Familienmitglieder im engsten Beraterteam, Geschäftsbeziehungen in problematische Länder und die eigenen Kinder als Quasi-Diplomaten: Während Trump mit dem Finger auf die Bidens zeigt und Korruptions-, Klüngel- und Vetternwirtschaftsvorwürfe austeilt, zeigt sich bei einem genauen Blick: Auch er selbst und seine Familie sind beileibe nicht frei von Interessenskonflikten.

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Es ist wenige Jahre her, da grölten die Menschenmassen in den Wahlkampfhallen im Chor: "Drain the swamp!", zu Deutsch: "Trocknet den Sumpf aus!" Mit "Sumpf" waren die Eliten gemeint, denen Trump – so beteuerte er – Paroli bieten werde. "Unter meiner Regierung werden wir gegen Lobbyisten und die korrupte Interessenspolitik in Washington kämpfen", kündigte er an.

Dass Politikanalysten seine Präsidentschaft mittlerweile als "den sumpfigsten Sumpf" betiteln und feststellen, Trump bewässere ihn vielmehr, ist hinlangst bekannt und Trump völlig egal.

Donald Trump wirft anderen Korruption vor

Trump wird nicht müde, sich dieses Motivs zu bemühen. Im Ukraine-Skandal - bei dem er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu ermuntert haben soll, Ermittlungen gegen die Familie seines Rivalen Joe Biden vorzunehmen - verteidigt Trump sein Handeln erneut mit seinen Bemühungen um das Austrocknen des elitären Sumpfes.

"Hunter Biden bekam 100.000 US-Dollar von einer ukrainischen Energiefirma, obwohl er keine Erfahrung im Energiesektor hat und 1,5 Milliarden Dollar aus China ohne ersichtlichen Grund", twitterte Trump Anfang Oktober. Und fuhr fort: "Niemals waren das legitime Transaktionen!"

Als Präsident sei er verpflichtet, wahrscheinlicher Korruption nachzugehen. Für die Demokraten sind diese "Untersuchungen" selbst ein Fall von Korruption, sie wollen ihn des Amtes entheben. Schließlich setzte Trump Selenskyj mit dem Zurückhalten von Militärhilfen in Millionenhöhe unter Druck.

Präsident sitzt selbst im Glashaus

Den Ausgang des Ukraine-Skandals außer Acht: Trump zeigt mit dem Finger auf andere, obwohl er selbst im Glashaus sitzt. Auch für ihn gilt: Blut ist dicker als Wasser, seine Familie ist selbst in Wirtschaft und Lobbyismus verstrickt. Wie genau?

Sein Vater Fred Trump hat Donald ein mächtiges Firmenimperium hinterlassen. Die "Trump Organisation" hat über 20.000 Beschäftigte, das Kerngeschäft besteht aus der "Trump Real Estate", weitere Betätigungsfelder sind Hotels, Golf, Unterhaltung und Vertrieb.

Zur Firma gehören Golfplätze in Schottland, Luxusimmobilien in der Türkei, Indien und Kanada. Subunternehmen sind "Trump Natural Spring Water" oder die "Trump Productions", auch Restaurants oder Videospiele tragen seinen Namen, ebenso Anzüge und Wodka. Dabei bestehen geschäftliche Verbindungen in Dutzende Länder, darunter China und Saudi-Arabien.

Kinder führen Tagesgeschäfte des Firmenimperiums

Üblicherweise überführen Präsidenten in den USA vor Amtsantritt ihre Beteiligungen in einen "Blind Trust", wobei ein unabhängiger Dritter das Vermögen in einer Treuhandstiftung für die Dauer der Amtszeit verwaltet. So handhabten es beispielsweise Trumps Vorgänger Reagan, Clinton und Bush.

