• Im Budgetstreit wartet die Formel 1 auf eine Regung des Automobil-Weltverbandes.
  • Unklar ist, wie groß der Verstoß von Red Bull Racing ist und wie hoch die Strafe ausfällt.
  • Nun hat McLaren-Boss Zak Brown einen emotionalen Brief an die FIA geschrieben.

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Bernie Ecclestone haut auch mit 92 Jahren gerne noch einen raus. Denn natürlich hat der Brite auch beim Zoff um den Verstoß von Red Bull Racing gegen die Kostenobergrenze etwas zu sagen. Auf die Frage "Verliert Red Bull die WM-Punkte 2021?" antwortete Ecclestone beim Blick: "Es wird schlimmer kommen!" Peng, das war’s.

Ein typischer Ecclestone. So war der Brite früher als Formel-1-Chefpromoter schon. Da knallte er seinem Gegenüber ein, zwei markante Sätze um die Ohren und ließ sie wirken. Mit dem entsprechenden medialen Einschlag als Folge. Und natürlich hat dieser Satz am Wochenende in den Medien die Runde gemacht.

Brief an die FIA

McLaren-CEO Zak Brown hat etwas Ähnliches getan wie Ecclestone, nur wesentlich ausführlicher, im Kern aber ähnlich vehement. Brown hat nämlich am 12. Oktober einen Brief an den Automobil-Weltverband FIA geschrieben, wie die BBC berichtet. Auch die anderen Rennställe haben demnach das Schreiben erhalten. Und Brown dürfte gewusst haben, dass der Brief dann irgendwann auch bei den Medien landen wird – Schlagzeilen inklusive.

Denn der Brief hat es in sich. "Jedes Team, das zu viel Geld ausgegeben hat, hat sich einen unfairen Vorteil bei der Entwicklung des Autos für das laufende und das folgende Jahr verschafft", schreibt Brown.

Weiter heißt es, dass der "Verstoß gegen Ausgabengrenzen und möglicherweise auch Verfahrensverstöße Betrug" darstellen würden, "da sie einen erheblichen Vorteil in Bezug auf technische, sportliche und finanzielle Vorschriften" erlauben. Betrug – in diesem Zusammenhang ein hartes Wort und eine gewagte Behauptung.

Geringfügiger Verstoß

Brown fügt hinzu, dass die FIA "nachfolgende Maßnahmen und Strafen zeitnah kommunizieren sollte, um die Integrität der Formel 1 zu wahren". Bei Red Bull Racing war ein Verstoß gegen die Obergrenze von 148,6 Millionen Dollar festgestellt worden, allerdings nur ein geringfügiger, was bedeutet: bis zu fünf Prozent. Das könnten theoretisch aber bis zu 7,25 Millionen Dollar sein.

Es wurde zuletzt viel darüber diskutiert, dass sogar bereits eine Million Dollar auf der Strecke viel ausmachen kann. Nicht kommuniziert wurde, wie groß der Verstoß konkret ist und welche Strafe es dafür gibt. Das entscheidet nun wohl ein Gremium. So lange befindet sich die Formel 1 in einer unangenehmen, weil gefährlichen Situation.

Brown nimmt den Weltverband in Schutz. Die FIA habe ein extrem gründliches, kooperatives und offenes Verfahren durchgeführt, sagte Brown. Es habe reichlich Gelegenheit gegeben, bei Unklarheiten nachzufragen. "Es gibt also keinen Grund für irgendein Team, sich jetzt überrascht zu zeigen", so Brown. Er glaubt zudem nicht, dass in so einem Fall "eine finanzielle Strafe allein" eine angemessene Strafe wäre. In solchen Fällen müsse "eindeutig eine sportliche Strafe" verhängt werden. Denn allein zwei Millionen Dollar würden eine Aufstockung des jährlichen Budgets für die Weiterentwicklung der Autos von 25 bis 50 Prozent bedeuten, rechnete Brown vor. Dies habe also einen "erheblichen positiven und langfristigen Nutzen".

Wie es in solchen Fällen so ist, wird viel spekuliert. Zuletzt zum Beispiel darüber, dass Red Bull um zwei Millionen Dollar überzogen hat. Der neueste Grund dafür soll Technikguru Adrian Newey und die Frage sein, ob das Red-Bull-Mastermind ein Angestellter ist oder ob der Rennstall einen Vertrag mit Neweys Firma hat und der Brite nicht als Angestellter zählt. Die drei Topverdiener unter den Mitarbeitern fallen nämlich nicht unter die Kostenobergrenze, Newey dürfte dazugehören.

Diese Strafen fordert Brown

Browns Strafen-Vorschlag: Eine Reduzierung der Kostenobergrenze des Teams im Jahr nach der Entscheidung, "und die Strafe sollte der Höhe der Mehrausgaben plus einer weiteren Geldstrafe entsprechen - d.h. eine Mehrausgabe von zwei Millionen Dollar im Jahr 2021, die 2022 festgestellt wird, würde zu einem Abzug von vier Millionen Dollar im Jahr 2023 führen". Auch eine Reduzierung der Arbeit im Windkanal schlägt Brown vor.

Warum dieser Wirbel, warum der Zoff, warum die Vehemenz rund um den Red-Bull-Verstoß? An der Kostenobergrenze, die es seit 2021 gibt, hängt der Erfolg der Formel 1. "Die Einführung des Kostendeckels war einer der Hauptgründe dafür, dass wir in den letzten Jahren neue Aktionäre und Investoren für die Formel 1 gewinnen konnten, da sie darin eine Möglichkeit sehen, das finanzielle und sportliche Fairplay zu fördern", betont Brown. "Daher ist es für die Integrität und die Zukunft der Formel 1 von entscheidender Bedeutung, dass wir die Regeln des Kostendeckels sehr konsequent umsetzen." Und dazu gehören dann auch die Strafen.

Verwendete Quellen:

  • bbc.com: Red Bull budget cap breach 'constitutes cheating' - McLaren boss Zak Brown


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