Borussia Dortmund will jetzt doch nach Kasachstan und Martin Harnik hat doch was genommen. Borussia Mönchengladbach überrascht sogar den eigenen Trainer, während der FC Bayern München für ein Jahrhundert-Ereignis sorgt. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse
von Tim Frische

1. Erkenntnis: Borussia Dortmund will doch nach Kasachstan

Was haben wir in den vorherigen Lehren des Spieltags geschrieben? Niemand will nach Kasachstan? Von wegen! Der FC Augsburg und Borussia Dortmund sind plötzlich heiß wie Frittenfett darauf, vor 5.000 Zuschauern die kasachischen Kartoffeläcker des FK Aktöbe oder von Ordabassy Schymkent umzupflügen. Der FCA und der BVB sind nach den Siegen beim FC Bayern München bzw. gegen Hertha BSC voll auf Europa-League-Kurs!

Dortmund feierte mit dem 2:0-Sieg über Berlin den dritten Heimsieg in Serie, rückte damit auf Rang sieben vor, der der Borussia als Pokal-Finalist ganz sicher zur Teilnahme an der Europa League genügen würde. Beim BVB läuft es derzeit also richtig rund. Und zwar so rund, dass jetzt sogar absolute Anti-Torjäger treffen. Nein, damit meinen wir nicht Ciro Immobile oder Henrikh Mkhitaryan. Ganz so rund läuft es dann doch nicht. Wir meinen Erik Durm! Der netzte gegen die Hertha zum 2:0 ein. Es war das erste Bundesligator für den 22-Jährigen als Profi. Und das, obwohl der Verteidiger gelernter Stürmer ist.

Ziemlich "verteidigermäßig" fiel auch Durms Jubel aus. Anstatt wie ein Bekloppter in Richtung Fans zu rennen, dabei die Muckis zu zeigen und noch das Emblem auf dem Trikot zu küssen, trabte er etwas verwirrt zu seinem ähnlich torungefährlichen Teamkollegen Marcel Schmelzer. "Ich war ziemlich perplex, dass er reingegangen ist. Ich wusste gar nicht, wo ich hinlaufen sollte und bin dann zu Schmelle gelaufen. Im Nachhinein ist es natürlich schade, dass ich nicht zu den Fans gelaufen bin. Ich war so durcheinander", sagte Durm nach dem Spiel.

Irgendwie erfrischend, dass selbst Fußballprofis durch banale und für sie eigentlich alltägliche Dinge - wie den Jubel nach einem Tor - noch aus dem Konzept gebracht werden können.

2. Erkenntnis: Der Bundesliga-Dino lebt

Deutlich mehr Stürmerblut als bei Durm fließt hingegen immer noch durch die Adern von Bruno Labbadia. Kein Wunder, gehörte der HSV-Trainer mit insgesamt 204 Toren in Bundesliga und 2. Liga zu den besten Torjägern seiner Zeit. Labbadia ist sogar weiterhin so sehr Stürmer, dass er imaginär zum 1:1 gegen den SC Freiburg einköpfte, das in Realität Gojko Kacar erzielte. Exakt der Kacar, der unter Labbadias Vorgängern aussortiert worden war und jetzt schon zum zweiten Mal in Serie ein spätes Tor für den Bundesliga-Dino erzielte. Wie sagen wir Sportjournalisten da so gerne: "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball …".

Es hat den Anschein, als schaffen es die Hamburger erneut erfolgreich, sich vor dem Absturz in die 2. Liga zu retten. Spielerisch erinnert der HSV zwar immer noch an einen Zweitligisten, aber immerhin zeigt er jetzt den unbedingten Willen, die notwendigen Tore für den Klassenerhalt zu erzielen. Genau das lebt Labbadia vor, der nach Kacars Tor wie von der Tarantel gestochen und voller Freude über den halben Platz jagte. Der Bundesliga-Dino, er lebt!

