Das Wichtigste vorweg: Helene Fischer steht irrsinnig auf Äpfel und Tomaten. In total intimer Atmosphäre offenbart der Superstar seinem Gegenüber Steven Gätjen zudem, dass Tony Marshall ihr einst geraten habe, die Finger von der Branche zu lassen. Dass sowohl Fischers Babybauch als auch der Silbereisen Flori, mit dem die 37-Jährige einige Jahre liiert war, an diesem Abend nicht zum Thema wurden, war nicht in Ordnung. Das Minutenprotokoll einer gut zweistündigen Bauchpinselung.

Robert Penz
Eine Satire
Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

20:11 Uhr: Alles sitzt jetzt vor dem Fernseher. Die einen, weil sie Helene Fischer lieben, die anderen, um zu ergründen, warum so viele Helene Fischer lieben. Okay, ein paar Abgedrehte schauen bereits "Arte", wo sich vermutlich gleich ein hochgradig depressiver Franzose im Spannungsfeld von Sexualität und Literaturbesessenheit nicht zwischen einer 19-jährigen Italienerin mit einfachem Gemüt und einer 48-Jährigen Französin mit Quastenflosser-Allergie und hochbegabtem Sohn engscheiden kann. "Ein Abend im Rausch" heißt Fischers Format heute. Es soll in einer total intimen Atmosphäre stattfinden. Intime Atmosphäre so wichtig!

20:13 Uhr: Alles wartet auf die schwangere Helene. Jene, die sie bei "Wetten, dass…?" nicht sehen konnten, wollen natürlich überprüfen, ob die Atemlose auch tatsächlich einen Bauch hat. Es könnte ja theoretisch auch sein, das sie ihr Kind in der linken Kniekehle oder im Hohlkreuz austrägt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

20:15 Uhr: Unter uns: Man spürt das mit der intimen Atmosphäre gleich zu Beginn total. An der Fischerin selbst, den getigerten Plüschhausschlappen, in die man heute zur Feier des Tages gesprungen ist, und der Sekt vom Aldi ist halt schon auch ein Stimmungsmacher. Was auch ein Wahnsinn ist: Die kackbraune Kunstledergarnitur sieht, wenn man den goldenen Deckenfluter etwas dimmt, richtig elegant aus. Danke, Helene!

Helenes "Abend im Rausch": Durchdrehen ob der Nervosität

20:15 Uhr: Durchdrehen könnte man ob der Nervosität. "Wahnsinn!", will man erneut Roy Black und Wolle Petry zitieren. Es geht gleich in die Vollen. Und welch Zufall? Helene singt "Wenn alles durchdreht" von ihrer neuen Schallplatte "Rausch", deren Songs man aber auch im Internet bestellen kann.

"Wenn alles durchdreht.

Wenn alles durchdreht!"

Voll geilo einfach! Nach der Nummer sagt sie laut "Yeees, Band!" zu ihrer, richtig, Band. Die dürften ihr vorher offenbar eine "Ja oder Nein"-Frage gestellt und ob des Stresses erst nach dem Song eben die Antwort bekommen haben. Welche, erfahren wir leider nicht.

20:21 Uhr: "Wie war es, auf der kleinen Bühne zu performen?", stellt Interviewer Steven Gätjen die erste echt kritische Frage. "Ich stelle mir einfach vor, hier stehen ganz viele Menschen, die jubeln und schreien", antwortet Helene. Abgefahrene Strategie, aber vermutlich effektiv. Love you, Helene!

20:22 Uhr: Schon sieben Minuten und noch immer kein Wort vom Silbereisen Flori. Stattdessen plötzlich ein belangloser Rückblick auf Helenes Karriere. Dabei wird der Silbereisen Flori sicher auch gerade die Show kucken. Hoffentlich schreit er dabei nicht so viel herum wie neulich beim "Schlagerboom 2021".

20:24 Uhr: Gätjen will wissen, was angesichts der alten Bilder jetzt durch Helenes Kopf geht. "Scheißfrage", vielleicht? Helene sagt dann aber, dass die Bilder "Freude und Glücksgefühle auslösen" würden. Mit ihrem Freund Thomas kuckt sie sich gerne alte DVDs an. "Was ich so geschafft habe", meint sie. Das ist extrem intim. Uns hat sie auch schon alle geschafft.

20: 25 Uhr: Ihr Freund Thomas sei ein Musikliebhaber, erklärt sie. Und er finde das alles "ganz, ganz spannend". "War er denn Fan?", will Investigativjournalist Gätjen wissen. "Hat er gesagt, klar. Muss er sagen", haut Helene einen ersten Joke raus. Super, Helene! Weiters so! Humor? Auch so wichtig!

