Der VW-Abgasskandal sorgt auch in der Fußball-Bundesliga für dicke Luft. Weil der neue Volkswagen-Boss Matthias Müller offen über die Kürzung von Sponsorengeldern nachdenkt, schrillen bei einigen Clubs die Alarmglocken. Nach außen gibt man sich noch gelassen.

So etwas nennt man wohl ein Eigentor. Die Folgen des Abgasskandals werden den Volkswagen-Konzern wahrscheinlich mehrere Milliarden Euro kosten. In Wolfsburg wird nun jeder Stein umgedreht, um Einsparmöglichkeiten zu erschließen. Auch das Fußball-Sponsoring wollen sich die VW-Bosse nun genau ansehen. "Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben" erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Matthias Müller auf einer Betriebsversammlung.

Bei diesen Worten zücken die Manager der betroffenen Clubs gedanklich die Rote Karte in Müllers Richtung. Dreistellige Millionenbeträge pumpt der Konzern jedes Jahr ins Sponsoring von 19 Vereinen der Ersten und Zweiten Bundesliga. Nicht nur das: VW mischt auch als Anteilseigner mit. Der VfL Wolfsburg gehört zu 100 Prozent dem Konzern, über die VW-Tochter Audi ist man zu 8,33 Prozent an der Profiabteilung von Bayern München beteiligt. Beim Bundesliga-Aufsteiger FC Ingolstadt hält die Audi-Tochter Quattro 19,94 Prozent der Anteile.

Welche Probleme die Dominanz der Münchner mit sich bringt.

Gelassenheit beim VfL Wolfsburg

Die Reaktionen auf die VW-Gedankenspiele fallen bisher eher gelassen aus. Klaus Allofs, Manager des VfL Wolfsburg, erklärte der Deutschen Presse-Agentur: "Es gibt da brennendere Themen. Da geht es um andere finanzielle Größenordnungen." Aber es sind auch keine Kleckerbeträge, von denen hier die Rede ist. Das Wohlgedeihen der "Wölfe", die im Frühjahr erstmals den DFB-Pokal gewannen, ist Volkswagen jährlich rund 100 Millionen Euro wert – über die genaue Summe wird geschwiegen. Der Umsatz des Konzerns lag 2014 bei 202,5 Milliarden Euro.

"Für die Vereine sind es gigantische Beträge, die VW investiert, für den Konzern selbst aber überschaubare Summen", betonte der frühere VW-Manager Hans-Gerhard Seeba im Interview mit dem Fußballmagazin "11 Freunde". Er ist überzeugt, dass "die aktuellen Ereignisse das Sportsponsoring nicht betreffen werden." Ein Rückzug wäre "unprofessionell und würde den Eindruck erwecken, dass der Konzern in Aktionismus verfällt", erklärte Seeba weiter. Außerdem würde ein solcher Schritt das Image des Autobauers beim fußballinteressierten Publikum weiter beschädigen: Mit Millionen Fußball-Anhängern will man es sich lieber nicht verscherzen.

Der Sportsponsoring-Experte Thomas Dehesselles sieht das ähnlich. Dass die finanzielle Unterstützung in Wolfsburg, München oder Ingolstadt in Gefahr gerate, sei "sehr unwahrscheinlich", erklärte er im Deutschlandfunk.

Kürzungen bei kleineren Engagements

Oder kommt es doch anders? Für den VfL Wolfsburg wäre eine Kürzung der Gelder jedenfalls ein schwerer Schlag, denn VW ist der Hauptgeldgeber des deutschen Meisters von 2009. Teure Verpflichtungen wie André Schürrle oder Julian Draxler, die zuletzt für insgesamt knapp 70 Millionen Euro ins Team geholt wurden, wären dann kaum noch möglich. Die sportliche Zielsetzung müsste nach unten korrigiert werden. Auch den FC Ingolstadt würde eine Kürzung weitaus härter treffen als etwa Bayern München. Mit zahlreichen finanzstarken Sponsoren ist der deutsche Rekordmeister finanziell auf Rosen gebettet. Beide Clubs gaben bisher keine Stellungnahmen zu den Spekulationen über die VW-Pläne ab.

Nach dem Rückzug von Martin Winterkorn als Aufsichtsrats-Chef ist die Fußball-Lobby im Konzern jedenfalls erheblich geschwächt. Der Manager galt als fußballverrückt und baute das Sport-Sponsoring massiv aus. Sollte die Finanzierung der großen Clubs auf dem jetzigen Niveau weiterlaufen, wäre es zumindest denkbar, dass VW kleinere Projekte in Frage stellt. Thomas Dehesselles hält es für möglich, "dass Sonder-Engagements zurückgefahren werden, dass man also im DFB-Pokal oder im Frauenfußball dezent Verträge auslaufen lässt."

Möglicherweise wird der Rotstift auch zuerst im Ausland angesetzt, beispielsweise in der Schweiz. Dort unterstützt Volkswagen den Schweizer Fußballverband sowie die Clubs FC Basel, FC Luzern, FC Lugano, FC Lausanne und die Grasshoppers Zürich. Eines ist sicher: Irgendjemand wird für die Verfehlungen der VW-Bosse aufkommen müssen.