Der FC Bayern muss Joshua Kimmich besser vor Pitbull-Pep schützen, Roger Schmidt liebt die Aufmerksamkeit und Bremer Dummheit muss bestraft werden. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse
von Tim Frische, Redakteur Sport

1. Lehre: Pitbull-Pep braucht einen Maulkorb

Leckomio, war das ein starkes Spiel. Zwar trennten sich Borussia Dortmund und der FC Bayern am Samstagabend torlos, dennoch zeigten beide Teams: Sie sind ganz klar die besten Mannschaften Deutschlands.

Doch obwohl die Bayern mit dem Remis besser leben können als der weiterhin fünf Punkte hinter dem FCB liegende BVB, sprudelten nach dem Abpfiff aus Pep Guardiola die Emotionen wie Cola aus einer mit Mentos gefüllten Cola-Flasche.

Leidtragender des Pep-Ausbruchs: Joshua Kimmich. Guardiola rannte nach dem Ende wie ein wild gewordener Pitbull aufs Spielfeld, packte sich den Aushilfsinnenverteidiger, schrie ihn mit weit aufgerissenen Augen an, fuchtelte taktische Anweisungen mit seinen Händen und schrie ihn wieder an, um ihn zum Schluss mit voller Leidenschaft zu drücken.

Kimmich war aufgrund dieses Liebesbeweises mit sadomasochistischer Note so perplex, dass ihm keine andere Reaktion übers Gesicht kam, als seinen in diesem Moment fast schon psychopathisch wirkenden Coach verdutzt anzugucken.

Dabei hatte Kimmich seine Sache gegen Dortmund bravourös erledigt. Guardiola missfiel einzig, dass der 21-Jährige in den letzten Minuten nicht die Rolle des ausgewechselten Xabi Alonsos übernahm und den tieferstehenden Part der Innenverteidiger spielte.

Welch ein Malheur. Solch ein eklatantes Fehlverhalten wird Kimmich bestimmt nicht noch einmal passieren. Und falls doch: Legt Guardiola bitte vorher einen Maulkorb an!

2. Lehre: Man sollte die Finger von der Ex lassen

Die vergangenen zigtausenden Jahre sollten uns Menschen eigentlich Folgendes gelehrt haben: Lass die Finger von der Ex! Es gab Gründe, warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat! Selbst wenn es anfangs so scheint, als sei alles anders: Das ist es nicht! Und am Ende leiden die Kinder am meisten.

Obwohl wir all das tief in unserem Inneren wissen, bleibt die Verlockung manchmal zu groß. Und zu spät realisieren wir: Das mit dem Comeback war ein Fehler.

Solch einen Fehler - bzw. in folgendem Fall eher Vehler - hat auch Eintracht Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen begangen. Eine seiner "Exen" - natürlich im rein sportlichen Sinne - trägt den Namen Armin Veh. Im Sommer kam es zum Liebes-Comeback zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und dem Trainer.

Anfangs lief es beim zweiten Versuch rund zwischen Heribert und Armin. Im Frühherbst bejubelten sie noch, was die gemeinsamen Kinder auf dem Rasen Schönes veranstalteten. Das war alles so fantastisch, dass sie insgeheim gar von gemeinsamen Reisen durch Europa geträumt haben dürften. Vielleicht nicht direkt nach Barcelona, Paris oder Turin: Aber vielleicht nach Sevilla, Liverpool oder Mailand.

Doch weil der Armin seine väterlichen Qualitäten fortwährend immer weniger unter Beweis stellte und die gemeinsamen Kinder nur noch Unsinn verzapften, zog der Heribert die Reißleine und setzte den Armin am Sonntag vor die Tür.

Mitleid braucht man aber mit beiden nicht haben. Sie hätten es schließlich besser wissen müssen. Einfach die Finger von der Ex lassen - dann passiert so ein Mist auch nicht!

3. Lehre: Roger Schmidt liebt die Aufmerksamkeit

Roger Schmidt scheint ein größeres Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zu haben. Weil der Trainer von Bayer Leverkusen beim Spiel gegen Borussia Dortmund mit seinem sturen Verhalten einen zwischenzeitlichen Spielabbruch provoziert hatte, wurde er zwar vorläufig aus dem Verkehr gezogen.

Doch aus den Schlagzeilen will der Bayer-Trainer in diesen Tagen offenbar nicht geraten. Und so entschied sich Schmidt kurzerhand dazu, auf das Spiel seiner eigenen Mannschaft beim FC Augsburg zu pfeifen und zur Partie des kommenden Europa-League-Gegners FC Villarreal zu fliegen.

Klar: Wenn der eine oder andere Leverkusen-Fan nach den zuvor gezeigten Darbietungen seinem Team kurzerhand den Rücken kehrt, hätten wir das verstehen können. Dass aber sogar der Trainer keine Lust auf das Gekicke seiner Mannschaft zu haben scheint, verwundert dann doch.

Und so verpasste Schmidt das historische Comeback seiner Truppe samt eines Last-Minute-Punktgewinns. Denn noch nie in der Leverkusener Vereinsgeschichte holte das Team nach einem 0:3-Rückstand noch einen Zähler.

Statt dieses Spektakel zu erleben, schaute sich der Bayer-Coach ein dröges 0:1 Villarreals gegen Las Palmas an.

Wie würde da der Engländer sagen? Schmidt happens …

4. Lehre: Dummheit muss bestraft werden

Ehrlichkeit ist eine ehrbare Tugend. Und in einer perfekten Welt sollte jeder Mensch so ehrlich sein dürfen, wie er will, ohne dafür Konsequenzen befürchten zu müssen.

Doch so läuft das Leben nicht. Das weiß jeder Mann, der auf die Frage seiner Partnerin, ob sie dick aussehe, mal ehrlich geantwortet hat.

Die Welt ist halt nicht perfekt. Denn in einer perfekten Welt könnte eine Person wie Donald Trump nicht US-Präsident werden. Beweisaufnahme abgeschlossen.

Vielleicht hätte es Werder Bremens Zlatko Junuzovic nach dem 4:1-Sieg seines Teams gegen Hannover 96 wie Trump halten und vor den TV-Kameras einfach lügen sollen, was das Zeug hält! Stattdessen sagte der Österreicher die Wahrheit. Welch Fauxpas!

Er habe sich absichtlich die fünfte Gelbe Karte abgeholt, um in der kommenden Partie beim FC Bayern zu fehlen und in den entscheidenden Spielen im Abstiegskampf wieder dabei zu sein, sagte er.

Doch was so clever ausgeheckt war, könnte gewaltig nach hinten losgehen. Dem DFB dürften Junuzovics Aussagen gar nicht gefallen. Wenn’s ganz blöd läuft, wird Werders Mittelfeldspieler für eine längere Zeit gesperrt.

Auch wenn es grotesk klingt: Solch eine Dummheit, als Profi-Fußballer ehrlich zu sein, muss auch einfach bestraft werden.

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