• Umfragen zeigen, dass sich viele Deutschen Markus Söder als Kanzlerkandidat wünschen.
  • Doch will der CSU-Chef das Amt überhaupt?
  • Der Politikberater Werner Weidenfeld analysiert die Absichten des bayrischen Ministerpräsidenten für der Bundestagswahl 2021.­­­­­

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Die Umfrageergebnisse sind eindeutig: Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist derzeit der beliebteste Kanzlerkandidat der Deutschen. Bei einer Umfrage von Infratest Dimap für die ARD nannten vor rund zehn Tagen auf die Frage, wer ein guter Kanzlerkandidat wäre, 55 Prozent den Namen des CSU-Chefs.

Unter den CDU-Anhänger sagten dies – vor der Wahl zum neuen CDU-Vorsitzenden vom vergangenen Wochenende – sogar ganze 80 Prozent. Damit ist Söder in der CDU sogar beliebter als die parteieigenen Kandidaten. Ein beachtliches Ergebnis für einen Politiker, dessen politische Karriere bisher ausschließlich in Bayern stattgefunden hat.

Ob Söder plant, im Wahljahr 2021 die politische Bühne Münchens gegen Berlin zu tauschen, hat er bisher offengelassen. Zuletzt sagte er im Heute Journal des ZDF am Samstagabend, "um Ostern herum oder nach Ostern" sei der geeignete Zeitpunkt, um zu entscheiden, wer als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen gehen solle.

Kanzlerkandidatur hochriskant für Söder

Der Politikberater Werner Weidenfeld, der nach eigenen Angaben bereits "vier Kanzler*innen" beraten hat, glaubt, dass Söder "derzeit wahrscheinlich selbst noch unentschieden" ist, ob er bei der Bundestagswahl für die Union antreten will oder nicht. "Schließlich handelt es sich um ein hochriskantes Unterfangen", erklärt Weidenfeld.

Das habe man in der Vergangenheit bei den Kandidaturen von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber sehen können: Solange sie starke CSU-Vorsitzende waren, sei alles gut gelaufen. "Aber sobald sie im Bund angetreten sind, ging zwangsläufig das Bayrische, für das sie im Freistaat so geschätzt werden, verloren und die Zustimmung ist gesunken." Dieses Risiko gebe es auch für Söder.

Das Problem liege im Selbstverständnis der Bayern, so Weidenfeld. Dem zufolge müsse die CSU dem Bund "auf die Füße helfen". "Schließlich wissen wir Bayern besser, wie die Dinge gemacht werden." Doch als Kanzlerkandidat mussten die CSU-Männer dann bundesweite Überlegungen einbeziehen und das typisch bayrische Element ging verloren.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fließen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäß dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

Söder betreibt situatives Krisenmanagement

"Es ist bisher noch keinem CSU-Kandidaten gelungen, Bayern und den Rest des Landes gleichzeitig hinter sich zu versammeln", sagt Weidenfeld. Er ist überzeugt, dass Söder sich dieses Dilemmas bewusst ist. Gleichzeitig zeichnet sich Söder dadurch aus, dass er "sehr ehrgeizig und zielstrebig" ist – gute Voraussetzungen für eine Kandidatur.

"Söder macht bei aktuellen Themen häufig einen führungsstarken Eindruck, weil er etwa bei diskutierten Corona-Maßnahmen gern eine Schaufel drauflegt. Daher werden seine Vorstöße auch bundesweit beachtet", analysiert Weidenfeld. Er glaubt jedoch nicht, dass Söder diese Schritte absichtlich unternimmt, um sich so als Kanzlerkandidat zu positionieren: "Mir fehlt die Fantasie, darin eine Strategie zu erkennen."

Insgesamt sieht der Politik-Experte derzeit im gesamten deutschen Politikbetrieb "eine strategische Sprachlosigkeit", die in der Beantwortung der Pandemie ein dramatisches Ausmaß angenommen habe: "Dabei handelt es sich nicht um eine Strategie, sondern nur um eine Reaktion auf aktuelle Entwicklungen, ein situatives Krisenmanagement."

Bundestagswahl 2021: Söder hat keinen Zeitdruck

Söder empfiehlt sich also weniger durch eine klare Strategie als mit seinem Management der Coronakrise in Bayern fürs Kanzleramt. So gab es zwar auch in Bayern Pannen beim Umgang mit der Pandemie – etwa durch die verzögerte Kommunikation von Testergebnissen – doch Söder hielt sich nie zu lange mit ihnen auf.

Vielmehr fiel er stets durch seine harten Forderungen auf: der Impfpflicht für Pflegekräfte etwa oder dem FFP2-Maskengebot in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sollte Söder bei diesem Stil bleiben, könne er noch viele Jahre lang erfolgreich bayrischer Ministerpräsident bleiben, gibt Weidenfeld zu bedenken. Sein Weg in der Bundespolitik ist hingegen keineswegs sicher.

So gibt Weidenfeld zu bedenken, dass die große Unbekannte die Frage sei, wie es mit der CDU nach der Ära Angela Merkel weitergehen wird. "Die Zustimmungswerte zur CDU werden ohne den Kanzlerinnen-Bonus bröckeln", sagt er. Dagegen kann auch ein Markus Söder nur schwer ankommen.

Vielleicht würde es sich für den 54-jährigen Söder auch lohnen, eine oder zwei Bundestagswahlen abzuwarten: "Zeit, es in vier oder acht Jahren auf Bundesebene erneut zu probieren, bleibt ihm immer noch", so Weidenfeld.

Über den Experten:
Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld ist Professor für politische Systeme und Europäische Einigung an der Universität München und Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung. 1987 bis 1999 war er Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit und hat seitdem – wie er es selbst formuliert – "vier Kanzler*innen“ beraten. Um wen es sich genau handelt, verrät er nicht – schließlich lebe der Job des Politikberaters von Diskretion.

Verwendete Quellen:

  • ARD: Deutschlandtrend vom 7.1.21
  • BR: Bayerntrend Januar 2021
  • ZDF: Heute Journal vom 16.1.21

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