Maybrit Illner hat mit ihren Gästen zum Ende der Sommerpause über den Klimawandel und seine Folgen diskutiert. Während FDP-Vize Wolfgang Kubicki Zweifel äußerte, ob der Klimawandel tatsächlich menschengemacht ist, schoss sich Grünen-Chef Robert Habeck auf die SPD ein. Ein Klimaforscher übte scharfe Kritik an US-Präsident Donald Trump.

Eine Kritik
von Thomas Fritz, Freier Autor

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Während sich der extrem heiße und trockene Sommer dem Ende zuneigt, wird wieder vermehrt über den Klimawandel diskutiert. Kein Wunder: Wiesen und Felder vertrocknen, Bauern müssen enorme Ernteeinbußen hinnehmen, in den deutschen Städten näherte sich das Thermometer zeitweise der 40-Grad-Marke an.

Wer ist nun gefordert? Soll die Politik mehr steuern? Muss der Einzelne klimafreundlicher leben? Maybrit Illner und ihre Gäste versuchten diese Fragen unter dem Titel "Der heiße Planet - sind wir zum Verzicht bereit?" zu beantworten.

Wer waren die Gäste?

Max Moor: Der Schweizer ARD-Moderator züchtet in der Nähe von Berlin Wasserbüffel. Das heiße Wetter macht seinen Tieren zu schaffen, das Futter wird knapp.

"Es wächst einfach nichts", sagte er. Moor prangerte mit deutlichen Worten die Profiteure klimafeindlicher Produkte und Dienstleistungen wie Fluggesellschaften an. Er forderte mehr persönliches Engagement: "Ich kann das Plastik natürlich sparen im Alltag, aber warum gibt's die Scheiße eigentlich?" Er plädierte zudem für den Verzicht von Fleischverzehr.

Robert Habeck: Der Co-Vorsitzende der Grünen zeigte sich in Angriffslaune. "Deutschland hat in den letzten zehn Jahren nichts auf die Ketten gekriegt", schimpfte er in die Richtung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Habeck wiederholte mehrfach, es sei Aufgabe der Politik bessere Gesetze zu schreiben und aktiv zu werden.

Zum Beispiel bei der Bepreisung von CO2 ("Da bin ich sofort dabei") oder der Regulierung des Handymarktes. Laut Habeck gehen die Geräte nach zwei, drei Jahren kaputt, "weil die Hersteller die Dinger so bauen, dass die Zellen an den Batterien liegen" und sie immer heißer werden. Sein Vorschlag: ein Gesetz, damit man die Handys öffnen und leichter reparieren kann.

Wolfgang Kubicki: Der FDP-Vize sagte, er kenne niemanden in seiner Partei, der den Klimawandel leugne. Allerdings stelle sich die Frage, ob er zwingend menschengemacht sei. Auch Kubicki schloss sich der Forderung nach einer CO2-Bepreisung an und setzte auf den alten FDP-Grundsatz: wenig Regulierung, möglichst keine Vorschriften - ob beim Fliegen oder der Ernährung.

Mojib Latif: Der Klimaforscher erteilte Skeptikern am menschengemachten Klimawandel eine klare Absage. "Da gibt es in der Forschung keinen Zweifel." Ein Seitenhieb in Richtung Kubicki. Latif kritisierte die deutsche Politik schonungslos. "Gerade unter der Kanzlerschaft von Frau Merkel wird fast überhaupt nichts mehr gemacht für den Klimaschutz."

Deutschland sei international nicht glaubwürdig und verliere das Vertrauen, betonte der Experte angesichts der verfehlten Klimaschutzziele bis 2020. Unabhängig davon müsse jeder Bürger etwas beitragen - entsprechend seiner Leistungsfähigkeit. Latif macht es mit seinem persönlichen Tempolimit von 100 Km/h auf der Autobahn.

Svenja Schulze: Die Bundesumweltministerin (SPD) geriet während der Sendung immer wieder in die Defensive, weil Grünen-Vize Robert Habeck sie und ihre Partei vehement kritisierte. Die Sozialdemokratin antwortete zu oft mit Phrasen wie "bessere Rahmenbedingungen schaffen".

Ganz konkret kündige sie ein Klimaschutzgesetz der Regierung an, forderte klimaneutrales Flugbenzin und Änderungen in der europäischen Agrarpolitik. All dies jedoch ohne erhobenen Zeigefinger, wie sie betonte. "Ich will niemandem verbieten, in den Urlaub zu fliegen."

Petra Pinzler: Die Journalistin lebte mit ihrer Familie ein Jahr lang klimafreundlich. Der Sohn musste auf die heißen Duschen verzichten, die Tochter fuhr mit dem Rad zum Ponyreiten, die Fenster wurden gedämmt.

Ihr Fazit: "Es war am Anfang unbequem." Am Ende des Experiments stand der Verkauf des Familienautos und die Erkenntnis: "Wir sind alle politischer geworden."

Was war das Rede-Duell des Abends?

Lange versuchte Habeck Umweltministerin Schulze mit Sätzen wie diesem aus der Reserve zu locken: "Frau Schulz, die Bilanz der SPD in den letzten zehn Jahren ist desaströs. Wir sind kein Vorbild. Die CO2-Emissionen steigen und steigen und steigen und selbst die einfachen Dinge werden nicht umgesetzt."

Doch die Ministerin versuchte die Kritik weg zulächeln. Erst als Habeck ihr zum wiederholten Mal Untätigkeit vorwarf, platzte ihr allmählich der Kragen. "Wir haben eine ganze Menge erreicht," betonte die SPD-Frau.

Habeck unterbrach sie: "Die CO2-Emissionen steigen!" Schulze hatte genug: "Bitte einmal ausreden lassen!" Dann zählt sie die deutschen Errungenschaften der letzten Jahre wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz und den geplanten Kohleausstieg auf.

Was war der Moment des Abends?

Ein Satz des Klimaforschers Mojib Latif, den sich Politiker in solchen Runden normalerweise nicht trauen. Deutschland müsse im Klimaschutz wieder eine Vorreiterrolle einnehmen, "weil in den USA so ein Vollidiot regiert. Das muss man mal so deutlich sagen". Donald Trump hatte behauptet, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, um der US-Wirtschaft zu schaden.

Was ist das Ergebnis?

Am Ende einer Runde mit wenig künstlicher Empörung und vielen klaren Worten stand eine kollektive Erkenntnis: Deutschland hat seine Vorbildfunktion in der Klimapolitik verloren und muss wieder viel mehr Einsatz zeigen. Man müsse "die Dinge anpacken, dann kriegen wir es auch hin", forderte Forscher Latif.

Bei einigen Maßnahmen wie der CO2-Bepreisung zeigten die anwesenden Politiker Einigkeit, bei anderen wie dem Kohleausstieg bremste SPD-Ministerin Schulze ihre Kollegen aus.
Letztlich hat Journalistin Pinzler mit ihrem einjährigen Experiment gezeigt: Wir müssen nicht auf Signale der Politik warten, jeder kann in seinem Alltag so klimafreundlich leben, wie er möchte - oder eben auch nicht. Zeit für ein kollektives Umdenken wäre es allemal.

An politischen Talkshows gab es zuletzt ungewohnt heftige Kritik. Der Vorwurf: Die Macher der Sendungen setzten für gute Quoten überwiegend auf populistische Themen. ARD-Moderatorin Anne Will hält im Interview dagegen: Weder setze sie in ihrer Sendung auf Krawall noch hätte das Talkgenre die AfD "groß gemacht".