3. Erkenntnis: Martin Harnik hat doch was genommen

Ohnehin muss man festhalten: Der Abstiegskampf ist in diesem Jahr einfach nur geil, weil er extrem spannend ist. Berlin, Hamburg, Freiburg, Hannover, Paderborn, Stuttgart – alle stecken mittendrin im Schlamassel. Und die, die am "mittendrinsten" von allen stecken, spielen momentan den schönsten Fußball: die Spieler des Schlusslichts VfB Stuttgart. Anders als noch bei der späten und unglücklichen 2:3-Niederlage beim FC Schalke 04 belohnten sich die Schwaben beim 2:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05 für ihre couragierte Leistung.

Ganz stark spielte dabei einmal mehr Martin Harnik, der das entscheidende Tor zum 2:0 durch Filip Kostic vorbereitete – und das, obwohl Coach Huub Stevens den Österreicher während der Partie offensichtlich nervte: "Der Trainer ging mir die ganze Zeit auf den Sack und hat mich gefragt, ob es noch geht. Dann habe ich siebenmal gesagt, dass es noch geht", schimpfte Harnik nach der Partie ins Sky-Mikrofon. Einen möglichen Grund für seine überzeugende Leistung bis in die Schlussminuten nannte Harnik auch noch: Tier-Doping. "Ich glaube, dass ich sieben Fliegen verschluckt habe. Das war am Ende nochmal ein Eiweißschub."

4. Erkenntnis: Borussia Mönchengladbach überrascht sogar den eigenen Trainer

Während im Abstiegskampf fast alles noch möglich ist, ist die Entscheidung um die Champions-League-Plätze praktisch gefallen. Borussia Mönchengladbach gewann erstmals seit 26 (!) Jahren wieder ein Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (3:0) und hat nun fünf Punkte Vorsprung auf die Mannschaft von Roger Schmidt.

Wer bis zu diesem Spieltag noch Zweifel daran hatte, ob die richtigen und besten vier Teams Deutschlands ganz oben stehen, der hat sie nach diesem Spieltag gewiss nicht mehr. Denn das, was Mönchengladbach und Leverkusen im direkten Duell abgeliefert haben, war Fußball vom Allerfeinsten. Erst dominierte die Werkself mit starkem Pressing, dann kam Max Kruse. Sein Tor zum 1:0 kam aus dem Nichts. "Das 1:0 war unerwartet und hat uns auf der Bank überrascht", räumte sogar Gladbach-Trainer Lucien Favre ein.

Wer sogar Taktik-Fuchs und Trainer-Genie Favre überraschen kann, der gehört einfach in die Champions League. Gut, Kruse spielt da nächste Saison ohnehin, denn seit Sonntag steht sein Wechsel zum VfL Wolfsburg fest. Und die können nach dem Sieg gegen Paderborn nicht mehr von einem der drei ersten Plätze verdrängt werden. Hat er also alles richtig gemacht, der Max.

5. Erkenntnis: Der FC Bayern München sorgt für ein Jahrhundert-Ereignis

"Wir waren leicht schockiert", sagte Trainer Markus Weinzierl nach dem 1:0-Sieg seines FC Augsburg, angesprochen auf die Tatsache, dass der FC Bayern München beinahe in Bestbesetzung antrat. Wobei das Wort "Bestbesetzung" angesichts des Bayern-Lazaretts ein sehr dehnbarer Begriff ist.

Sehr schockiert sind wir hingegen aufgrund der Leistungen der Mannschaft von Pep Guardiola. Rechnet man das offiziell als Remis gewertete Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund hinzu, haben die einstigen Über-Bayern vier Pflichtspiele in Folge verloren. Vier! Das nahm sogar "N24" als Anlass, eine Eilmeldung zu diesem Jahrhundert-Ereignis zu verschicken. Manch einer mag das für übertrieben halten, allerdings kommen vier Bayern-Niederlagen in Serie seltener vor als ein Frisör-Besuch von Dante.

Und, liebe FCB-Fans, leider ist eine fünfte Pflichtspiel-Niederlage in Serie nicht auszuschließen. Denn am kommenden Dienstag (20:45 Uhr, LIVE im ZDF, bei Sky und bei uns im Ticker) treffen die Bayern im Rückspiel der Champions League auf den FC Barcelona. Und dem Vernehmen nach sollen Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar noch besser sein als Raul Bobadilla, Halil Altintop und Tobias Werner