Während der Corona-Pandemie hatte der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) extrem gelitten. Mit dem zwischen Juni und August 2022 gültigen "9 für 90-Ticket" sollten die Menschen wieder an Bus und Bahn herangeführt werden. Das sogenannte 9-Euro-Ticket, das nach Branchenangaben etwa 52 Millionen mal verkauft wurde, erwies sich als großer Erfolg, da sind sich die meisten Experten und Beobachter einig. Früh forderten sie eine Nachfolgeregelung. Diese wurde mit dem "Deutschlandticket" – so die offizielle Bezeichnung – gefunden und eingeführt.

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Was kostet das Deutschlandticket?

Die Kosten des seit Mai 2023 erhältlichen Angebots beziffert der inoffizielle Zweitname "49-Euro-Ticket", wobei Kinder unter sechs Jahren kostenlos mitfahren können. Dabei bleibt es vorerst, obwohl es in der Öffentlichkeit Gerüchte gab, der Preis könnte sich ab Mai 2024 erhöhen, da er offiziell nur bis Ende April 2024 festgeschrieben war. "Der Einführungspreis von 49 Euro bleibt für das Gesamtjahr (2024) stabil", sagte Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), nachdem die Verkehrsministerkonferenz das Thema beraten hatte. Sein Kollege aus Niedersachsen, Olaf Lies, äußerte laut dpa die Hoffnung auf eine noch größere Marktdurchdringung. Dies sei "wichtig, denn jedes zusätzlich verkaufte Ticket sichert die Finanzierung besser ab". Aktuellen Zahlen zufolge wird das Deutschlandticket von etwa zehn Millionen Menschen genutzt.

Bleibt der Preis langfristig stabil?

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass das Deutschlandticket nach dem nächsten Jahreswechsel noch lange 49 Euro kosten wird. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte laut "Süddeutscher Zeitung" bereits in einem frühen Stadium der Ausarbeitung angekündigt: "Der Preis wird steigen." Denn die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben einen automatischen Inflationsausgleich vereinbart. Steigen die Kosten für die Verkehrsbetriebe, beispielsweise durch höhere Kraftstoff- und Strompreise, wird das Deutschlandticket ebenfalls teurer. Das soll verhindern, dass die Bus- und Bahnbetreiber in diesem Fall ihr Angebot ausdünnen, um Kosten zu sparen.

Wo kann ich mit dem 49-Euro-Ticket fahren?

"Attraktiv, digital, einfach: Noch nie war es für die Menschen in unserem Land so einfach, Bus und Bahn zu nutzen", versprach Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) bei der Einführung des Angebots. Deshalb handelt es sich beim Deutschlandticket nicht um eine Karte für bestimmte Zeiträume, wie es noch beim 9-Euro-Ticket der Fall war, sondern um ein monatlich kündbares Abonnement. Grundsätzlich bietet es jedoch die Freiheiten der Vorgänger-Regelung: Die ÖPNV-Nutzung ist nicht nur im eigenen Heimatort, sondern zusätzlich in anderen Gebieten Deutschlands möglich. Vorteil: Wie beim 9-Euro-Ticket muss sich niemand mit den teils verwirrenden Tarifzonen-Regelungen einzelner Regionen auseinandersetzen. Das bleibt auch so: Im Gesetz wird ausdrücklich "die dauerhafte Vereinfachung des Tarifsystems im ÖPNV durch die Länder" gefordert. Weiterhin können die Regionalzüge der Deutschen Bahn und ihrer Konkurrenzanbieter genutzt werden.

Sind auch Fahrten mit Fernverkehrszügen möglich?

