Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, José Mourinho - Sie alle haben Probleme mit der spanischen Steuerfahndung. Und eine ebenso spannende wie berechtige Frage steht im Raum: Wer aus der Welt des Profi-Fußballs ist der Nächste?

Ist Spanien ein Paradies für prominente Steuerhinterzieher? Bislang war es eher ein Paradies für Sonnenanbeter und wohlhabende Rentner, die dem kalten Winter in Deutschland entfliehen wollen.

Doch wie kommt es, dass nach Lionel Messi nun plötzlich auch Cristiano Rolando und José Mourinho im Fokus der spanischen Steuerbehörden stehen?

Die jüngsten Anklagen haben mit der Enthüllungsplattform "Football Leaks" zu tun.

Diese hatte im Dezember 2016 brisante Dokumente – Verträge über Transfers, Beteiligungen und Steuertricks – veröffentlicht, wodurch die spanischen Behörden erst auf die potenziellen Betrügereien hochbezahlter Fußballer aufmerksam wurden.

José Mourinho wegen zwei Vergehen angeklagt

Im Zuge dessen wurden nach Messi nun auch der vierfache Weltfußballer Ronaldo und Star-Trainer Mourinho wegen Steuerhinterziehung angeklagt.

Beim Portugiesen Mourinho geht es aktuell um zwei Vergehen. Er war von 2010 bis 2013 Trainer der Königlichen. In dieser Zeit soll er insgesamt 3,3 Millionen Euro hinterzogen haben.

Sollte es zu einer Verurteilung kommen, wäre es nicht seine erste: Im Mai 2016 musste der 54-Jährige schon zwei Millionen Euro Steuernachzahlung, Strafe und Zinsen an Spaniens Fiskus überweisen.

Messi zu 21 Monaten Haft und Geldstrafe verurteilt

Auch Lionel Messi wurde rechtskräftig verurteilt: 21 Monate Haft auf Bewährung und dazu 2,1 Millionen Euro Strafe.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 29-Jährige zwischen 2007 und 2009 insgesamt 4,1 Millionen Euro Einnahmen aus Bildrechten mit Hilfe seines Vaters und seiner Berater über Briefkastenfirmen in Belize, Großbritannien, der Schweiz und Uruguay am spanischen Finanzamt vorbeigeschleust hat.

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Ein Einspruch seitens des argentinischen Superstars wurde Ende Mai 2017 vom Obersten Gericht in Madrid abgewiesen.

Messi selbst beteuerte, "von all dem keine Ahnung" gehabt zu haben. Das half ihm nicht.

Dass der fünffache Weltfußballer nicht tatsächlich hinter Gitter muss, hat er der spanischen Justiz zu verdanken.

In Spanien werden Strafen bis zu 24 Monaten bei nicht vorbestraften Angeklagten praktisch immer zur Bewährung ausgesetzt.

Cristiano Ronaldo mit weit höherem Betrag

Doch möglicherweise ist das für Ronaldo keine Beruhigung. Real Madrids Megastar soll Steuern in Höhe von fast 15 Millionen Euro hinterzogen haben.

Und darauf stehen mindestens sieben Jahre Gefängnis. Er soll Briefkastenfirmen auf den britischen Jungferninseln und in Irland unterhalten haben.

Konkret heißt es seitens der Madrider Staatsanwaltschaft, der 32-Jährige habe "von Strukturen profitiert, die im Jahr 2010 geschaffen wurden, um den Behörden in Spanien erzieltes Einkommen zu verheimlichen."

Dabei ist "CR7" laut des US-Magazins Forbes der bestverdienende Sportler der Welt. Seine Einnahmen inklusive Werbung beliefen sich 2016 auf knapp 83 Millionen Euro.

Ein Jahr zuvor gab der Superstar sein Privatvermögen mit 227,2 Millionen Euro an. Er reagierte damit auf die brisanten Insider-Informationen der Enthüllungsplattform "Football Leaks", über die auch der "Spiegel" berichtet.

Steuerhinterziehung trotz Millionen-Einnahmen

So verdiente der portugiesische Europameister beispielsweise 2014 mit Werbung 63,5 Millionen Euro - ohne Steuern zu bezahlen.

Und zwar ganz legal, weil er 2014 seine Werberechte an eine ausländische Firma abgetreten hatte. Einnahmen aus dem Ausland lassen den spanischen Fiskus kalt.

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Insgesamt 150 Millionen Euro soll Ronaldo so an Einnahmen für Bildrechte in Scheinfirmen auf den Britischen Jungferninseln versteckt haben.

Nun konnten ihm die spanischen Behörden nun wohl doch vier Fälle von Steuerbetrugs zwischen 2010 und 2014 nachweisen.

Die Frage "Wer ist der Nächste?" ist mehr als berechtigt. Denn Ronaldo ist nur einer von bislang sechs Spielern, die durch die Enthüllungen von "Football Leaks" Probleme mit den Staatsanwälten bekommen haben.

Angeblich sind außerdem Fábio Coentrao, Ricardo Carvalho, Xabi Alonso, Ángel Di Maria und Radamel Falcao betroffen.

Und die Ermittlungen in Frankreich, Spanien und England haben gerade erst begonnen.