Viel schlechter hätte das Fußballjahr 2022 für den Rekordmeister kaum starten können: Vor dem Rückrundenauftakt der Fußball Bundesliga plagen den FC Bayern enorme Personalsorgen. Auf Grund einer Vielzahl von positiven Covid-Tests und einigen weiteren Verletzungen steht Bayern-Coach Julian Nagelsmann nur eine absolute Rumpftruppe zur Verfügung. Doch dieser Zustand ist aller Voraussicht nach sehr temporär. In spätestens zwei Wochen dürfte der Kader schon wieder deutlich anders aussehen, wenn die Spieler - hoffentlich ohne Nachwirkungen - aus der Quarantäne zurückkehren.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
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Der FC Bayern hat also noch sehr viel vor in der ersten Rückrunde unter Julian Nagelsmann. Auf diese vier Spieler kommt es dabei ganz besonders an:

1. Joshua Kimmich

Während die halbe Bayern-Mannschaft derzeit mit positiven Tests zu Hause oder im Ausland gefesselt ist, hat Kimmich seine breit diskutierte Covid-Episode überstanden. Für ihn ist der Jahreswechsel die willkommene Chance auf einen Neustart. Kimmich wurde wegen seiner verweigerten Impfung und späterer Infektion innerhalb von wenigen Wochen vom gefeierten Sympathieträger zu einer Streitfigur von nationaler Tragweite. Um Fußball ging es dabei eigentlich gar nicht mehr. Zu allem Überfluss wählten ihn seine Bundesligakollegen in einer Umfrage des "kicker" zuletzt auch noch zum Absteiger der Hinrunde.

Nach langer Quarantäne und offenbar vollständig überstandener Covid-Erkrankung ist Kimmich endlich zurück. Der ehrgeizige Mittelfeldspieler wird es nun allen beweisen wollen. Und vor allem durch gute Leistungen endlich wieder rein sportliche Schlagzeilen schreiben. Ohnehin ist Kimmich DER Schlüsselspieler in Bayerns Spiel. Und war dies mit bis dato starken Leistungen auch vor seiner Zwangspause in der Hinrunde. Daran muss er anknüpfen.

Kimmich bestimmt Bayerns Rhythmus. Er hat enorme Spielanteile, ist laut, torgefährlich und organisiert das Münchner Spiel ähnlich dominant wie vor 10 Jahren Bastian Schweinsteiger aus der Mittelfeldmitte heraus. Will der FC Bayern in der Rückrunde maximalen Erfolg braucht er einen Joshua Kimmich in Topform.

2. Dayot Upamecano

Upamecano war der Königstransfer der Münchner im Sommer 2021. Er sollte die großen Fußstapfen, die David Alaba und Jerome Boateng in der Innenvereidigung hinterlassen haben füllen. Eine fast unmögliche Aufgabe. Ist ihm das bisher gelungen? Jein. An guten Tagen wie beim 5:1-Erfolg gegen Leverkusen in der Hinrunde als Upamecano herausragend spielte, sah man warum die Münchner über 40 Millionen Euro in die Hand genommen haben, um den Franzosen an die Isar zu locken. Robust, schnell, gutes Auge, kopfballstark. Upamecano bringt alles mit, was ein Weltklasseverteidiger braucht.

Doch es gab auch andere Auftritte, bei denen Upamecano manchmal etwas schläfrig, in Klärungsaktionen ungenau und phasenweise sogar mit dem Tempo ein wenig überfordert wirkte. Und dafür muss man nicht nur das 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach im Pokal bemühen. Es spricht einiges dafür, dass sein wahres Gesicht eher in den positiven Auftritten zu finden ist und die schwächeren eher die Ausnahme sind. Doch Upamecano muss in der Rückrunde nachlegen. Vor allem in der Champions League, wenn es für den FC Bayern wirklich zählt.

Wenn Upamecano gesund aus der derzeitigen Quarantäne zurückkehrt kann er neben dem immer stabiler werdenden Lucas Hernández der erhoffte Fixpunkt in Bayerns immer mal wieder wackeligen Defensive werden. Auch auf ihn kommt es in der Rückrunde besonders an.

3. Benjamin Pavard

Pavard ist der nächste Franzose auf den viele Augen gerichtet sein werden. Seine Zeit in München ist eigentlich eine einzige Erfolgsgeschichte. Zunächst als viel zu teurer Verlegenheitstransfer aus Stuttgart verschrien, erarbeitete sich Pavard mit disziplinierten Vorstellungen einen Stammplatz auf der rechten Abwehrseite. Am Triple 2019/2020 hatte er großen Anteil. Seitdem fehlte er häufiger verletzt.

Im November und Dezember nahm er zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder richtig Rhythmus auf und machte viele Spiele am Stück über 90 Minuten. Pavard ist kein Unterschiedspieler. Er ist offensiv eigentlich zu schwach für einen Außenverteidiger beim FC Bayern in der Tradition von Philipp Lahm, David Alaba oder aktuell Alphonso Davies. Aber er ist eben der klar beste Rechtsverteidiger, der aktuell im Kader seht. Vor allem in der Champions League mit vielen Weltklassespielern auf dem offensiven Flügel wird Pavard gefordert sein. Der FC Bayern braucht ihn.

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4. Jamal Musiala

Kann ein 18-Jähriger in einem Starensemble des FC Bayern schon ein Schlüsselspieler sein? Ja er kann. Vielleicht nicht ständig und von Anfang an, aber als wichtigster Bayern-Joker von der Bank. Denn Musiala kann Dinge besonders gut, die kein anderer im Bayern-Kader mitbringt. Die Wendigkeit in engen Zonen. Die Bereitschaft auch auf kleinstem Raum den Doppelpass oder direkten Durchbruch im Strafraum zu suchen. Das zeichnet Musiala aus.

Wenn Gnabry nach 65 Minuten für Sané oder Coman kommt ändert das im Detail einiges, aber im Kern nicht allzu viel. Wenn Musiala kommt, bringt er etwas Neues ins Spiel. Das kann in einer langen Saison mit vielen engen Spielen noch richtig wertvoll werden.

Auch wenn Nagelsmann zuletzt formulierte, dass Musiala und sein Spiel nun weiter wachsen müsse ("Der Bambi-Status ist weg") bleibt der Nationalspieler als Joker für die Münchner derzeit am wertvollsten. Für den Bayern-Erfolg in der Rückrunde braucht es deshalb noch mehr Musiala-Momente.

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