20:27 Uhr: "Gutes Konzept: Zwei Stunden Steven Gätjen zusehen, wie er ein kostenloses 'Helene Fischer'-Konzert schaut und nebenher Fragen stellt", meint jemand auf Twitter.

20:29 Uhr: Helene singt "Liebe ist ein Tanz".

"Alles an dir zieht mich magisch an.

Wie du dich bewegst, reißt mich in

deinen Bann. Liebe ist ein Tanz, komm

tanz mit mir. Liebe ist ein Tanz, ich

will dich bei mir spüren. Liebe ist ein

Tanz, komm, tanz mit mir. Liebe ist

ein Tanz, sich im Beat ganz verlieren"

Formidabel. Viele von uns haben sich ja immer schon gedacht, dass Liebe irgendwie ein Tanz sei. Aber wer redet denn da schon gern drüber? Zur Erklärung, falls jemand von dieser Metapher noch nicht abgeholt werden konnte: Im Leben geht’s mal vorwärts, mal rückwärts, mal zur Seite. Und jetzt kommt’s: Mal steigt dir jemand auf die Füße. Wie bei einem Tanz einfach. Verstanden? Es ist zudem extrem schön zu wissen, dass es auch andere Menschen gibt, die sich "im Beat ganz verlieren".

20:34 Uhr: Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Helene singt "Die Erste deiner Art".

"Du bist die Erste, die es wagt.

Dein Weg wird steinig und wird hart.

Du gehst ihn auch für die danach, oooh.

Du bist die erste deiner Art"

Hat die Fischer Helene eigentlich Philosophie studiert? Wenn ja: Merkt man. Wenn nein: Merkt man nicht.

Babykugel? Silbereisen Flori? Was ist bloß mit Steven Gätjen los?

20:39 Uhr: Weder auf die Babykugel, noch auf den Silbereisen Flori wurde Helene bis dato angesprochen. Was ist bloß mit diesem Steven Gätjen los?

20:42 Uhr: "Der Vibe, den du ausstrahlst, geht auf alle anderen über", sagt Gätjen lieber zu Helene. An dem Satz ist die Sat1-Redaktion vermutlich zweieinhalb Wochen gesessen. Am gesamten Bauchpinsel-Konzept hat man rund ein Jahr gefeilt.

20:44 Uhr: Gätjen will mehr über die private Helene in Erfahrung bringen und frägt die Sängerin doch allen Ernstes, ob sie sonntags in ihren Jogginganzug pupst? Fischer geht darauf nicht wirklich ein und antwortet furztrocken: "Ich liebe Sonntage, meine Lieblingstage, weil keiner nervt und anruft." Gätjen ist, das merkt man, jetzt ein bisschen stolz auf sich, weil er sich getraut hat, so eine freche Frage zu stellen.

21:01 Uhr: Endlich! Man sieht den Silbereisen Flori im Rahmen eines weiteren Rückblicks auf einem Foto mit Helene. Gänsehaut! Doch wer glaubt, jetzt wird über Helenes einstige Beziehung mit dem Silbereisen Flori geredet, irrt gewaltig. Nichts dergleichen! Helene schweigt sich aus. Extrem schlecht, die Sendung.

21:11 Uhr: Helene erklärt, warum sie ihr Album "Rausch" genannt hat. Ihrer fidelen Schwammigkeit kann man aber nicht folgen. Es heißt halt einfach so.

21:17 Uhr: Via Einspieler will eine Supermarktverkäuferin wissen, welches Obst und Gemüse Helene am liebsten habe. "Da etwas rauszupicken, ist echt schwierig", ist der Superstar verzweifelt. Also wenn man auf eines im Leben verzichten kann, dann ist das sicherlich die "Obst- und Gemüse"-Frage. Das ist in Sachen Thrill schon ein wenig grenzwertig. Doch Helene geht der Frage nicht aus. Nach langem hin und her entscheidet sie sich letztlich für den Apfel und die Tomate. Fans, die ebenso voll auf Äpfel und Tomaten abfahren, haben jetzt Tränen in den Augen. Echt im Arsch ist hingegen, wer auf Birnen und Zucchini steht.

21:19 Uhr: Nach der extrem guten Frage aus der "Obst & Gemüse"-Abteilung verzichtet Gätjen auf weitere relevante Fragen. Etwa:

  • "Beim WC: Lieber Tiefspüler oder Flachspüler?"
  • "Wenn du dich zwischen den Schuhgrößen 26 und 48 entscheiden müsstest, welche würdest du nehmen?"
  • "Hättest du lieber einen dauerhaft eingewachsenen Nagel oder für fünf Jahre eine Hammerzehe?"