Fahrten mit den DB-Fernzügen (IC oder ICE) und/oder in der ersten Klasse sind eigentlich ausgeschlossen. Es gibt jedoch Ausnahmen. So hat sich jüngst der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mit der Deutschen Bahn geeinigt, dass das Deutschlandticket auch in einigen ihrer Fernverkehrszüge akzeptiert wird. Der Grund: Diese von der DB oder den Österreichischen Bundesbahnen unter der Marke Railjet betriebenen Züge gelten auf Teilstrecken ebenfalls als Regionalexpress und werden deshalb Menschen, die eine entsprechende Nahverkehrsverbindung suchten, als solche angezeigt. Dies führte bei den Nutzerinnen und Nutzern zu Verwirrung, weshalb diese Verbindungen nun in das Deutschlandticket-System integriert werden. Ähnliches gilt für derartige Doppelrollen-Verbindungen in anderen Regionen Deutschlands.

Hier eine Aufstellung, auf welchen IC- und ICE-Verbindungen das Deutschlandticket gilt (Quellen: VBB und Spiegel):

  • IC Berlin Hbf – Elsterwerda
  • ICE Berlin Südkreuz – Prenzlau
  • IC Potsdam Hbf – Cottbus
  • IC und ICE Rostock – Stralsund
  • IC/RE Bremen – Emden Außenhafen oder Norddeich Mole
  • IC/RE Dresden – Chemnitz
  • IC/RE Erfurt – Gera
  • IC/RE Dillenburg – Dortmund (mit Ausnahme der Sprinter, die bis Münster oder Emden fahren)
  • IC/RE Stuttgart – Konstanz

Wie lautet die Regelung für Jobticket-Inhaber?

"Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erhalten die Möglichkeit, ihren Beschäftigten das Deutschlandticket als Jobticket bereitzustellen", heißt es vonseiten der Bundesregierung. Übernehmen diese mindestens 25 Prozent der Kosten, schießen Bund und Länder bis zum 31. Dezember 2024 weitere fünf Prozent als Übergangsabschlag beziehungsweise "Rabatt" zu. Pendlerinnen und Pendler könnten dadurch mindestens 30 Prozent sparen; der Preis würde also auf maximal 34,30 Euro sinken.

Was gilt für Menschen mit Zeit- und Abo-Tickets?

Wer ein reguläres Abo-Ticket nutzt, beispielsweise eine Monats- oder Jahreskarte, kann frei entscheiden, ob er oder sie dieses weiternutzt oder ins Deutschlandticket wechselt. Sollte Letzteres der Fall sein, muss man "in der Regel nicht aktiv werden. Kundinnen und Kunden werden von ihrem Abo-Center über das weitere Vorgehen informiert", sagt die Bundesregierung.

Was gilt für Schüler, Azubis und Studierende?

Für diese Personengruppen könnte es teils noch günstiger werden. Eine konkrete Regelung gibt es für Studierende: Für sie haben sich Bund und Länder im Rahmen der Verkehrsministerkonferenz auf ein monatlich 29,40 Euro teures Deutschlandticket geeinigt. Das bestätigten der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) als deren Vorsitzender sowie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Dieses bundesweit erhältliche Semesterticket, von dem etwa drei Millionen Studierende profitieren dürften, könnte zum Sommersemester 2024 eingeführt. Zuvor müssen noch die Allgemeinen Studierendenausschüsse, die eine langfristige Preisstabilität fordern, die entsprechenden Verträge mit den Verkehrsunternehmen schließen. Ersteren steht es nun frei, dieses Angebot einzuführen oder regionale Alternativlösungen anzubieten.

Können Kinder und Fahrräder kostenlos mitgenommen werden?

Nein. Für Kinder und Fahrräder müssen Zusatztickets gekauft werden. Zudem ist das Deutschlandticket personengebunden und nicht auf andere Personen übertragbar.

Bietet das Deutschlandticket wirklich eine finanzielle Ersparnis?

Meistens ja. Wie groß diese ist, hängt vor allem von der Region ab, in der man lebt. Und wie groß die Tarifzone ist, die man nutzen möchte. Beispiel München: Ein Monatsticket für die Innenstadtzone M kostet für Erwachsene bereits 59,10 Euro. Wer die gesamte Tarifzone des Münchner Verkehrsverbundes MVV nutzen möchte, zahlt aktuell sogar 227,50 Euro. Beides wäre künftig – zumindest anfangs – für 49 Euro nutzbar. Hinzu kommt die Möglichkeit, mit dem Deutschlandticket ohne Extrakosten per Regionalbahn in andere Gegenden Deutschlands zu reisen.