Einem derartig verflochtenen Imperium wie dem von Donald Trump stand bislang jedoch noch kein amerikanischer Präsident vor. Seit seinem Amtsantritt führen seine beiden ältesten Söhne Donald Jr. ("Don") und Eric Trump als CEOs die Firma. Wirklich getrennt hat er seine Unternehmen vom Präsidentenamt damit nicht – schließlich kann er mit seinen Kindern jederzeit über die Geschicke im Unternehmen sprechen.

Klage wegen Interessenskonflikten

Der Vorwurf der Vetternwirtschaft, gerade bei guten Handelsbeziehungen zu Ländern, in denen die "Trump Organisation" aktiv ist, drängte sich seit 2016 somit auf. Tatsächlich reichten Behörden bereits Klagen wegen Interessenskonflikten ein.

Wie "Focus" berichtet, soll die "Trump Organisation" Zahlungen und Gefälligkeiten ausländischer Regierungen angenommen haben. Zentraler Anklagepunkt sei ein Hotel in Washington, welches Trump 2016 eröffnete. Ausländische Regierungen sollen das Hotel anderen Unterkünften vorgezogen oder sogar in letzter Minute auf Trumps Hotel umgebucht haben.

Ivanka ist im Mediengeschäft vernetzt

Die Brüder Don und Eric sind nicht die einzigen Präsidenten-Verwandten mit Einfluss in der Wirtschaft. So betreibt Trumps Tochter Ivanka ein eigenes Mode- und Schmucklabel und ist im Medien-Geschäft bestens vernetzt. Mit der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly soll sie sich regelmäßig zum Mittagessen treffen.

Trumps Schwester Elizabeth arbeitete einst auf Führungsebene der Manhattan Bank, die ältere Maryanne war - wie auch Donald und Bruder Robert - Eigentümerin der Firma "All County Building Supply & Maintenance", über die zwielichtige Steuerspargeschäfte abgewickelt worden sein sollen. Robert Trump sitzt heute im Vorstand der Videospielfirma ZeniMax Media.

Kinder als "Diplomaten"

Isoliert betrachtet sind diese wirtschaftlichen Aktivitäten kein Verbrechen. Aber die Grenzen zwischen Politik und Wirtschaft verschwimmen. Don, Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner – alle Teil seines offiziellen Wahlkampfteams– sind heute Berater im Weißen Haus.

Laut "Federal Anti-Nepotism Act" darf der US-Präsident Familienmitglieder eigentlich nicht auf Regierungsposten setzen. Trump aber argumentiert: Die untersagten Nominierungen bezögen sich nur auf Kabinettsposten und Bundesbehörden - was das Weiße Haus nicht ist.

Der Einfluss, den die Drei in der Politik ausüben, ist nicht zu unterschätzen. Sie gelten Trump als eine Art "Diplomaten" – begleiten ihn zu Staatsbesuchen wie nach Großbritannien oder zu Regierungsgipfeln wie dem G20-Gipfel in Japan.

Tochter als "Schatten-Außenministerin"

Ivanka gilt als Lieblingstochter des Präsidenten und als enge Vertraute. Anders als ihre Halbschwester Tiffany unterstützte Ivanka ihren Vater bei Wahlkampfauftritten und Kampagnen. Vielen halten sie für "die wahre First Lady" – anstelle ihrer Stiefmutter Melania.

"CNN" nennt Ivanka bereits eine "Schatten-Außenministerin" und führt dafür die Small-Talk-Versuche mit Kanadas Premier Justin Trudeau, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der künftigen Chefin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde und der damaligen britischen Premierministerin Theresa May auf dem G20-Gipfel an.

Außerdem ließ sich Ivanka im Anschluss an Trumps "20 steps into North Korea" mit dem Diktator Kim Jong Un von Journalisten fotografieren. Trump sagte über Ivanka bereits: "Wenn sie einmal als Präsidentin antreten will, wird es sehr, sehr schwierig sie zu schlagen."

