Zu Beginn jubelten ihm die Fans des FC Bayern München zu. Inzwischen wird Douglas Costas' wahrscheinlicher Abgang nicht bedauert. Wie konnte es dazu kommen?

Der Presseraum des FC Bayern, Februar 2016. Douglas Costa ist angekündigt, und der neue Münchner Publikumsliebling kommt erst mal eineinhalb Stunden zu spät (was beim Rekordmeister eher die Regel denn die Ausnahme ist).

Costa trägt schwarzes Shirt zu schwarzem Cap, das schräg vom Kopf hängt, und fläzt sich in den Stuhl. Ziemlich lässig sieht das aus.

Bloß auf Reden hat der Brasilianer keine Lust, also kombiniert er die schlimmsten Fußballer-Floskeln, überlässt seinem Dolmetscher die Aufgabe, etwas Verwertbares daraus zu deichseln ("Der Trainer entscheidet") und präsentiert sich dabei: betont gelangweilt.

Wechsel von Gnabry zu den Bayern ist für ihn mit viel Risiko verbunden.


Nach 20 Minuten ist das Gespräch vorüber, der nachfolgende Thiago zeigt - obwohl im Deutschen ebenfalls arg limitiert -, wie solche Veranstaltungen seriöser zu bestreiten sind.

Douglas Costa vor Wechsel zu Juventus

Szenenwechsel, April 2017, Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Real Madrid. Costa ist Reservist, auch das inzwischen eher als Regel denn Ausnahme.

25 Minuten vor Schluss wird er eingewechselt, sein eklatant kläglicher Leistungsnachweis (defensiv sorglos, offensiv unbeteiligt) darf auf zwei Arten interpretiert werden: Entweder bockt die Ergänzungskraft, was charakterliche zu sportlichen Defizite addiert. Oder er kann auf diesem höchsten Niveau keinen Impuls setzen - was die Sache nicht besser macht.

Weitere zwei Monate darauf ist Douglas Costa fast weg vom FC Bayern. Laut "Kicker" ist er sich mit Juventus einig, demnach wollen die Turiner 40 Millionen Euro zahlen und die Bayern 50 erhalten; man wird sich wohl irgendwo treffen und Costas bis 2020 laufenden Vertrag nivellieren.

"Er ist sehr talentiert und eines unserer Transfer-Ziele", sagt Juve-Trainer Massimiliano Allegri auf der Vereinswebsite.

Zehn Torvorlagen in sieben Spielen

Es wäre das Ende zweier Bayern-Jahre, die Verheißungsvolles beschworen, aber im Prinzip zu drei Vierteln aus beidseitiger Unzufriedenheit bestanden. Costa ist entbehrlich geworden, weil er den alternden Franck Ribéry auf Linksaußen nur temporär ersetzen konnte. Und in dieser Phase war Ribéry ohnehin verletzt.

Offensivspieler ist womöglich ernsthaft verletzt und könnte lange fehlen.


Außer dem Franzosen und Arjen Robben bewerben sich Thomas Müller, Kingsley Coman sowie bald Serge Gnabry um die offensiven Mittelfeldpositionen.

Zuletzt war Costa oft kein Faktor, 2016/17 brachte er es lediglich zu 19 Startelf-Einsätzen. In insgesamt 50 Bundesliga-Spielen kam er auf acht Tore und 20 Vorlagen. Was gut klingt, aber relativiert werden muss, weil zehn Assists auf seine ersten sieben (!) Partien entfielen.

Es war ja dieser Raketenstart, damals, im Sommer und Herbst 2015. Der für 30 Millionen Euro von Schachtjor Donzek verpflichtete Costa verblüffte mit Tempo, Tricks und Toren. Herausragend: seine Explosivität, der infantile Witz, schnittige Flanken wie Schüsse. Was ist seitdem passiert?

Wie Zirkusnummern ohne Manege

Costas Absturz auf Raten begann im November 2015, mit muskulären Problemen fiel er für den Rest des Kalenderjahres aus - und verlor neben Form und Rhythmus zudem seinen Stammplatz an den genesenen Ribéry.

Trainer Pep Guardiola ging, Trainer Carlo Ancelotti übernahm, Douglas Costa blieb ein Pendler zwischen Bank und Platz - sowie den Extremen. Mal nagelte er einen Ball aus 25 Metern in den Winkel (wie in Darmstadt), mal wirkte er wie einer, der alte Zirkusnummern herauskramen will, aber seine Manege eingebüßt hat (wie gegen Madrid).

Es zementierte sich der Eindruck, dass Costa 2015 über seinen Verhältnissen spielte, warum und wie auch immer. Seine markantesten Eigenschaften waren jetzt: fehlende Spielintelligenz, große Streuung, sture Dribblings.

Mehmet Scholl fällt Urteil über Costa

"Costa ist nicht mehr der Spieler, der er in seiner Anfangszeit beim FC Bayern war", kritisierte Lothar Matthäus in der "AZ".

Ungeschickt platzierte Interviews des Nationalspielers (respektive seines Beraters) beschleunigten den Trend. Der Costa-Clan meldete "millionenschwere Angebote" an, und Uli Hoeneß retournierte vom "verzweifelten Versuch, ein höheres Gehalt rauszuholen".

ARD-Experte Mehmet Scholl fasste die Causa Costa griffig zusammen: "Grundsätzlich kein Spieler, auf den der FC Bayern nicht verzichten kann."

Mal sehen, ob Scholls Urteil vom Februar 2017 dauerhaft gelten wird.

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