Franck Ribéry ist wieder da! Nach monatelanger Verletzungspause absolvierte der Franzose sein erstes Training mit der Mannschaft. Doch hat der FC Bayern mit Kingsley Coman nicht bereits eine bessere Alternative im Kader? Wir machen den Check.

Franck Ribéry ist nach monatelanger Verletzungspause ins Mannschaftstraining des FC Bayern zurückgekehrt. Der Franzose absolvierte erstmals seit März wieder eine Einheit mit dem Team. "Das ist ein super Tag für mich, sehr emotional", sagte der 32-Jährige bei fcb.tv.

Das Ribéry-Comeback naht also. Doch viele Fußballfans stellen sich die Frage: Braucht der FC Bayern den 32-Jährigen überhaupt noch? Oder haben die Münchner mit Kingsley Coman, der in der aktuellen Ausgabe der "Sport Bild" sagte, der "neue Ribéry" werden zu wollen, nicht ohnehin schon eine bessere Alternative für den alternden Star? Wir machen den Check anhand vier wichtiger Kriterien.

Kriterium 1: Variabilität

Pep Guardiola ist Variabilität enorm wichtig. Äußerst selten schickt der Trainer des FC Bayern zweimal in Folge dieselbe Mannschaft auf den Platz.

Gegen Hertha BSC (2:0) überraschte Guardiola gar mit einem Experiment, in dem er Innenverteidiger Jerome Boateng eine Halbzeit lang im defensiven Mittelfeld aufbot.

Ribéry ist für Guardiolas Fußballphilosophie daher eigentlich kein geeigneter Spieler. Schließlich ist der Franzose seit Jahren auf der linken Außenbahn beheimatet. Einzig der eigenwillige Ex-Coach Louis van Gaal wollte den Franzosen einst zum Spielmacher umfunktionieren, ist mit diesem Plan aber grandios gescheitert.

Coman ist im Gegensatz zu Ribéry deutlich flexibler einsetzbar. Der 19-Jährige beackert meist die rechte Außenbahn, kann aber auch im zentralen Mittelfeld auflaufen oder über den linken Flügel kommen.

Dadurch besteht für Guardiola die Möglichkeit, besser ins Spiel eingreifen zu können und taktische Vorgaben zu verändern, indem er beispielsweise die offensiven Mittelfeldspieler rochieren lässt.

Punktgewinn Coman.

Kriterium 2: Schnelligkeit

Franck Ribéry hat eine Menge herausragender Qualitäten. Doch die beeindruckendste ist seine Schnelligkeit. Der "Sportinformations-Dienst" listete im April dieses Jahres die Top Ten der schnellsten Fußballer mit dem Ball am Fuß auf. Ribéry belegte mit einem Spitzenwert von 30,7 km/h den neunten Platz - kein Bundesliga-Profi war in diesem Ranking vor ihm. Weltweiter Spitzenreiter ist Real-Madrid-Star Gareth Bale mit 36,9 km/h.

Dennoch entscheidet Ribéry das Geschwindigkeitsduell mit Coman nicht für sich. Denn der Bayern-Youngster ist ebenso wie sein Landsmann extrem flink auf den Beinen. Mit 34,4 km/h (ohne Ball) hält der 19-Jährige den Geschwindigkeitsrekord bei den Bayern in dieser Saison.

Beim 2:0-Erfolg gegen Hertha BSC setzte Coman die meisten Sprints (24) aller Spieler auf dem Feld an. "Er ist unglaublich schnell und weiß immer, wo ich stehe", lobte ihn Robert Lewandowski nach der Partie. Matthias Sammer schwärmte ebenfalls: "Coman ist Wahnsinn."

Punkt für beide.

Kriterium 3: Vorlagen und Tore

Die Verpflichtung Ribérys war aus Bayern-Sicht vielleicht die beste in den vergangenen zehn Jahren. 68 Mal traf der Franzose in der Bundesliga, zudem bereitete er 99 Treffer vor. Das macht 167 Scorerpunkte - und das in "lediglich" 193 Spielen. Rechnet man sämtliche Vereinsspiele des Franzosen als Profi zusammen, kommt er auf 288 Scorerpunkte (120 Tore, 168 Vorlagen) in 411 Spielen. Anders formuliert: Durchschnittlich benötigt Ribéry nur rund 1,42 Spiele, um an einem Torerfolg beteiligt zu sein - ein Wahnsinnswert.

Coman hat in seiner jungen Karriere erst 45 Profispiele im Verein absolviert. In diesen kommt er auf sechs Tore und neun Vorlagen. Das macht durchschnittlich einen Scorerpunkt in drei Partien.

Für die Bayern netzte der 19-Jährige in drei Bundesligaspielen selbst ein, zweimal gab er den Assist zum Torerfolg. Diese Zahlen sowie die Leistungen in den zurückliegenden Wochen zeigen: Coman besitzt extrem viel Potenzial. Um eines Tages solche Statistiken wie Ribéry aufzuweisen, muss er dennoch stetig besser werden.

Punktgewinn Ribéry.

Kriterium 4: Verletzungsanfälligkeit

Zugegeben: Ribéry und Coman in diesem Punkt miteinander zu vergleichen, ist schwierig. Schließlich trennen die beiden Franzosen rund 13 Jahre.

Dennoch ist seit langer Zeit auffällig, dass Ribéry immer und immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wird. Laut "transfermarkt.de" fiel Ribéry seit seinem Wechsel zu den Bayern im Sommer 2007 insgesamt 41 Mal aus. Meistens waren es kleinere Wehwehchen, doch auch schwerwiegende Verletzungen wie ein Syndesmosebandriss im Juni 2008, langwierige Patellasehnenprobleme von Oktober bis Dezember 2009 und natürlich die seit März dieses Jahres andauernden Sprunggelenksprobleme stehen in der langen Krankenakte des mittlerweile 32-jährigen Franzosen.

Beim erst 19 Jahre alten Coman zählt "transfermarkt.de" lediglich eine achttägige Verletzungspause, als sich der Offensivspieler beim U21-Länderspiel Frankreichs in Schottland eine Adduktorenverletzung zuzog.

Punktgewinn Coman.

Fazit

Kingsley Coman braucht sich aktuell nicht fürchten, dass Ribéry ihn beim FC Bayern aus der Rotation kegelt. Zu stark sind die jüngsten Leistungen des 19-Jährigen im Trikot der Münchner gewesen. Zu flexibel ist Coman einsetzbar.

Bei Ribéry gibt es indes einige Fragezeichen: Wie lange braucht der Franzose, um sich wieder seiner Top-Form anzunähern? Wie lange bleibt er verletzungsfrei?

Zudem ist aktuell nicht absehbar, wann Ribéry wieder eine echte Verstärkung für die Bayern sein kann.

Der Flügelspieler hat viel für den FC Bayern geleistet, wurde 2013 zu Recht von der Uefa als bester Fußballer Europas ausgezeichnet.

Doch im schnelllebigen Fußballgeschäft sind alte Leistungen wenig wert. Ribéry muss schnell wieder funktionieren. Sonst ist er bei den Bayern bald Vergangenheit.

Die Zukunft, die heißt Kingsley Coman.