Kein anderer Dortmunder Spieler dreht in der zweiten Saisonhälfte so auf wie Karim Adeyemi. Die Wandlung des Angreifers könnte für den BVB im Titelrennen noch von entscheidender Bedeutung sein.

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Vielleicht war Karim Adeyemis Reaktion etwas übertrieben. Nach dem Fehlschuss vom Punkt sank Dortmunds Angreifer zu Boden, war auch von Youssoufa Moukoko und Jude Bellingham kaum zu trösten. Man kennt solche Szenen von entscheidendem Elfmeterschießen, in einem Pokalwettbewerb. Wenn es um Alles oder Nichts geht und jeder Schuss der Letzte sein kann.

Im Spiel von Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg stand es aber bereits 5:0 für den BVB, als Adeyemi sich den ersten Elfmeter seiner Bundesligakarriere gönnte. Im Prinzip war es völlig egal, dass der Ball einen halben Meter über die Latte segelte, zumal Bellingham etwas später in der Partie tatsächlich noch einen sechsten Dortmunder Treffer draufsetzte. Für Karim Adeyemi aber ist mit dem Fehlschuss offenbar eine Welt zusammengebrochen.

"Ich habe meinen Tag ruiniert", sagte Adeyemi nach dem Spiel. "Nach dem Elfmeter war das Spiel für mich vorbei. Für mich war das sehr schlimm. Ich war untröstlich." Auch Trainer Edin Terzic versuchte sich ein paar Minuten später mit ein paar aufmunternden Worten, als er Adeyemi nach dessen Auswechslung am Spielfeldrand in Empfang nahm. Auch das vergebens.

Adeyemi: "Am Ende tut es sehr weh"

Einer der Dortmunder Helden des 6:0-Kantersiegs verließ also ziemlich geknickt den Ort des Geschehens. Dabei hatte Karim Adeyemi seinen ersten Doppelpack in der Bundesliga erzielt, seine Mannschaft mit einem frühen Kopfballtreffer auf die Siegerstraße gebracht, einen Treffer direkt und einen weiteren indirekt vorbereitet. Ein passabler Auftritt, möchte man meinen.

Adeyemi sah das aber ein wenig anders. "Ich hatte die Chance auf den Dreierpack. Ich habe Marco gefragt: Kann ich ihn nehmen?' Er hat gesagt: Ja, du nimmst ihn. Ich habe extra noch mal gefragt. Er hat gesagt: Schieß Du", erzählte Adeyemi von der Debatte mit dem eigentlichen Elfmeterschützen Marco Reus vor der Ausführung des Strafstoßes. "Am Ende tut es sehr weh."

An einem vorzüglichen Dortmunder Abend war das allerdings die einzige kleine Delle. "Heute haben wir ein Top-Spiel gezeigt, in allen Bereichen. Was mir richtig gut gefallen hat, war die Bereitschaft, gegen den Ball zu arbeiten.

Natürlich hilft es, früh in Führung zu gehen - danach sind wir aber auf dem Gaspedal geblieben, das war wichtig. Es war von Anfang bis Ende eine Top-Leistung", sagte Trainer Terzic über die Leistung seiner Mannschaft, die, angetrieben vom überragenden Adeyemi, ihre Pflicht erfüllte und den Bayern auf den Fersen bleibt.

Adeyemis herausragende Zahlen

Adeyemi setzt seine enorme Leistungssteigerung seit der Winterpause nun einfach so fort. Vor und nach seinem Muskelfaserriss, der ihn sechs Pflichtspiele - darunter auch die Partien beim FC Chelsea und beim FC Bayern - kostete, dreht er jedenfalls mächtig auf.

Aus null Toren und einem Assist vor der WM-Pause sind mittlerweile je sechs Tore und sechs Vorlagen in der Liga geworden. In allen Wettbewerben steht der 21-Jährige nun bei 15 Scorerpunkten in 29 Spielen. In elf Partien in diesem Kalenderjahr hat Adeyemi sieben Tore und fünf Assists geliefert, momentan ist er damit alle 65 Minuten an einem Dortmunder Tor beteiligt.

"Die Aktionen, die er hatte, waren außergewöhnlich. Wie er im Eins-gegen-eins beschleunigt, wie schwer es dann ist, gegen ihn zu verteidigen - das ist genau das, was wir wollen", sagte sein Trainer.

Es ist offenbar einiges passiert bei Karim Adeyemi seit der Winterpause, Sportchef Sebastian Kehl beschriebt das so: "Karim hat an sich gearbeitet, er hat ein besseres Mindset." Der Spieler habe in der Vorbereitung auf die Rückserie verstanden, "dass er mehr leisten muss als das, was er im ersten halben Jahr gezeigt hat", wie "spox" berichtet.

Zusammen mit seinem Pendant Donyell Malen schwingt sich Adeyemi in der Endphase der Saison jedenfalls vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger auf. Die Meisterschaft ist noch lange nicht abgeschrieben - auch, weil der BVB ein paar Spieler zum entscheidenden Zeitpunkt der Saison in ihrer besten Form in seinen Reihen hat. Ganz im Gegensatz zu den Bayern.

Verwendtete Quellen:

  • spox.de: Spielbericht BVB Sieg gegen Wolfsburg
  • ruhrnachrichten.de: Kein Can, kein Reus, darum schoss Adeyemi den Elfmeter
  • sport.de: Adeyemi "hat verstanden, dass er mehr leisten muss"
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