Kino und stehen erst einige Monate später zum Kauf oder Ausleihen sowie Streaming zur Verfügung.

Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden und es gab auch Ideen, Filme zeitgleich zu ähnlichen Preisen wie beim Kinobesuch einer Familie online zu verleihen.

DC-Comic-Helden mit neuem Starttermin

Nicht verschont von der Coronakrise bliebt auch Superheld Batman. Der geplante Film "The Batman" mit Hauptdarsteller Robert Pattinson soll nun erst im Oktober 2021 in die Kinos kommen, wie das Studio Warner Bros. mitteilte. Ursprünglich war der Start in den USA für Juni nächsten Jahres angesetzt.

Die Dreharbeiten mit dem britischen "Twilight"-Star waren im Januar angelaufen, dann aber wegen der Corona-Pandemie Mitte März gestoppt worden. Neben Pattinson spielen Zoe Kravitz als Catwoman, Paul Dano als Riddler, Colin Farrell als Pinguin, Andy Serkis in der Rolle der Butler-Figur Alfred Pennyworth und John Turturro als Mafia-Bösewicht Carmine Falcone mit.

Aber auch andere DC-Superhelden sind von den verschobenen Startterminen betroffen. "Shazam 2" wird nun erst im November 2022 laufen; "The Flash" wird allerdings vorgezogen auf den 3. Juni 2022. Sobald die deutschen Termine feststehen, erfahren Sie es hier.

"James Bond" hatte Lawine ins Rollen gebracht

Der erste Blockbuster, dessen Verschiebung für Aufsehen gesorgt hatte, war der neue "James Bond"-Film.

Ausgerechnet im Jahr des großen Jubiläums des Geheimagenten – "James Bond: Keine Zeit zu sterben" ist der 25. offizielle Kinofilm der Reihe und der letzte Auftritt von Daniel Craig – fiel der anvisierte Kinostart der Corona-Pandemie zum Opfer.

Sah es zunächst noch danach aus, als würden nur Promo-Termine in China verschoben werden, stellte man sich bald der Realität und verschob den Filmstart weit gegen Ende des Jahres. Nach aktuellem Stand müssen die Fans bis zum 12. November 2020 warten.

Manche Neu-Termine erscheinen wenig realistisch

Am 26. März hätte die Live-Verfilmung des Disney-Klassikers "Mulan" in den Kinos starten sollen. Hielt man auch noch lange Zeit nach der Absage von "James Bond" an dem Termin fest, so zerschlugen sich doch kurz vor dem Kinostart alle Hoffnungen der Fans der Real-Verfilmung über die legendäre chinesische Volksheldin Hua Mulan.

Reichlich ambitioniert erscheint jedoch der neue Starttermin, der 23. Juli. Bedenkt man, dass zahlreiche Festivals ausfallen, die viel später im Jahr stattfinden, oder auch das Oktoberfest abgesagt wurde, so muss man wohl durchaus Zweifel haben.

Das sind die neuen Starttermine für die großen Blockbuster 2020

  • 23. Juli: "Mulan" - mit Liu Yifei, Gong Li, Jason Scott Lee und Jet Li
  • 13. August: "Wonder Woman 1984" mit Gal Gadot, Chris Pine, Kristen Wiig und großen Schulterpolstern
  • 31. August: "Die Blechtrommel"
  • 15. Oktober: "The French Dispatch" von Wes Anderson
  • 22. Oktober: "Connectet - Familie verbindet" Animations-Spass von Michael Rianda
  • 5. November: "Black Widow" mit Scarlett Johansson, Florence Pugh, David Harbour und Rachel Weisz
  • 12. November: "James Bond: Keine Zeit zu Sterben" mit viel Martini
  • 10. Dezember: "Peter Hase 2 - Ein Hase macht sich vom Acker"
  • 23. Dezember: "Top Gun 2: Maverick“ mit Tom Cruise

2021

  • 21. Januar: "Fatherhood"
  • 11. Februar: "The Eternals"
  • 4. März: "Ghostbusters: Legacy"
  • 18. März: "Morbius"
  • 15. April: "Vivo"
  • 21. April: "Fast & Furious 9"
  • 6. Mai: "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings"
  • 29. Juli: "Jungle Cruise"
  • 1. Oktober "The Batman" (US-Termin)
  • 7. Oktober: "Uncharted"
  • 23. Dezember: "Hotel Transsilvanien 4"
  • 28. Oktober: "Doctor Strange in the Multiverse of Madness"

2022

  • 17. Februar: "Thor: Love and Thunder"
  • 1. April "Shazam! 2" (UK-Termin)
  • Mai "John Wick 4"
  • 2. Juni: "The Flash" (US-Termin)
  • 7. Juli: "Captain Marvel 2"
  • 28. Juli: "Indiana Jones"

Darüber hinaus hat die Coronakrise aber natürlich auch Auswirkungen auf Filme, die noch nicht abgedreht sind und (noch) keinen Starttermin haben. So wurden etwa die Dreharbeiten für "Avatar 2", die in Neuseeland stattfinden sollten, verschoben.

Auch andere große Titel und Fortsetzungen wie "Mission Impossible 7" oder "Matrix 4" mussten abgebrochen werden. Ein geplanter Film über Elvis Presley pausiert ebenfalls für unbestimmte Zeit. Bei den ersten Arbeiten für dieses Projekt in Australien hatten sich Tom Hanks und seine Frau Rita Wilson mit dem Coronavirus infiziert. (dh/dpa)

Drehaufschub für "Mission: Impossible" wegen Coronavirus in Italien

Auch Hollywood ist von dem Ausbruch des neuen Coronavirus in Italien betroffen. Ein dreiwöchiger geplanter Dreh in Venedig für "Mission: Impossible 7" mit Tom Cruise (57) in der Hauptrolle ist von Paramount Pictures kurzfristig abgesagt worden.