Donald Jr. verschwieg enge Geschäftsbeziehungen

Während sich Ivanka auf internationalem Parkett bewegt, beteiligte sich Don auf nationaler Bühne an Verschwörungstheorien, welche die Abstammung der kalifornischen Senatorin Kamala Harris anzweifeln. Im vergangenen Jahr wurde außerdem bekannt, dass der Trump-Sprössling enge Geschäftsbeziehungen zu Gentry Beach, einem texanischen Hedgefonds-Manager, nicht gemeldet hatte.

Das hätte er aber tun müssen, denn Beach sammelte Millionen Dollar für den Wahlkampf und hatte nach der Wahl Zugang zur Regierung. Mehrfach soll sich Beach laut Angaben der "FAZ" mit Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrates getroffen haben, um die US-Politik gegen Venezuela zu beeinflussen.

Schwiegertöchter sind beide Journalistinnen

Dons Weste hat weitere Flecken: Im Juni 2016 nahm er an einem Treffen mit Vertretern aus Russland im Trump Tower teil. Dabei soll ihm im Zuge der russischen Beeinflussung des Wahlkampfes belastendes Material über Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden sein. Außerdem: Seine jetzige Partnerin ist die Journalistin Kimberly Guilfoyle, welche bis 2018 Moderatorin einer Fox-News-Sendung war und mittlerweile für die Wiederwahlkampagne von Trump arbeitet.

Auch ein Blick auf Trumps Schwiegertöchter und -söhne lohnt: Auch Erics Ehefrau, Lara Yunaska, war TV-Moderatorin und Fernsehproduzentin, ehe sie sich in den Dienst von Trumps Wahlkampf stellte und Mittel beschaffte. Aktuell moderiert sie "Real News Update" – ein wöchentlicher Webcast, indem Trumps Leistungen gelobt werden - produziert von der hauseigenen "Trump Production".

Kushner ist Machtzentrum in Trumps Team

Eine besondere Rolle spielt Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Als führender Wahlkampfmanager leitete er Fundraising- und Social-Media-Kampagnen, wofür er seine Kontakte zu Dutzenden Spezialisten aus dem Silicon Valley nutzte. Auch in der Russland-Affäre fällt ihm eine Rolle als Strippenzieher zu.

Heute gilt der diskrete Chefberater und Immobilienmakler als das Machtzentrum in Trumps Team. Der orthodoxe Jude ist Nahost-Berater und unterhält gleichzeitig enge Geschäftsverbindungen nach Israel. Er soll außerdem die Bundesbürokratie reorganisieren. Einmal aß Kushner mit Mexikos Außenminister zu Abend (ohne dass Rex Tillerson – zu der Zeit amerikanischer Außenminister – davon wusste). Dabei ist der "Quasi-Diplomat", wie auch Ivanka, nie vom Senat bestätigt worden.

"Regiert das Land wie ein Familienunternehmen"

Immer wieder werden auch ihm Interessenskonflikte vorgeworfen, denn seine Kushner Company (KC) musste Kredite in Milliardenhöhe aufnehmen. Auf der Suche nach Investoren in Saudi-Arabien, China und Russland könnte Kushner seine politische Macht für geschäftliche Zwecke ausgenutzt haben oder sich andersherum beeinflussbar gemacht haben. Kushner war außerdem Herausgeber des Wochenblatts New York Observer und investierte viel im Medienbereich.

Verwendete Quellen:

  • Watson.de: Trump wütet auf Twitter gegen die Bidens: Die Anschuldigungen im Fakten-Check
  • Twitter-Account von Trump
  • Focus.de: Trump droht Klage wegen Korruption
  • Spiegel.de: Bleibt alles in der Familie
  • FAZ.net: Schaut her, wir sind beim Staatsbesuch
  • FAZ.net: Ein konservativer Demokrat wird Trump gefährlich
  • CNN.com: The hugely inappropriate weekend of Ivanka Trump and Donald Trump Jr.
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