• 2022 wird in der Formel 1 ein neues Reglement eingeführt, mit neuen Autos. Viele Teams haben 2021 früh mit der Entwicklung angefangen und dabei die laufende Saison "abgeschenkt".
  • Mercedes und Red Bull Racing hingegen haben sich länger auf 2021 konzentriert und dabei 2022 ein Stück weit zurückgestellt.
  • Liegt darin eine Chance für die Konkurrenz, erfolgreicher in die neue Saison zu starten?

Mehr Formel-1-Themen finden Sie hier

Es war ein Balanceakt, eine schwierige Entscheidung, eine mit großem Risiko. Denn da sich die Formel 1 in der vergangenen Saison in einem Übergangsjahr befand, galt es für die Teams, die feine Linie zu treffen zwischen Konzentration auf 2021 und Fokus auf 2022. Soll heißen: Wie viel Arbeit steckt man noch in das alte Auto, und wie viele Ressourcen gehen schon für die Entwicklung des neuen Boliden drauf?

Haas zum Beispiel hat als unterlegenes Team am Auto für 2021 gar nichts mehr getan, auch die anderen Rennställe brachten recht schnell nur noch wenige Updates heraus, um die ganze Kraft in das neue Projekt zu investieren. Bei den beiden Titel-Teams Red Bull Racing und Mercedes um Weltmeister Max Verstappen und Lewis Hamilton war es allerdings schon kniffliger, denn beide kämpften bis zum letzten Meter auf Augenhöhe, versuchten deshalb immer wieder, mit Updates das Potenzial des Autos auszureizen, trieben sich gegenseitig an, reagierten auf Verbesserungen des anderen.

Lesen Sie auch: Burnout in der Box: In der Formel 1 tickt eine unsichtbare Zeitbombe

Alles auf eine Karte setzen

Red Bulls letztjähriger Ersatz- und Simulationsfahrer Alex Albon verriet, dass die Konzentration auf 2022 durchaus unter dem engen Titelkampf gelitten hat. "Ich habe 50 Prozent auf das Auto für 2021 verwendet und 50 Prozent auf das Auto für 2022", sagte er. Als das Titelfinale immer näher rückte, stand im Grunde nur noch das 2021er-Auto im Mittelpunkt.

"In mancher Hinsicht muss man in der Meisterschaft nur kurzfristig denken. Wenn man zu Beginn der Saison das Auto hat, um die Meisterschaft zu gewinnen, muss man alles auf eine Karte setzen", erklärte Albon die Vorgehensweise. Wie beide Teams im Detail mit dem Balanceakt umgegangen sind, darüber hüllen sie sich in Schweigen. Klar ist aber: "Das lenkt unweigerlich ein wenig vom nächsten Jahr ab und verlagert den Schwerpunkt", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner beim indischen Sender "Wion".

Mehr Teams im Titelkampf?

Der 48-Jährige rechnet deshalb mit "McLaren, Ferrari und vielleicht noch ein, zwei anderen Überraschungsteams", die durch diese Umstände und die generelle Unsicherheit durch das neue Reglement vorne reinstoßen könnten. "Wir erwarten in diesem Jahr einen sehr harten Wettbewerb, und ich denke, es wird eine spannende Meisterschaft werden", sagte Horner: "Es geht darum, wie man das Reglement interpretiert, brandneue Regeln für dieses Jahr, der größte Chassiswechsel seit 30 Jahren."

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff glaubt, dass es durchaus möglich ist, "dass Teams, die in diesem Jahr nicht um die Weltmeisterschaft gekämpft haben - wie Ferrari, McLaren, Aston Martin oder Alpine - ein intelligentes Konzept entwickeln". Da sie etwas mehr Zeit investiert haben, ist das gut möglich – und auch das erklärte Ziel der Formel-1-Verantwortlichen, die einen breiteren Titelkampf sehen wollen.

Doch es geht nicht nur um neue Konzepte, neue Autos, eine neue Aerodynamik und neue Reifen. Auch die Bedingungen haben sich geändert. Zum einen gibt es die Budgetobergrenze, die 2022 bei 140 Millionen Dollar liegt, die ein Team ausgeben darf. Vor allem die großen Teams wie Mercedes und Red Bull werden dadurch in ihren Möglichkeiten eingeschränkter sein als früher – eine ganz neue Erfahrung.

"Es ist immer einfacher, (mit dem Budget) hochzugehen als herunterzugehen", sagte Horner bei "Racingnews365". Horner glaubt, dass die Kosten eine signifikante Rolle spielen werden. "Es ist kein billiges Auto, was die Konstruktion angeht, und das wird unweigerlich alle Teams unter Druck setzen. Ich glaube, dass jedes einzelne Team im Fahrerlager an der Budgetgrenze für dieses Jahr ist", sagte er.

Ein Handicap-System sorgt außerdem dafür, dass die in der Konstrukteurswertung schwächeren Teams mehr Zeit im Windkanal zugestanden bekommen. Beides in Kombination sorgt im Vorfeld ebenfalls für Fragezeichen.

Red Bull Racing "schon immer clever"

"Wir sind klug vorgegangen, und Red Bull war in der Vergangenheit immer gut darin, sich mit Adrian Newey (Designchef, Anm. d. Red.) und den Aerodynamikern an die Regularien anzupassen", sagte Albon, der 2022 für Williams an den Start gehen wird: "In dieser Hinsicht waren sie schon immer clever, also glaube ich nicht, dass sie in einer schlechten Position sein werden."

Diese Ungewissheit macht die besondere Spannung aus, die bereits über den ersten Testfahrten in Barcelona (23.-25. Februar) liegt. Denn dann wird sich erstmals zeigen, ob der Balanceakt tatsächlich gelungen ist.

Verwendete Quellen:

  • racingnews365.com :Horner wary of rules reset: It'd be foolish to underestimate any team
  • WION: Red Bull's Horner looks ahead to the 2022 F1 season
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "Einblick" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen.
Michael Schumacher
Bildergalerie starten

"Michael Schumacher"-Doku auf Netflix: Rückblick auf sein Leben

Michael Schumacher ist eine Legende der Formel 1. Vor mehr als 30 Jahren drehte er erstmals seine Runden in der Königsklasse - und das so erfolgreich wie kaum ein anderer. 2013 änderte ein tragischer Skiunfall sein Leben plötzlich. Seitdem blieb es still um den Profisportler. Ein Rückblick auf die Karriere von "Schumi".