Fast wirkte es so, als wollte der FC Bayern München nach einer zwar diskussionsfreudigen, aber am Ende ergebnislosen Winter-Transferperiode noch mal ein Zeichen setzen: Jann-Fiete Arp wechselt spätestens 2020 nach München. Ein Deal, der Fragen aufwirft.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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Ziemlich aus dem Nichts bestätigten der FC Bayern München und der Hamburger SV am Donnerstagnachmittag, dass Jann-Fiete Arp spätestens im Sommer 2020 von der Elbe an die Isar wechseln wird. Zuvor hatte es darüber bereits unbestätigte Meldungen gegeben.

Merkwürdig ist der Deal allerdings auf mehreren Ebenen. Zum einen wurde der Transfer offenbar schon im Sommer 2018 vereinbart. Zum anderen hat Arp eine völlig verkorkste Hinrunde in der zweiten Liga hinter sich und war zuletzt ziemlich vom Radar verschwunden. Und das kaum mehr als acht Monate, nachdem halb Europa hinter dem Angreifer her war.

Nun also der bevorstehende Schritt nach München. Kaum mehr als zwei Millionen Euro Ablöse werden die Münchner offenbar in Richtung Hamburg überweisen. Ein Transfer ohne großes Risiko also, auch wenn der 19-Jährige ein ordentliches Salär verdienen dürfte.

Anlagen für einen Top-Stürmer

In der Abstiegssaison der Hamburger löste der damals 17-Jährige einen in Hamburg lange nicht mehr erlebten Hype aus. Inzwischen ist Arp eher ein Rotationsspieler beim Aufstiegsaspiranten.

In elf Einsätzen - davon nur vier von Anfang an - traf Arp kein einziges Mal. Unter der Woche stand er beim Pokalerfolg der Hamburger gegen den 1. FC Nürnberg zwar mal wieder in der Startelf. Überzeugen konnte er dabei aber nicht.

Denkt man allerdings zurück an die Vorsaison, ist es durchaus nachvollziehbar, warum die Münchner Arp offenbar lieber heute als morgen an sich binden wollten.

In seinen besten Momenten paart der großgewachsene Stürmer Torgefährlichkeit mit Eleganz am Ball und für sein Alter herausragend klugen Bewegungen in die freien Räume.

Beim HSV musste er dabei vor allem in der letzten Bundesligasaison viel mit dem Rücken zum Tor agieren, häufig weit vom gegnerischen Tor entfernt. Auch hier zeigte er seine Cleverness und sein Gefühl für das Spiel und war immer wieder an guten Aktionen und Gegenstößen beteiligt.

Er spielt Zuspiele gern mit dem ersten Kontakt weiter, wenn sich die Gelegenheit bietet und macht so das Spiel schnell. Alles in allem ist er ein mitspielender Stürmer und passt damit durchaus gut ins Anforderungsprofil der Bayern, die gerade erst Sandro Wagner abgegeben haben. Trotzdem kann Arp nur eine sehr langfristige Investition sein.

Der nächste Schlaudraff?

Natürlich bemühten schon am Donnerstag eine Reihe von Kommentatoren die unrühmlichen Beispiele von Jan Schlaudraff, Alexander Baumjohann oder Nils Petersen, die allesamt mit ihrem Wechsel nach München nicht glücklich wurden. Auch Marcell Jansen ist hier zu nennen.

Doch es gibt auch andere Beispiele: Joshua Kimmich kam auch als Talent aus der zweiten Liga und ist heute sowohl in der Nationalmannschaft als auch beim FC Bayern nicht mehr wegzudenken.

Insgesamt ist es bei Arp viel zu früh, um eine Prognose abzugeben. Arp muss sich nun erst mal in Hamburg endgültig durchsetzen, um überhaupt eine Chance zu haben, einen Platz im Bayern-Kader zu finden.

Zumal sehr viel dafür spricht, dass die Bayern im Sommer im Angriff nachlegen. Die Gerüchte um Timo Werner, der sich im Verlauf der Rückrunde entscheiden muss, ob er in Leipzig bleiben will, halten sich hartnäckig.

In München steigt auch deshalb der Druck auf Sportchef Hasan Salihamidzic. Er muss spätestens im Sommer liefern. Zu viel wurde in den letzten Wochen öffentlich über mögliche Neuzugänge diskutiert.

Passiert ist wenig. Irgendwie ein merkwürdiger Transferwinter an der Säbener Straße. Die nun verkündete Verpflichtung von Jann-Fiete Arp, die mehr Fragen aufwirft als Antworten bietet, passt da nur ins Bild.

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