• In Jerusalem gibt es derzeit die heftigsten Auseinandersetzungen seit Jahren.
  • Die islamistische Hamas beschoss die Stadt seit dem Abend mit Raketen. Bei Gegenangriffen in Gaza hat es Tote gegeben.
  • Im Fokus der Auseinandersetzungen stand zuvor der Tempelberg in Jerusalem mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee - für Juden wie für Muslime ein Ort von herausragender Bedeutung.

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Der aufs Neue eskalierte Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nimmt immer gefährlichere Ausmaße an. Israels Luftwaffe beschoss nach andauernden Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auch in der Nacht zum Dienstag Ziele in dem Küstengebiet, bei denen angeblich mehrere militante Islamisten gezielt getötet wurden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza kamen bei der jüngsten Eskalation der Gewalt 22 Palästinenser ums Leben, darunter neun Kinder. 106 Menschen wurden verletzt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte den militanten Palästinenserorganisationen mit einer harten Reaktion gedroht. Die EU und die USA verurteilten die jüngsten Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und forderten ein sofortiges Ende der Gewalt in dem abgeschotteten Küstengebiet und im von Israel besetzten Westjordanland. "Auch wenn alle Seiten Schritte zur Deeskalation unternehmen (müssen), hat Israel natürlich das Recht, sein Volk und Territorium vor diesen Angriffen zu schützen", betonte US-Außenminister Antony Blinken.

Gazastreifen: Beschuss begann Montagabend kurz nach 18 Uhr Ortszeit

Nach schweren Zusammenstößen hatten die im Gazastreifen herrschenden Islamisten der Hamas per Ultimatum den Abzug aller Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem gefordert. Als Israel dem nicht nachkam, begann am Montagabend kurz nach 18 Uhr Ortszeit der Beschuss.

Israel
Israelische Raketen schlagen in Gaza ein.

Schon vor Mitternacht sprach das Militär von mehr als 150 abgefeuerten Raketen, Dutzende davon habe die Raketenabwehr Eisenkuppel abgefangen. Bis zum Dienstagmorgen ertönten immer wieder Warnsirenen, vor allem in der Peripherie des Gazastreifens und in der Stadt Aschkelon. Tel Aviv begann damit, öffentliche Schutzräume bereitzustellen.

Ein Hamas-Sprecher sagte, die Raketen seien eine "Botschaft" an den Feind Israel und eine "Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt". Zu den Angriffen bekannte sich auch die Gruppe Islamischer Dschihad.

In Jerusalem wurde am Montagabend nach Militärangaben erstmals seit dem Sommer 2014 Raketenalarm ausgelöst. Der Armee zufolge wurden sechs Raketen auch in Richtung der Stadt abgeschossen. Zu Schaden kam dort ersten Berichten zufolge niemand. In der Stadt begingen viele Israelis da den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem einschließlich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967.

Netanjahu: Rote Linie wurde überschritten

"Die Terrororganisationen in Gaza haben am Abend des Jerusalem-Tags eine rote Linie überschritten und uns in den Vororten Jerusalems mit Raketen angegriffen", sagte Netanjahu bei einer Ansprache in der Stadt. "Wir werden keine Angriffe auf unser Gebiet, unsere Hauptstadt, unsere Bürger und Soldaten dulden. Wer uns angreift, wird einen hohen Preis bezahlen." Die israelischen Bürger müssten sich darauf einstellen, dass der gegenwärtige Konflikt länger dauern könnte.

Der Tempelberg in Jerusalem mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Auf dem Tempelberg war es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten gekommen. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von Hunderten Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Verschärfung der Spannungen seit Begeinn des Ramadan

Die Spannungen im Westjordanland und im arabisch geprägten Osten Jerusalems hatten sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan verschärft. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. In den vergangenen Nächten gab es jeweils Konfrontationen.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Jahre 2007 haben sich Israel und die radikale Palästinenserorganisation drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Rund zwei Millionen Menschen leben dort unter miserablen Bedingungen.

Im August 2020 verkündete die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel. Aber auch danach gab es immer wieder Verstöße. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie hat die Zerstörung Israels zu ihrem Ziel erklärt. (dpa/dh)

Neue Gewalt am Tempelberg: Erdogan nennt Israel "Terrorstaat"

In Jerusalem ist es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Palästinensern gekommen. Der türkische Präsident macht Israel für die Gewalt in Ost-Jerusalem verantwortlich und ruft muslimische Staaten auf, Maßnahmen zu ergreifen. Fotocredit: picture alliance / AA/Turkish Presidency / Murat Cetinmuhurdar / Handout