Der FC Bayern hat mit der Verpflichtung von Niko Kovac einen neuen Weg eingeschlagen und nicht wenige empfanden die Aufgabe beim Rekordmeister zunächst als eine Nummer zu groß für Kovac. In den ersten drei Monaten in München hat der neue Trainer seine Kritiker aber überzeugt.

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Seit gut sechs Jahren gibt es in Deutschland keine ernsthafte Konkurrenz für den FC Bayern München und wer im Frühjahr gehofft hatte, dass sich das bald ändern könnte, der wird jetzt ziemlich ernüchtert feststellen: Auch mit Niko Kovac auf der Kommandobrücke gibt es beim Rekordmeister keinen Leistungsabfall.

Vor Niko Kovac hatten die Bayern vor allem auf große Namen gesetzt: Auf den Triple-Heynckes folgte Pep Guardiola, der vermeintlich beste Trainer der Welt. Auf den Spanier dann Carlo Ancelotti, ein Grandseigneur des Fußballs, dann für ein paar Monate wieder Heynckes, der den Bayern so wichtig war, dass sie ihn aus dem Ruhestand wieder an die Säbener Straße holten.

Heynckes, Guardiola, Ancelotti: Das waren zusammen 48 große Titel als Trainer, darunter sieben Triumphe alleine in der Champions League.

Nicht die erste Wahl

Die Bayern holten sich ihrem Ruf und ihrem Selbstverständnis gemäß nur die Allergrößten ins Haus. Und in diese Fußstapfen tritt nun Niko Kovac.

Der hatte bis dahin als Trainer noch gar nichts gewonnen, war erst rund zwei Jahre als Vereinstrainer unterwegs und hatte noch kein einziges Spiel in der Königsklasse gecoacht - und das, obwohl die Champions League doch die Messlatte für die Bayern ist.

Es gab durchaus einige Zweifel, ob Kovac sich in einem Klub dieser Kategorie so sicher und souverän wird bewegen können wie zuvor bei Eintracht Frankfurt. Drei Monate ist der Kroate nun in der Verantwortung und von einer Schwäche, einem Zögern oder Zaudern ist rein gar nichts zu erkennen.

Ganz im Gegenteil. Kovac hat vom ersten Tag an die Baustellen in Angriff genommen, die ihm seine Vorgänger hinterlassen hatten. Viele waren das nicht, aber in den höchsten Gefilden zählt am Ende die Arbeit an den kleinen Details.

Mit Akribie und Empathie

Zum Beispiel hatten die Bayern-Spieler vor ziemlich genau einem Jahr mehr oder weniger unverhohlen über das zu lasche Training von Ancelotti geklagt. Heynckes hat in dieser Beziehung schnell die Zügel angezogen - und Kovac legt nun noch eine Schippe drauf.

Er hat die Stars, die unter Ancelotti wenig und bei Guardiola nur mit dem Ball am Fuß trainiert haben, laufen lassen. Und das fast immer im Maximalbereich. Am Ende hat es den Spielern sogar Spaß gemacht, sich noch mehr zu quälen.

"Wenn wir es schaffen, Freude, Leidenschaft, Teamspirit und die Egoismen, die jede Mannschaft hat und die auch wir haben, in Eines zu tun, dann kann etwas entstehen", sagte Kovac bei seinem Amtsantritt. Bislang scheint ihm das zu gelingen.

So holte Kovac Lewandowski auf seine Seite

Wie in jeder anderen Mannschaft gab es auch bei den Bayern ein paar unzufriedene Spieler. Robert Lewandowski liebäugelte noch im Sommer ganz offen und ungeniert mit einem Wechsel.

Dann kam eine für den Polen recht verkorkste Weltmeisterschaft und Lewandowski blieb - wenngleich er sich weiter über die fehlende Unterstützung der Klubführung beklagte. Kovac hat es fürs Erste geschafft, aus dem wankelmütigen Angreifer wieder einen zuverlässigen Diener des Klubs zu machen.

Lewandowski trifft nicht nur wieder das Tor, er ordnet sich unter, sammelt damit Pluspunkte bei den Kollegen, die ihm vor ein paar Wochen womöglich keine Träne nachgeweint hätten. Kovac hat seinen wichtigsten Angreifer in einem Vier-Augen-Gespräch gepackt - auf einer emotionalen, menschlichen Ebene.

"Ich bin zwar Trainer des FC Bayern, versuche aber, jeden Einzelnen als Person zu sehen. Jeder Mensch braucht Wertschätzung, egal in welcher Form. Man muss authentisch auftreten und ehrlich sein. Wenn man etwas verspricht, dann muss man das auch einhalten. Ich bin kein Hexenmeister oder Wunderheiler, sondern versuche, jedem auf Augenhöhe zu begegnen", erklärte Kovac seine Herangehensweise im Interview mit "spox.com".

Ähnlich empathisch ging Kovac bei Renato Sanches vor. Der galt in München als Problemfall, in all seiner Jugendlichkeit bereits als verbrannt. Plötzlich aber taut der Portugiese auf, hat sich in der Mannschaft festgespielt und fängt nun an, die hohen Erwartungen an seine Person auch zu erfüllen.

Das Defensivverhalten verbessert

Kovac hat im Vergleich zu den Altmeistern Heynckes und Ancelotti mehr Nähe zu den Spielern aufgebaut, wohl auch wegen seines vergleichsweise jungen Alters. Das erleichtert offenbar den direkten Zugang, zumal der 46-Jährige - wie er selbst sagt - bisweilen auch immer noch denke wie ein Spieler.

Darüber hinaus ist Kovac die Arbeit gegen den Ball, die in München in den letzten Jahren eine der ganz wenigen Baustellen war, angegangen. Besonders die Konteranfälligkeit der Mannschaft war ein Thema, zuletzt nachgewiesen und ausgenutzt von Kovac selbst, als der mit Frankfurt das Pokalfinale gegen die Bayern gewann.

"Wir können uns nur selber schaden - wenn wir fahrlässig oder nachlässig beim Verteidigen sind, wird es gefährlich. Aber wenn wir das Defensivverhalten auf eine höhere Ebene bringen, wird es schwierig, Chancen oder Tore gegen uns zu kreieren", sagt Kovac.

Deshalb sind die Bayern so scharf in den ersten Spielen der noch jungen Saison. Das Remis gegen Augsburg war die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Einen Start mit sieben Siegen und einem Remis aus den ersten acht Pflichtspielen bei bisher lediglich drei Gegentoren hätten wohl nur die wenigsten erwartet.

Niko Kovac hat die schwierigen ersten Wochen nicht nur überstanden, sondern sie mit Bravour gemeistert. Und die Konkurrenz schaut mal wieder in die Röhre.

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