21:36 Uhr: "Wenn es eine Sängerin gibt, die mich immer begleitet hat, dann ist das das Céline Dion", offenbart Helene, die die Kanadierin auch mal persönlich kennenlernen durfte. "Ich hab ihr damals mein Buch 'Farbenspiel' geschenkt", erklärt sie. Okay.

21:37 Uhr: Mit der "Schnellfragerunde" beweist der Sender Sat.1, dass er auch echt edgy sein kann. Hier ein paar Auszüge:

  • Gätjen: "Was hörst du denn zum Einschlafen?"
  • Helene: "Nix"
  • Gätjen: "Welcher ist dein Lieblingswitz?"
  • Helene: "Da kann ich keinen raushauen."
  • Gätjen: "Was ist das Peinlichste, was dir je passiert ist?"
  • Helene: "Kann ich dir gar nichts drauf antworten."

21:40 Uhr: Helene erzählt, dass Schlagerkollege Tony Marshall einst zu ihr meinte, sie solle – vermutlich ihres mangelnden Talents wegen – die Finger von dieser Branche lassen. Er habe sie nicht als Schlagersängerin gesehen, sondern aufgrund ihrer Vielseitigkeit als vielversprechendes Musicaltalent, rechtfertigt sich Marshall inzwischen. So wurscht!

21:48 Uhr: Gätjen, dessen Fragen inzwischen selbst veritable Hardcore-Fans reihenweise wegknacken lassen, will nun wissen, was der Star der 20 Jahre jüngeren Helene sagen würde. "Ich würde ihr raten, viele Dinge lockerer zu sehen", antwortet Helene. 90 Prozent ihrer Fans wollen jetzt die Dinge lockerer nehmen.

Noel Gallagher über Helene: "Das ist ja furchtbar!"

21:59 Uhr: Ex-"Oasis"-Mastermind Noel Gallagher wurde in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt" einmal zu Helene Fischer befragt. "Wer soll das sein?", fragte Gallagher zurück, worauf ihm der Song "Atemlos" vorgespielt wurde. Der Befund des "Oasis"-Manns: "Das ist ja furchtbar! Gott, können wir das bitte ausmachen? Das ist genau die Popmusik, von der ich spreche. Sie bedroht heute die ganze Welt. Das ist Musik, die absolut nichts mehr bedeutet. Oder noch schlimmer: Das hier ist nicht mal Musik. Das soll in Deutschland das große Ding sein? Unfassbar! Aber man muss auch immer genau nachschauen, wer solche Songs schreibt. Das war garantiert nicht diese Helene Fischer. Das waren ein paar Typen in meinem Alter, die zu fett sind, um Rockstars zu sein, eine Glatze haben und Scheißsongs schreiben."

22:01 Uhr: Helene bietet jetzt ihren Song "Bis du wieder scheinst". Darin heißt es:

"Du bist nicht allein.

Ich lauf' für dich tausend Meilen.

Durch deine Eiszeit.

Bis du wieder scheinst."

Das ist einfach nicht gut. Man wünscht sich inzwischen seinen Song über Tomaten.

"Oh Tomate, ti amo, Tomate!

Aber nur, wenn du nach etwas

schmeckst. Denn du, oh, Tomate,

du schmeckst heute so oft nach

nichts. Oh, Glashaustomate, wie

ich dich hasse. Oh, Glashaustomate,

du weißt, warum ich dich lasse."

Klar, das ist noch nicht perfekt, aber sowas in die Richtung würde den Fans schon helfen.

22:00 Uhr: Die nächste Schnellfragerunde.

  • Gätjen: "Hast du ein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?"
  • Helene: "Nicht mehr."
  • Gätjen: "Kuckst du Horrorfilme?"
  • Helene: "Ne!"
  • Gätjen: "Kannst du ein Instrument spielen?"
  • Helene: "Noch nicht."

22:14 Uhr: Helene Fischer findet Mario Barth besser als Helge Schneider. Was stimmt nicht mit ihr?

22:22 Uhr: Die Werbung legt uns "Iberogast" nahe. Das würde gegen Blähungen helfen, heißt’s.

22:30 Uhr: "Helene, schwuppdiwupp, die Zeit ist um", sagt Steven Gätjen nach dem Supertipp gegen Blähungen. "Wahnsinn!", antwortet Helene, die uns noch den Song "Genau dieses Gefühl" schenkt, der leider auch sterbenslangweilig ist.

22:32 Uhr: Da wartet die ganze "Helene Fischer"-Bubble auf relevante Infos zur Schwangerschaft und Babykugel? Und welche Themen werden nicht aufgegriffen? Richtig, Schwangerschaft und Babykugel. Wenn's nicht so wurscht wäre, müsste man sich aufregen. Danke, es war sehr fad.

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