Seit drei Pflichtspielen ist RB Leipzig ohne Sieg. Ausgerechnet vor dem Bundesliga-Gipfel gegen den Titelverteidiger und neuen Tabellenführer Bayern München steckt der Herbstmeister in der größten sportlichen Krise dieser Saison. Trainer Julian Nagelsmann ist sie anzumerken.

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Im Alter von 32 Jahren stehen viele Fußball-Profis noch voll im Saft. Julian Nagelsmann arbeitet mit 32 Jahren als Herausforderer des FC Bayern München bereits an seiner vorläufigen Krönung als Trainer.

So zumindest sah es nach dem 18. Spieltag der Bundesliga noch aus. RB Leipzig lag als Herbstmeister und Spitzenreiter vier Punkte vor dem Titelverteidiger.

RB Leipzig hat für den FC Bayern gespielt

Drei Wochen und drei sieglose Begegnungen später ist alles wie immer: Die Bayern sind Erster und die Gejagten. Über Leipzig ist spätestens mit dem 1:3 im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Eintracht Frankfurt die Sonne vom Himmel verschwunden. Die erste Titelchance der Saison ist dahin.

Erst zehn Tage davor hatten die Leipziger an gleicher Stelle das Bundesliga-Duell mit 0:2 verloren. Dazwischen lag ein schmeichelhaftes 2:2 daheim gegen starke Gladbacher.

"Wir fahren nicht nach München und singen, wir fahren nach Berlin. Das kann ich Ihnen schon mal verraten", flüchtete sich Nagelsmann nach der neuerlichen Pleite im Hessischen in Galgenhumor.

Julian Nagelsmann wird dünnhäutig

Doch in ihm arbeitet es. Beleg dafür sind Antworten auf der Pressekonferenz nach dem Spiel wie diese, die die gestellte Frage lediglich wiederholen: "Wir sind ausgeschieden, was soll das bedeuten?", fragte Nagelsmann. Zuvor hatte er bereits schnippisch angemerkt, man spiele "am Sonntag schon das allerwichtigste Spiel des Jahres für die Medienlandschaft."

Doch das Gipfeltreffen in München ist nicht nur für die Medien ein wichtiges Spiel. Tatsächlich dürfte der Auftritt beim Spitzenreiter für RB wegweisend sein: Nach dem Pokal-Aus gegen auffallend leidenschaftlichere Frankfurter droht dem Champions-League-Achtelfinalisten der zweite von drei möglichen Titeln zu entgleiten.

Doch selbst dann, wenn die Bayern durch einen Heimsieg ihren Vorsprung auf vier Punkte ausbauen sollten, bleiben in der Bundesliga noch 14 Chancen, sie wieder abzufangen. "Bayern ist kein Endspiel", beeilte sich Sportdirektor Markus Krösche, den Druck zu minimieren.

Bei Leipzig hakt es in allen Mannschaftsteilen

Der Nagelsmann-Elf, darauf machte Stürmer Yussuf Poulsen aufmerksam, mangele es derzeit an "Effiktivität". Zu viele Chancen bleiben liegen.

Dazu kommt, dass der im Winter an Neapel abgetretene Ex-Nationalspieler Diego Demme als zentraler Stabilisator im Mittelfeld fehlt. Schließlich macht sich in der Abwehr die Verletzungsmisere immer mehr in Form von überforderten Spielern bemerkbar.

Innenverteidiger Dayot Upamecano, den angeblich der FC Bayern haben will, wirkt überspielt und physisch angeschlagen. In Frankfurt leitete der Franzose mit verheerenden Fehlpässen das 1:3 maßgeblich mit ein.

"Er hat sehr viele Spiele gemacht. Das ist nie förderlich. Er muss in den Rhythmus kommen. Wir können ihm keine Pause geben, demnach muss er durch", macht Nagelsmann dem 21-Jährigen auf eine schöpferische Pause keine Hoffnung.

Offensiv, wo der ehrgeizige Coach genug Optionen hat, suchen mehrere Profis ihre Hinrundenform, als Leipzig in acht Bundesliga-Partien in Serie mindestens drei Tore schoss.

Top-Angreifer Timo Werner ließ Nagelsmann im Pokal in Frankfurt aus taktischen Erwägungen heraus eine Stunde lang auf der Bank. Nach seiner Einwechslung blieb der Stürmer, der in 20 Bundesliga-Spielen in der laufenden Saison beeindruckende 20 Tore machte, wirkungslos.

Vor dem Spiel in München ist der taktische Tüftler Nagelsmann vor allem als Motivator gefragt. Er muss in die Köpfe der Spieler vordringen. Jeder Misserfolg setzt sich dort fest.

Nach dem Bundesliga-0:2 in Frankfurt hatte Nagelsmann eine alpine Metapher bemüht. Jeder seiner Spieler müsse "für sich selbst entscheiden", ob er "das Gipfelkreuz" erreichen wolle oder kurz davor stehenbleibe. Momentan treten die Leipziger nicht wie Besteiger des Gipfels auf. Wollen sie ganz nach oben, müssen sie den FC Bayern von dort verjagen. Eine bessere Gelegenheit als ein direktes Duell gibt es dafür nicht. (hau/dpa)

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