Großer Name, große Zukunft: Mick Schumacher krönt sich zum Europameister in der Formel 3 – nach einer furiosen Aufholjagd in der zweiten Saisonhälfte. Der direkte Aufstieg in die Formel 1 steht im Raum. Sein Ehrgeiz erinnert an seinen Vater, die Erfolge vielleicht bald auch.

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Nein. Der Name allein führt ihn nicht zum Erfolg. Diesen muss sich Mick Schumacher hart erarbeiten. Zehn Jahre nach dem Einstieg in den Motorsport gewann er nun seinen ersten großen Titel. Schumi Junior ist an der Reihe. Und macht Hoffnung auf eine große Karriere.

Platz zwei im zweiten Rennen in Hockenheim reichte Mick Schumacher, um den Vorsprung zu wahren und sich zum Europameister in der Motorsportserie Formel 3 zu küren.

Der 19-Jährige kletterte auf sein Auto, ließ sich feiern – von seinem Team Prema, den Konstrukteuren, Fans, Pressevertretern und Schaulustigen. "Das beste Gefühl, das man haben kann!", beschreibt er im Interview mit "Auto Bild".

Micks erste Schritte im Kartsport

Sein Name ist eine Nummer im Motorsport. Und das inzwischen nicht mehr nur aufgrund der Karriere seines Vaters Michael. Seit Jahren beweist "Quick Mick", was es bedeutet, sich durch Fleiß nach oben zu arbeiten.

Vor zehn Jahren, 2008, begann Mick Schumacher mit dem Kartfahren. Während sein Vater noch auf der großen Motorsport-Bühne aktiv war, ging Mick unter dem Nachnamen Betsch an den Start, dem Mädchennamen seiner Mutter, um Aufmerksamkeit zu vermeiden.

Aus Betsch wird Schumacher – aus Kart der Formelsport

Ein Überflieger war er keineswegs. In der KF3-Klasse der ADAC Kart Masters, der größten deutschen Kart-Rennserie, wurde er erst Neunter, dann Siebter. Bei der Junioren-Kartmeisterschaft 2014 wurde er Zweiter, ebenso der Europa- und Weltmeisterschaft. Ein großer Erfolg – und ein großer Antrieb.

2014 testete Mick Schumacher in der Formel 4. Die Rennserie soll jungen Rennfahrern den Übergang vom Kartsport in den Formelsport vereinfachen.

Wie bei Schumacher, der ein Jahr später ein Cockpit in der deutschen Formel-4-Meisterschaft erhielt. Endlich trat er unter seinem richtigen Namen an, war bereit, als "Schumacher" zu fahren.

Start in der Formel 4 in Deutschland und Italien

Trotz der Kür zum besten Rookie am ersten Rennwochenende war Schumachers Debütjahr in der Formel 4 durchschnittlich. 2016 startete er für das Team Prema, bei dem er einen Vertrag für die deutsche und die italienische Formel-4-Meisterschaft erhielt.

Bei Prema setzte er punktuell Nadelstiche. Zwei Rennsiege für die italienische Formel 4 in Misano, ein Sieg in Imola. In der deutschen Version schob er sich durch fünf Siege auf den zweiten Platz. Die Vizemeisterschaft schafft ihm Zugang zur Formel 3, in die er 2017 wechselte.

Schumachers Durchbruch: Ausgerechnet in Spa

Der große Durchbruch blieb zunächst aus. Im vergangenen Jahr erreichte er den zwölften Platz in der Gesamtwertung, den dritten in der Rookiewertung. Für Aufsehen sorgte der 19-Jährige erst im Juli dieses Jahres mit seinem ersten Sieg im dritten Rennen in Spa.

Ausgerechnet in Spa. Hier startete sein Vater Michael 1991 zum ersten Mal in der Formel 1, ein Jahr später siegte er erstmals.

Wie beflügelt zeigte Mick eine beispiellose Aufholjagd: Er gewann auf dem Nürburgring und in Spielberg fünf Mal in Folge, sodass er vor den letzten Rennen in Hockenheim einen Vorsprung von 49 Punkten auf Verfolger Dan Ticktum hatte.

"Der Bursche zeigt auf einmal die Schumacher-Gene: Rennen gewinnen", kommentierte Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger.

2019 oder 2020: Wann wechselt Mick in die Formel 1?

Siege einfahren möchte Mick Schumacher am liebsten in der Formel 1. Der "Auto Bild" sagte er: "Für mich war es immer das Ziel, dass ich Rennen fahren will, weil es einfach Spaß macht. Und das Ziel jedes Rennfahrers ist die Formel 1." Aber wann?

Während Formel-1-Boss Chase Carey träumt ("Er würde die Herzen vieler Fans auf eine ganz einzigartige Weise berühren"), kamen im September Gerüchte auf, Red Bull habe den Nachwuchsfahrer im Visier und wolle ihn ins Cockpit von Toro Rosso stecken. Red-Bull-Rennchef Dr. Helmut Marko dementierte.

Logischer Schritt ist die Formel 2

Auch Maurizio Arrivabene schwärmt beim Gedanken an den Schumacher-Sohn: "Wie könnten wir zu seinem Namen Nein sagen?" Der Ferrari-Boss warnt gleichzeitig: "Das Wichtigste ist, dass er ohne Druck lernen kann. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass man ihn in Ruhe erwachsen werden lässt und dass er kontinuierlich dazulernt."

Ein Wechsel in die Formel 2, die Serie unter der Königsklasse, gilt als logisch. Ein direkter Aufstieg von der Formel 3 in die Formel 1, wie bei Max Verstappen, bleibt die Ausnahme. Schumacher sagte einmal: "Ich versuche einfach, über die Jahre hinweg zu lernen. Mein Ziel ist es, irgendwann voll entwickelt in die Formel 1 einzusteigen."

Der viermalige Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton ist sich zu "hundert Prozent sicher", dass Mick eines Tages in der Formel 1 starten wird.

Wenn der Schritt gekommen ist. Denn Erfolg kommt nicht angeflogen. Auch nicht, wenn der Nachname Schumacher lautet.

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