Bei Markus Lanz standen am Dienstagabend die Dauerbrenner-Themen Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg im Fokus. Schon alles gesagt? Die Studiogäste bei Lanz stellten unter Beweis, dass das noch lange nicht der Fall ist. Dabei wurden nicht nur Brüche in der Ampel-Koalition deutlich, sondern auch eklatante Schwächen des Pandemie-Managements.

Eine Kritik
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Bei der Ukraine-Konferenz in Lugano haben mehr als 40 Organisationen und Staaten der Ukraine Wiederaufbauhilfe zugesagt. Russische Streitkräfte sind außerdem weiter vorgerückt, die Großstadt Slowjansk in der Provinz Donezk steht unter massivem Beschuss. Gleichzeitig rollt die Corona-Sommerwelle über Deutschland und Personalausfälle in Krankenhäusern häufen sich.

Das ist das Thema bei "Lanz"

"Wie wirksam waren die Corona-Maßnahmen?" wollte Markus Lanz von seinen Studio-Gästen wissen und blickte dafür gemeinsam mit ihnen auf den Evaluierungsbericht des Sachverständigenrats über die Corona-Maßnahmen. Aufgehängt daran thematisierte Lanz auch die Zerstrittenheit der Bundesregierung und das künftige Vorgehen in der Pandemie. Ebenso spielten wieder der Krieg in der Ukraine, die Nato-Osterweiterung und Waffenlieferungen eine Rolle.

Das sind die Gäste

  • Karl Lauterbach (SPD): Der Bundesgesundheitsminister mahnte: "Uns läuft die Zeit weg. Beim Infektionsschutzgesetz muss es jetzt einfach schnell gehen." Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einmal Schulschließungen gebe, sei sehr gering, aber: "Wir müssen das Schlimmste antizipieren". Lauterbach räumte ein: "Wir haben Spielplätze geschlossen, das hätte man nicht machen dürfen, das hat nichts gebracht. Wir haben Masken draußen getragen, wo es nicht notwendig war". Er weigere sich aber zu sagen, dass es grundsätzlich falsch gewesen sei, die Schulen zu schließen.
  • Prof. Hendrik Streeck: "In der Geburt der Expertenkommission gab es schon einen Fehler. Es hat einfach an Expertise gemangelt", kritisierte der Virologe, der auch Mitglied des Corona-Sachverständigenausschusses war. "Wir hatten zu wenig Zeit und zu wenig Ressourcen, um eine wirklich systematische Evaluation durchzuführen", gab er zu. Die Frage, ob Masken getragen werden sollten oder nicht, sei immer noch hochrelevant. "Wir haben unheimlich viele Daten, aber wir haben in vielen Bereichen die falschen Daten", kritisierte er.
  • Svenja Flaßpöhler: Die Philosophin meinte: "Die Nato-Osterweiterung bis an die Grenzen Russlands ist hoch gefährlich". Der Westen und die internationale Gemeinschaft müssten eine Deeskalationsstrategie betreiben. "Ein Waffenstillstand bedeutet nicht, einen Diktat-Frieden von Putin zu akzeptieren", meinte Flaßpöhler. Man müsse den Schaden, den der Krieg anrichte, begrenzen und dabei auch an globale Folgen wie die Hungerkatastrophe in Afrika denken.
  • Roderich Kiesewetter (CDU): "Die Russen beginnen sofort mit der Russifizierung der Ukraine", beobachtete der Politiker. Die Kernfrage laute aktuell: "Wie können wir die Ukraine unterstützen, dass sie in eine Verhandlungsposition kommt?", so Kiesewetter. Die Gefahr sei, dass die Ukraine ausblutet und Millionen Menschen das Land verlassen würden. "Wenn wir jetzt einen Waffenstillstand machen, wird sich Russland freuen, sich erholen. Die Ukraine wird hoffen, sich wieder zu konsolidieren, aber deutlich kleiner und damit machen wir diesen Landraub zur legitimen Sache Russlands", betonte er.

Das ist der Moment des Abends bei "Lanz"

Der Moment des Abends gehörte ausnahmsweise dem Moderator Markus Lanz selbst. Der sprach nämlich schon in der ersten Hälfte der Sendung aus, was vermutlich viele Zuschauer dachten. Lanz sagte beim Thema Corona-Pandemie: "Es gibt doch ernsthaft wichtigere Fragen, als uns jetzt ernsthaft noch ein weiteres Mal gegenseitig zu versichern, dass Maskentragen in bestimmten Situationen sinnvoll ist", sagte er aufgebracht. Darüber sei bereits unendlich debattiert worden.

"Aber was die Leute jetzt doch gerne wissen würden: Brauchen wir eine vierte Impfung? Wie lange hält eine Immunisierung? Ab welchem Punkt haben wir möglicherweise gar keine Impfung mehr? Was genau bedeutet diese neue Variante? Was kommt im Herbst auf uns zu? Das sind doch die Dinge, die wir jetzt mal bewertet haben müssen", kritisierte Lanz scharf.

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Das ist das Rede-Duell des Abends

Zwar wurde es auch beim Thema Waffenlieferungen immer wieder hitzig, das erfrischendste Rede-Duell des Abends lieferten sich aber Philosophin Flaßpöhler und Gesundheitsminister Lauterbach. Der hatte soeben über erneute Schulschließungen gesprochen, da kommentierte Flaßpöhler: "Wenn man jetzt – wie Herr Lauterbach das sagt – immer vom worst case ausgeht, also morgen kommt das Killervirus um die Ecke, das auch unsere Kinder irgendwie schwer gefährdet, dann ist ja sowieso alle empirische Forschung für die Katz." Dann müsse man den Instrumentenkasten extrem weit fassen.

Lauterbach funkte dazwischen: "Das ein Unterschied, ob ich etwas nicht ausschließen kann, oder ob ich immer vom schlechtesten Fall ausgehe". Es sei "absolut nicht der Fall", dass er immer vom schlechtesten Fall ausgehe, aber er müsse darauf auch vorbereitet sein. Flaßpöhler reagierte: "Die Politik hält die empirische Ungewissheit aufrecht und schleicht sich so aus der Verantwortung!"

So hat sich Markus Lanz geschlagen

Markus Lanz hätte an diesem Abend wohl gerne selbst als Gast im Studio gesessen. Jedenfalls mischte er in der Debatte mindestens genauso häufig mit, wie dass er Fragen stellte. Das heizte die Sendung aber positiv an. Er sagte zum Beispiel zu Gesundheitsminister Lauterbach: "Man versteht als Bürger des Landes nicht mehr, woran man ist. Sind Sie noch eine Regierung?"

Mit Blick auf das Gutachten fragte er scharf in Richtung Streeck: "Sie haben jetzt evaluiert und haben herausgefunden, dass weiter evaluiert werden muss?". Auch Kommentare wie "Man versteht nur noch Bahnhof!", "So kann man doch nicht kommunizieren!" oder "Noch eine Widersprüchlichkeit, die niemand versteht" kamen an diesem Abend von Lanz.

Das ist das Ergebnis bei "Lanz"

Obwohl die Themen Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg die Debatte nun schon seit Monaten bis Jahre bestimmen, gibt es immer noch Sprengstoff und Redebedarf. Bei der Corona-Politik werden dabei zunehmend auch Gräben innerhalb der Ampel-Koalition sichtbar. Bei der Russland-Politik scheiden sich die Geister an der an der Frage: "Wie beendet man den Krieg jetzt am schnellsten?"

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