"Verstehen Sie Spaß?" ist einer der letzten Dinosaurier im deutschen Fernsehen. Das Erste feierte am Samstagabend das 40-jährige Jubiläum der Show mit vielen Rückblicken und genauso vielen Prominenten. Das ergab lustige Momente, aber auch solche, bei denen einem der Spaß verging.

Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock

Reinhold Messner besteigt als Erster den Mount Everest ohne Sauerstoffflasche, Helmut Schmidt ist Kanzler der Bundesrepublik und Mike Krüger landet mit "Der Nippel" einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland. Dass die Welt vor 40 Jahren eine andere war, ist eine ziemliche Binse und natürlich war auch die Welt von 1980 keine heile Welt: Die Sowjetunion startet eine Großoffensive in Afghanistan, der erste Golfkrieg beginnt und John Lennon wird erschossen.

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Trotzdem erscheinen gerade in Krisen wie der aktuellen frühere Zeiten als sicherer. Damals, als es noch keine Corona-Pandemie gab. Was jedoch die Welt von 1980 mit der Welt von 2020 verbindet, ist, dass es damals wie heute Samstagabendshows gab, die einen diese Welt für ein paar Stunden vergessen ließ. Eine dieser Shows ist "Verstehen Sie Spaß?" und die wird in diesem Jahr – und damit schließt sich der Kreis zu 1980 – 40 Jahre alt.

Für die ARD beziehungsweise den Südwestrundfunk Grund genug, diesen TV-Dino, nach einer ersten Geburtstagsshow im April, am Samstagabend noch einmal mit einer dreistündigen Show und reichlich Prominenz hochleben zu lassen und vor allem die schönsten Momente mit der versteckten Kamera zu zeigen. Nicht umsonst trug die Jubiläumsausgabe den etwas unnötigen Untertitel "die große Bescherung", so als ob man die alten Filmchen nur an Weihnachten gezeigt hätte.

"Verstehen Sie Spaß?": "Das Tablett", "Die Drehtür" und Co.

Doch weil Menschen auf Ranglisten stehen, konnte man diese schönsten Momente nicht einfach schönste Momente sein lassen, sondern rief eine völlig subjektive Top Ten aus. Und so bekam man die vergangenen 40 Jahre "Verstehen Sie Spaß?" eben in einer Chart-Version vorgeführt – an der Qualität der ausgesuchten Späße und des Nostalgiegefühls änderte das freilich nichts.

Zum Beispiel bei Platz Nummer zehn, der aus der Premierenshow von 1980 stammte und simpler nicht hätte sein können. In "Das Tablett" will der Lockvogel wegen der überfüllten Kantine draußen essen und bittet Passanten mal eben, das Tablett zu halten. Die gehen von einem kurzen Gefallen aus, doch der Lockvogel lässt die Passanten tatsächlich das Tablett so lange halten, bis er fertig gegessen hat.

Und so geht es weiter durch die vergangenen 40 Jahre und von einer Begegnung mit der Fernsehvergangenheit zur nächsten. Man sieht, wie Menschen 2002 an einer präparierten Drehtür verzweifelten und immer wieder gegen die Scheibe liefen oder wie Ireen Sheer 1990 in Wut- und Verzweiflungsattacken getrieben wurde, weil Paola Felix bei einer Veranstaltung direkt vor ihr auftrat und exakt dieselben Nummern zeigte, die eigentlich Sheer singen wollte.

Warum funktioniert "Verstehen Sie Spaß?" heute noch?

Dass der Spaß, anders als sonst, damals nicht direkt aufgeklärt wurde, lag, wie Paola Felix am Samstagabend im Studio erzählt, daran, dass Sheer viel zu aufgebracht gewesen sei: "Sie war in ihrer eigenen Welt, es war ganz unmöglich sie zur Raison zu bringen." Inzwischen liege man sich aber in den Armen, wenn man sich mal zufällig trifft.

Der Spaß mit Sheer ist zwar bereits 30 Jahre her, aber die Reaktion der Sängerin zeigt, warum das Konzept von "Verstehen Sie Spaß?", nämlich Menschen hereinzulegen, immer noch funktioniert. Weil hier dosierte Schadenfreude, Ungewissheit und Empathie aufeinandertreffen, wie auch Thomas Gottschalk, Gast auf dem Show-Sofa, erklärt: "Die Leute reagieren, wie man selbst reagieren würde."

Und so konnte am Samstagabend jeder Zuschauer und jede Zuschauerin für sich selbst überprüfen, was er oder sie wohl gemacht hätte, wenn man Zeuge von schwebenden Autos gewesen wäre. Diesen Spaß, bei dem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma während ihrer Schicht damit veralbert wurden, dass die zu überwachenden Autos plötzlich durch die Luft fliegen, landete nämlich in der Rangliste auf Platz eins.

Guido Cantz: "Wir sind ja getestet"

Ob das nun wirklich der spaßigste Spaß aus 40 Jahren war oder nicht, ist freilich sehr subjektiv. Ebenfalls sehr subjektiv, aber deutlich weniger spaßig war am Samstagabend aber das Verhalten zweier Gäste. Guido Cantz leitete den Abend bereits mit einem halbgaren Corona-Gag ein. Er habe in diesem Jahr keine Krippe, weil "die Figuren mit 1,5 Meter Abstand stehen müssen."

Das kann man lustig finden oder nicht. Nicht lustig fand hingegen Paola Felix, was Henning Baum von Corona-Abstandsregeln hielt. Als "Der letzte Bulle" die anderen Gäste auf dem Show-Sofa begrüßte, gab er Paola Felix einen Handkuss, weil "er die Gelegenheit nutzen wollte". Das war vielleicht als Respektsbekundung gemeint war, ist in Pandemiezeiten aber mindestens diskutabel, so dass Guido Cantz gleich beschwichtigen wollte: "Wir sind ja getestet."

Gottschalk will enger zusammenrücken

Den gleichen Spruch musste er allerdings wenig später noch einmal verwenden. Thomas Gottschalk schlug nämlich plötzlich vor, ein wenig enger zusammenzurücken. Henning Baum ließ sich das nicht zweimal sagen und rückte sofort und vor allem ungefragt Paola Felix auf die Pelle, was der 70-Jährigen sichtlich unangenehm war. Also musste Cantz erneut seinen "Wir sind ja getestet"-Spruch auspacken. Doch egal, ob getestet oder nicht: In einer Zeit, in der die Infektions- und Todeszahlen von einem Höchststand zum nächsten eilen, sieht Vorbildfunktion ein bisschen anders aus.

Das sahen die weiblichen Gäste wohl auch so, denn nachdem sich Thomas Gottschalk und Henning Baum frühzeitig verabschiedet hatten, saßen mit Judith Rakers, Barabara Schöneberger, Tahnee und Paola Felix nur noch Damen neben Cantz. Und die hielten sich an den Mindestabstand, schließlich hatte man dafür extra ein XXL-Sofa im Studio. Beim gegenseitigen Schutz sollte man eben keinen Spaß verstehen.