Gibt es auch billigere Angebote?

Aktuell ja. Berlin hatte im Oktober 2022 beispielsweise ein 29-Euro-Ticket eingeführt, in Hessen gibt es ein 31 Euro teures Pendant. Der Beschluss zum Deutschlandticket erlaubt ausdrücklich "ergänzende, länderspezifische Vergünstigungen". Allerdings müssen die Mehrkosten dafür vom jeweiligen Bundesland getragen werden. Eine billigere Variante des Deutschlandtickets für Menschen mit geringen Einkommen ist bisher dagegen nicht geplant. Deshalb gibt es von Sozial- und Verbraucherverbänden Kritik am 49-Euro-Ticket. Sie fordern entweder, die Kosten auf 29 Euro zu verringern, oder ein 365-Euro-Ticket für das gesamte Jahr einzuführen. Weil einige Bundesländer bereits günstigere Sozialtickets angekündigt haben, befürchten einige Verkehrsexperten bei diesen einen Flickenteppich.

Droht das Aus des Deutschlandtickets?

Möglicherweise ja. Für 2024 erwarten die Betreiber Mehrkosten, welche die Städte und Gemeinden sowie ihre Verkehrsbetriebe nicht allein ausgleichen können. Deshalb fordern sie weitere finanzielle Zusagen seitens des Bundes, die es in einer Sonderkonferenz der Verkehrsminister im Herbst 2023 jedoch nicht gab. Später einigten sich Bund und Länder darauf, dass bisher nicht verbrauchte Geldmittel auch 2024 eingesetzt werden können. Dies trägt dazu bei, den Preis von 49 Euro zumindest bis zum Jahresende 2024 aufrechterhalten zu können. Dem Gesetz zufolge müssen sowohl der Bund als auch die Länder und Kommunen das nötige Geld für das Deutschlandticket bereitstellen und die ÖPNV-Betreiber bis 2025 pro Jahr mit jeweils 1,5 Milliarden Euro unterstützen.

Wie ist die Finanzierung nach 2025 geregelt?

Der ÖPNV ist generell Ländersache, doch bei der Finanzierung des Deutschlandtickets sehen sie generell den Bund in der Pflicht. Entsprechend ist die Frage, wer nach 2025 für die Kosten aufkommt, bislang ebenfalls ungeklärt. Dann soll es ein erneutes Gesetzgebungsverfahren geben, "um auf der Grundlage der dann erfolgten Regelungen zum Nachteilsausgleich die weitere Finanzierung des bundesweit gültigen Nahverkehrstickets dauerhaft zu sichern", wie es im Gesetzentwurf heißt. Folglich ist das aktuelle Gesetz bis zum Jahresende 2025 befristet.

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Warum wurde das Deutschlandticket verzögert eingeführt?

Bund und Länder haben lange um die Nachfolgeregelung zum 9-Euro-Ticket gerungen, allein das hat den Einführungsprozess verzögert. Zudem mussten die regionalen Verkehrsverbände, die den Vertrieb des Deutschlandtickets regeln, im Zuge dessen ihre Tarifsysteme umstellen – so etwas dauert. Die aktuelle Regelung lautet: Anfangs und bis Ende des laufenden Jahres gibt es das Deutschland- zusätzlich als Papier-Ticket und danach nur noch digital auf dem Smartphone oder als Chipkarte. Wie so oft bei derartigen Projekten verzögerte bereits vor Einführung des Angebots der Streit um die Finanzierung dessen Umsetzung.

Hinweis: In der Fotoshow präsentieren wir Ihnen die aktuelle Statistik des Umweltbundesamtes (UBA) zu Deutschlands Treibhausgasemissionen.  © auto motor und sport

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