An diesem Freitag wird im Bundestag abgestimmt, ob eingetragene Lebenspartnerschaften der Ehe gleichgestellt werden sollen. Maybrit Illner hat schon mal mit ihren Gästen darüber diskutiert. Eine gläubige Katholikin ist förmlich außer sich, wird aber vom Adoptivsohn eines homosexuellen Paares düpiert.

"Diese Woche hat Angela Merkel eine der letzten konservativen Bastionen geräumt", sagt Maybrit Illner zu Beginn ihrer Sendung am Donnerstagabend.

Die ZDF-Moderatorin diskutiert mit ihren Gästen zum Thema "Ehe für alle – das Ende der Großen Koalition?"

Es ist keine grundsätzliche Debatte über politische Inhalte, es geht vielmehr um Überzeugungen und Prinzipien.

Entsprechend brisant ist die Diskussion darüber, ob die Lebenspartnerschaften homosexueller Paare der Ehe gleichgestellt werden sollen. Selbst Illner lässt sich verleiten und wird in ihrer Moderation leidenschaftlich.

Antrag kam von der SPD

Merkel öffnet sich beim Thema Ehe für alle. SPD will schnell Klarheit.


Die SPD hatte den Antrag gestellt, dass im Eilverfahren an diesem Freitag im Bundestag abgestimmt wird, ob eine entsprechende Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht werden soll.

CDU und CSU werfen dem Regierungspartner deshalb Koalitionsbruch vor.

Markant: Schon vor fünf Jahren wurde bei Illner über das Thema debattiert. Damals hatten jedoch CDU/CSU und FDP einen entsprechenden Vorschlag eingebracht. Es gibt pikante Parallelen zur Sendung von damals.

Katholikin ist strikt dagegen

Zum einen ist wie seinerzeit die gläubige Katholikin Hedwig von Beverfoerde zu Gast. Die Mitorganisatorin des Aktionsbündnisses "Demo für alle" ist strikte Gegnerin der von ihrem Bündnis sogenannten Gender-Ideologie.

Für sie sind Partnerschaften außerhalb der Beziehung Mann und Frau offenbar was Unnatürliches. Sie müht sich diplomatisch zu wirken, doch die Ablehnung der Betriebswirtin gegen homosexuelle Partnerschaften ist beinahe greifbar. "Ebenso gut könnte man beschließen, dass morgen alle Stühle und Tische plötzlich Tisch heißen", sagt sie und wählt einen mindestens fragwürdigen Vergleich. Von Beverfoerde ist in ihrer Argumentation drastisch.

Von Beverfoerde argumentiert drastisch

"Dass der Begriff Ehe in solch einem unwürdigen Spiel abgeräumt wird", meint sie und berichtet von einer Petition namens "Ehe bleibt Ehe", die innerhalb kürzester Zeit 120.000 Bürger unterzeichnet hätten.

"Kein Parlament hat das Recht, diese uralte Institution zu verändern. Das ist die Grundlage unserer Gesellschaft, unserer Zivilisation. Dass das freigegeben werden soll, ist unglaublich", meint sie und wird emotional.

Dass zwei Männer oder zwei Frauen "sich vielleicht liebhaben, das mag ja sein", sagt sie, aber die Ehe müsse einer Partnerschaft zwischen Mann und Frau vorbehalten bleiben, die darauf ausgerichtet sei, Kinder zu bekommen.

Angeblich "überzogene Sexualaufklärung"

Faszinierend, dramatisch, wunderschön: Bilder, die nicht viele Worte brauchen.


Von Beverfoerde vertritt ein streng konservatives Bild von Familie. Sie spricht von einer angeblich "überzogenen Sexualaufklärung" an Schulen, meint damit wohl, dass Kinder ihrer Meinung nach zu früh über die Option Homosexualität informiert würden.

Sie vermittelt das Bild, dass Teile unserer Gesellschaft offensichtlich bei weitem nicht so tolerant sind, wie es in Deutschland immer heißt – sie inbegriffen.

Während sich Michael Kretschmer von der CDU und Thomas Oppermann von der SPD neben von Beverfoerde um angebliches Kalkül im Bundestagswahlkampf streiten, stiehlt indes ein junger unbekannter Mann allen die Show.

Sein Name ist Raphael. Vor fünf Jahren war das homosexuelle Paar bei Illner zu Gast, das ihn 15 Jahre lang großzog.

Drastische Meinung von Katholikin

Was Oppermann nicht gelingt, und zwar von Beverfoerde einzubremsen, schafft er auf Anhieb. Raphael, eloquent, gut angezogen, mit Nickelbrille, dunkler Teigne und adrettes Auftreten, verteidigt die Homosexualität vehement.

"Es geht darum, dass man Kindern erklärt, was in der Liebe möglich ist", meint er und hält seiner Kontrahentin vor: "Sie wollen es nicht im Unterricht haben."

Von Beverfoerde entgegnet: "Die Kinder werden verfrüht mit solchen Problemen konfrontiert." Die Meinung, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften ein Problem sein sollen, hat sie in der Sendung freilich exklusiv. "Für jedes Kind haben wir zehn homosexuelle Paare, die das Kind adoptieren wollen", meint sie und redet sich völlig in Rage.

Von Beverfoerde steht alleine da

Raphael bleibt cool. Bei ihm habe es seinerzeit schließlich auch wunderbar geklappt, auch wenn keine Frau im Haushalt gewesen sei, schildert er. "Wir reden davon, dass Kinder, die nicht mündig sind, dazu gezwungen werden", sagt von Beverfoerde derweil und lässt sich in ihrer beinahe polemischen Argumentation nicht stoppen.

Dabei steht sie mit dieser – zumindest in der Sendung – alleine da. Aus der Gesellschaft dürfte sie teils Unterstützung erfahren. Es ist die wichtigste Erkenntnis an diesem Abend, eine besorgniserregende obendrein.

Die Debatte und die Bundestagsabstimmung beweisen, dass Deutschland in punkto Gleichstellung überhaupt noch nicht fortschrittlich, sondern eher überholt ist.

Die Mandatsträger haben nun die Möglichkeit, einen Schritt in eine fairere Zukunft einzuleiten. Für von Beverfoerde könnte es ein schwarzer Freitag werden.