Donis Avdijaj und Sinan Kurt sind nicht die ersten deutschen Toptalente, die sich auf dem vermeintlichen Sprung nach ganz oben selbst im Weg stehen.

Donis Avdijaj ist erst 20 Jahre jung. Aber er kann schon jetzt mehr Geschichten erzählen als das Gros gestandener Profis - weil er eine polarisierende Figur ist.

Einer, der viel kann und oft aneckt. Ein Hochbegabter, der schon berühmt war, als er noch für Schalkes B-Jugend in der Junioren-Bundesliga West unterwegs war.

Avdijaj war 16, als die ersten Gerüchte um eine irrsinnige Ausstiegsklausel die Runde machten. Angeblich lag die bei 48 Millionen Euro.

Avdijaj hat damals in 51 Spielen 59 Tore geschossen, am Ende waren es in der U17 und U19 zusammen 76 Treffer in 69 Spielen für die Königsblauen - eine Mega-Quote.

Ein Duo vor dem Aus…

In etwa zur selben Zeit gehörte Sinan Kurt zu den größten Talenten des deutschen Fußballs. Kurt war ein Protagonist der "Sky"-Serie "Projekt Profi - Vier Jungs auf dem Weg in die Bundesliga".

Bei Borussia Mönchengladbach galt er als Nachfolger von Marco Reus. Ein Offensivjuwel, ein Dribbler, wie es sie nur ganz selten gibt.

Avdijaj und Kurt waren beide eine Verheißung - mittlerweile sind sie so etwas wie die Prototypen für eine junge Karriere, die irgendwann die falsche Richtung eingeschlagen hat.

Avdijaj steht bei Schalke vor dem Aus. Kurt, der unter großem Bohei und in einer heftigen Schlammschlacht vor ein paar Jahren von Gladbach zu den großen Bayern gewechselt war, spielt derzeit bei Hertha BSC keine Rolle.

Beide stehen für den Typ verzogener Jungprofi, der zu früh zu weit in den Himmel gelobt wurde und keine Bodenhaftung mehr verspürt.

Avdijaj machte durch Schlagzeilen abseits des Platzes auf sich aufmerksam und durch ein völlig skurriles Interview. Kurt wird gerne nachgesagt, dass er selbst mit kleinsten Teilerfolgen zufrieden und bequem wird.

…und auf dem Abstellgleis

Jetzt stehen beiden, Avdijaj 20, Kurt gerade 21 Jahre alt geworden, auf dem Abstellgleis. Kurt erschien bei der Hertha mit Übergewicht zum Trainingsauftakt und bringt das Fass wohl damit zum Überlaufen.

Avdijaj hat bei Schalkes neuem Trainer Domenico Tedesco und Manager Christian Heidel offenbar keine Chance mehr.

"Donis stellt seinen Gemütszustand gerne nach Außen dar. Ab und zu muss er in den Spiegel schauen, um sich zu hinterfragen. Trainieren, ohne zu mosern. Dass der Coach nicht so zufrieden mit ihm ist, hat ja Gründe", wird Heidel in der "Bild" zitiert.

Pannewitz vor dem zweiten Anlauf

Avdijaj und Kurt sind als gescheiterte Verheißungen nicht alleine. Kevin Pannewitz galt vor ein paar Jahren als die Mittelfeldhoffnung des deutschen Fußballs.

Bei Hansa Rostock ging der Stern des gebürtigen Berliners auf, mit dem Wechsel nach Wolfsburg sollte Pannewitz Bundesligaformat erreichen.

Doch es kam anders. Der Teenie hatte immerwährend mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, bereits in Rostock fiel er mit einigten Undiszipliniertheiten auf, die in Wolfsburg unter dem damaligen Trainer Felix Magath nicht ungeahndet blieben. Nach nur einem Jahr wurde der Vertrag wieder aufgelöst.

Pannewitz tingelte danach über die Dörfer, kickte beim Goslarer SC in der Regionalliga Nord und später sogar für die Klubs VSG Altglienicke und den Oranienburger FC Eintracht in der sechsten und fünften Liga.

"Der Kühlschrank war sein größter Gegner", schrieb die "Zeit" einmal über Pannewitz, der in seinen schlimmsten Zeiten über 100 Kilo auf die Waage brachte.

Eigentlich wollte er mit dem Profifußball brechen und Müllfahrer werden. Jetzt will es "Wannewitz", wie ihn der Boulevard einst spöttisch getauft hat, nach vier Jahren im Amateurfußball doch noch einmal wissen.

Für Drittligist Carl-Zeiss Jena hat er schon Probetrainings und Testspiele absolviert und, viel wichtiger, auch rund 30 Kilo abgenommen.

Gebhart: Letzte Ausfahrt Regionalliga

Mit Gewichtsproblemen hatte Timo Gebhart noch nicht zu kämpfen. Dafür mit allerhand Episoden, die nicht zwingend für den Beruf eines Profifußballers gemacht sind.

Vor neun Jahren köpfte er die deutsche U19 zum EM-Titel, wurde Stammspieler beim TSV 1860 München und wechselte dann zum VfB Stuttgart in die Bundesliga, wo er es zwischenzeitlich sogar das Kapitänsamt inne hatte.

Gelegentlichen Aussetzern auf dem Feld folgten einige Eskapaden außerhalb des Platzes, die den schleichenden Abstieg einläuteten. So wurde er nach einer Diskoschlägerei wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verdonnert.

Über Nürnberg landete er mit einer beachtlichen Verletzungshistorie im Gepäck bei Steaua Bukarest. Geschichten über nächtliche Rotlichtbesuche machten die Runde, der Vertrag wurde nicht verlängert.

In Rostock spielte er in der 3. Liga eine vernünftige Saison, konnte sich mit den Verantwortlichen aber nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen.

Jetzt wagt auch Gebhart so etwas wie einen Neuanfang. Die letzte Chance heißt TSV 1860 München - in der Regionalliga Bayern.