Er trifft und trifft und trifft. Mario Gomez ist momentan der Erfolgsgarant des VfL Wolfsburg. In der momentanen Verfassung ist er wohl auch bei der deutschen Nationalmannschaft unersetzlich.

Er brauchte nur 6 Minuten und 24 Sekunden für seinen Hattrick gegen Bayer 04 Leverkusen. Mario Gomez gelang am Sonntagabend der viertschnellste Dreierpack in der Bundesliga-Geschichte. Der 31-Jährige trifft unter dem neuen Trainer Andries Jonker, wie er will.

Insgesamt neun Spiele bestritt er beim FC Bayern München (da war Jonker 2011 Interimstrainer) und nun in Wolfsburg unter diesem Coach. Seine stolze Ausbeute: 15 Tore!

Teamplayer und Anführer

Gomez spielt den Hype um das Trainer-Stürmer-Duo herunter. "Es ist nicht so, dass er mir täglich auf die Schulter klopft", sagte der Nationalstürmer in der Fußballsendung "Sky 90".

Er führt seinen Erfolgslauf vielmehr auf die gute Teamarbeit zurück: "Ich bin als Stürmer auf gute Zuspiele angewiesen. Jetzt spielen wir so, dass diese Zuspiele kommen. Vor einiger Zeit haben wir nur reagiert, nun agieren wir. Wir sind eine Mannschaft, die guten Fußball spielen kann."

Gomez ist der Anführer dieser Mannschaft, die zu den jüngsten der Bundesliga zählt. Er gibt nicht nur Anweisungen, sondern ist auch ein echter Motivator. Als der VfL Wolfsburg in Leverkusen das 0:2 kassierte und die Niederlage fast unvermeidbar schien, feuerte er seine Mitspieler an, das Spiel noch nicht aufzugeben – mit Erfolg. Die Partie endete 3:3.

Sky-Experte Lothar Matthäus bestätigt das bei "Sky 90": "Mario ist in einer guten Form. Auch als es nicht gut lief, hat er die Mannschaft mit seinen Kommentaren ein bisschen geweckt. Er weiß, dass er die Bälle von der Mannschaft in den Strafraum gespielt bekommen muss. Da ist er gefährlich."

Die Durststrecke ist überwunden

Von diesen Qualitäten war Anfang der Saison noch wenig zu sehen. Nachdem er im Sommer vom verpflichtet wurde, blieb Gomez die ersten sieben Spieltage ohne Treffer. Selbst hundertprozentige Torchancen ließ er reihenweise ungenutzt.

Immer wieder wurde er darauf angesprochen. Gomez bewertete das aber nicht über – genauso wenig, wie jetzt seinen derzeitigen Erfolgslauf.

"Ich spiele nicht Fußball, um jede Woche der Torschütze zu sein. In dieser Hinsicht habe ich mich verändert", erzählte er im Gespräch mit "dfb.de". In früheren Jahren habe er noch die eigene Torquote im Kopf gehabt, wollte sich so für höhere Aufgaben empfehlen.

"Diese Gedanken habe ich heute nicht mehr. Ende der Saison werde ich 32 Jahre alt. Ich lebe im Hier und Jetzt. Wer die Tore macht, ist für mich nicht entscheidend." Dank dieser Gelassenheit steigen ihm Erfolgsserien genauso wenig zu Kopf, wie ihn Durststrecken nervös machen.

Überhaupt ist Gomez laut Jonker ein Stürmer, der nicht nur aufgrund seiner Tore wichtig für die Mannschaft ist.

"Er macht richtig Dampf, geht in viele Duelle, macht viel Druck nach vorne, arbeitet gut gegen den Ball - das muss er auch machen. Wir haben keine Zeit für einen launischen Stürmer. Wir brauchen einen hart arbeitenden Stürmer."

Am Ende ist allerdings Gomez auch der Spieler, der eine gute Mannschaftsleistung in etwas Zählbares ummünzen muss. In den vier Partien unter Jonker traf noch kein anderer Spieler des VfL Wolfsburg.

Kaum eine Bundesligamannschaft (sieht man einmal von dem 1. FC Köln mit Torjäger Anthony Modeste ab) ist so abhängig von ihrem Mittelstürmer wie Wolfsburg.

Auch die Nationalmannschaft braucht Gomez

Dass auch die Nationalmannschaft einen starken Mario Gomez gebrauchen kann, hat die Europameisterschaft 2016 bewiesen. Er war der einzige echte Mittelstürmer im Kader. Nach seiner Verletzung fehlte gegen Frankreich ein Spieler, der im gegnerischen Strafraum präsent ist. Für viele Experten war sein Fehlen einer der Hauptgründe für das Halbfinal-Aus.

Dementsprechend sagte Bundestrainer Joachim Löw auch gegenüber dem "Kicker": "Gomez ist weiter ein Spieler, der Tore machen kann, wenn er komplett fit ist. Er ist ein sehr guter Abschlussspieler, wenn seine Mannschaft Chancen erarbeitet. Deshalb spielt er in meinen Planungen weiter eine Rolle."

Völlig zu Recht, denn im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2018 fehlt Deutschland im vorderen Sturm die Breite. Die Alternativen Timo Werner (1 Länderspiel) und Sandro Wagner (noch ohne Länderspiel-Einsatz) haben im internationalen Spitzenfußball kaum Erfahrung vorzuweisen – ganz im Gegensatz zu Mario Gomez.