• Lewis Hamilton kann alleiniger Rekord-Weltmeister werden und Michael Schumacher vom Thron stoßen.
  • Aber ist Hamilton mit dann acht Titeln auch automatisch der größte Fahrer der Formel-1-Geschichte?
  • Außerdem heißt der WM-Führende Max Verstappen. Der Niederländer hat zwei Rennen vor Saisonende acht Punkte Vorsprung auf den Engländer.

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Es gibt Fragen, auf die hat man nicht immer sofort eine definitive Antwort. Wie die Frage nach dem besten Formel-1-Fahrer der Geschichte. Denn bei der Suche nach einer Antwort spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, wie nackte Resultate, aber auch der Stil, die Art, Charisma, aber auch emotionale Aspekte. Letzten Endes ist es eine auf wenige Fahrer beschränkte Glaubensfrage. Ist es Juan Manuel Fangio? Alain Prost? Ayrton Senna? Michael Schumacher? Oder doch Lewis Hamilton? Vor allem dann, wenn er am Ende der Saison seinen achten WM-Titel holt und alleiniger Rekord-Weltmeister ist? Ist er dann nicht ganz automatisch der "GOAT", der Greatest of all Time, der größte Fahrer der Geschichte?

Bricht man es auf die beiden erfolgreichsten Piloten herunter, bleiben die Rekord-Titelträger Schumacher und Hamilton übrig. Je näher Hamilton dem Schumacher-Rekord mit sieben Titeln in den vergangenen Jahren kam, desto öfter ist dieser direkte Vergleich tatsächlich auch gezogen worden. Vor dem vorletzten Rennen der Saison in Saudi-Arabien nun erneut - vom früheren Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone.

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Formel-1-Manager Bernie Ecclestone machte aus der Königsklasse des Motorsports ein weltumspannendes und teures Business.

Für den 91-Jährigen ist klar, dass selbst ein achter Titel Hamilton nicht über Schumacher stellen wird. "Nein, überhaupt nicht", sagte Ecclestone bei RTL. "Tatsächlich bin ich überrascht, dass Lewis am Anfang des Jahres nicht gesagt hat: Ich trete zurück, ich möchte nicht mehr Rennen oder Weltmeisterschaften als Michael gewinnen", so Ecclestone weiter. Ein Rücktritt war für Hamilton aber kein Thema. Stattdessen liefert sich der Mercedes-Superstar mit seinem Red-Bull-Rivalen Max Verstappen das offenste WM-Duell seit einer gefühlten Ewigkeit.

Erinnerungen an Prost gegen Senna

Der Zweikampf der Generationen fasziniert auch Ecclestone, es sei ein Kampf, auf man sieben oder acht Jahre gewartet habe, "endlich wieder ein Wettkampf", meinte Ecclestone. "Das ist das, was die Leute wollen, wenn sie Formel 1 oder überhaupt einen Sport sehen. Sie wollen Wettbewerb." Bei Ecclestone werden sogar Erinnerungen wach an das legendäre Duell zwischen Ayrton Senna und Alain Prost: "Sie sind beide sehr wettbewerbsfähig auf ihre eigene Art. Sie haben einen unterschiedlichen Stil, eine andere Art mit Dingen umzugehen und das passt dann zum jeweiligen Rennen."

Hamilton hat die eingangs gestellte Frage übrigens 2019 schon einmal selbst beantwortet. Der Engländer betonte damals, Schumacher - sein Vorhänger im Mercedes-Team - sei für ihn immer der "Größte aller Zeiten". Was dafür bei Hamiltons eigener Beurteilung oft ein bisschen mitschwingt, ist der Vorwurf, es sei vor allem das jahrelang überlegene Auto gewesen, das ihn zu den Titeln trug.

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Lewis Hamilton, links, fährt erst für McLaren gegen Mercedes-Pilot Michael Schumacher, ehe er ihn zur Saison 2013 bei Mercedes nach dessen Rücktritt ablöst.

Oder böser formuliert: 80 Prozent des Fahrerfeldes wäre in seinem Mercedes ebenfalls Weltmeister geworden.

Sebastian Vettel hat die Antwort auf die knifflige Frage einmal schön diplomatisch auf den Punkt gebracht: "Jede Ära hat ihre Helden, Lewis ist der beste Fahrer unserer Ära. Emotional bleibt für mich natürlich immer Michael Schumacher der Größte. Aber Lewis ist der Erfolgreichste. Er hat mehr Siege, viel mehr Poles und damit alles getan, was von ihm verlangt wurde."

Der wohl speziellste Titel für Lewis Hamilton

Trotzdem macht Hamilton keinen Hehl daraus, dass es dieser Titel ist, der wohl der speziellste in seiner Sammlung wäre. "Das wäre er, ganz klar", sagte Hamilton. "Zum einen hat das noch nie jemand vor uns geschafft. Und er käme nach dem härtesten Kampf, den unser Sport seit langer, langer Zeit gesehen hat. Und nach den größten Herausforderungen. Plus, wir sind in einer Pandemie."

Tatsächlich wäre es der Titel, an dem Kritiker wohl die wenigsten Makel finden werden. Doch auch, wenn es nun immer enger und spannender wird, bei noch zwei Rennen und nur acht Punkten Vorsprung für Verstappen, ist Hamilton "entspannter denn je. Einfach, weil ich so lange dabei bin. Es ist nicht das erste Mal - ich weiß noch, beim ersten, sogar beim zweiten und dritten, die ganzen schlaflosen Nächte. Jetzt bin ich mir der Sache viel sicherer, und habe mich besser im Griff."

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Könnte Lewis Hamilton mit seinem achten Weltmeistertitel Michael Schumacher gleichziehen? Die Antwort auf diese Frage scheint eine Glaubensfrage zu sein.

Auch Verstappen macht auf cool

Diese Coolness der Fahrer zeichnet diesen aktuellen Titelkampf in seiner heißen Phase aus, denn auch Verstappen macht auf locker, erklärt sogar, dass es keine Rolle spiele, wie es ausgehe: "Wir hatten als Team eine wirklich gute Saison. Darauf kann man sehr stolz sein." Dass er besonders stolz wäre, gegen Hamilton die WM zu gewinnen, will er auch nicht sagen. "Gegen Lewis zu kämpfen, ist generell gut für den Sport", sagte der 24-Jährige, der am Sonntag bereits vorzeitig den Titel holen kann: "Es ist der junge Kerl gegen den etablierten Weltmeister. Für mich ist es letztendlich egal, ob man gegen jemanden kämpft, der so alt ist wie ich oder gegen einen Weltmeister, denn der Titel ist immer etwas Besonderes", sagte der Red Bull-Pilot.

Vorteile bei seinem zwölf Jahre älteren und mit mehr Siegen und Titeln dekorierten Rivalen sieht er aber nicht. "Ich glaube, die Erfahrung macht keinen Unterschied, sonst hätte man das während der Saison gesehen", sagte Verstappen. Für ihn ist klar, dass es ein Kampf auf Augenhöhe ist, denn "wir beide sind gute Fahrer", so Verstappen, der aber noch eine feine Spitze loslässt. "Einer mag vielleicht etwas mehr Glück haben, über längere Zeit in einem guten Auto zu sitzen", meinte der Niederländer. Und schob hinterher: "Das mindert aber nicht, dass er ein klasse Fahrer ist." Allerdings auch genauso klasse wie Schumacher? Das bleibt vor allem eine Glaubensfrage.

Verwendete Quellen:

  • rtl.de: Klare Worte von Bernie Ecclestone: Hamilton hätte für Schumi abtreten müssen
  • Pressekonferenz
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