Als am Sonntagabend die Viertelfinalbegegnung Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund gezogen wurde, schien die Gladbacher Seite mit diesem Los deutlich besser leben zu können als die krisengebeutelten Dortmunder.

Christopher Giogios
Eine Kolumne
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Zwei Ligakonkurrenten, ein Pokalkracher – und zahlreiche Gerüchte um Marco Rose

Klar: nach dem verlorenen Derby gegen den 1. FC Köln ist auch am Niederrhein die Stimmung etwas gedrückt. Auch der 7. Platz in der Bundesliga – punktgleich hinter den Dortmundern – entspricht derzeit nicht dem Saisonziel der Qualifikation für das internationale Geschäft. Allerdings hat man in der Champions League eine kleine Sensation geschafft und in der Hammergruppe um Real Madrid und Inter Mailand das Achtelfinale erreicht; im DFB-Pokal ist man auch auf Kurs.

Das Aufeinandertreffen zwischen der Borussia aus Dortmund und der Borussia aus Mönchengladbach bringt allerdings nicht nur aufgrund der traditionellen Konkurrenzsituation eine gewisse Brisanz mit sich. Die Neuauflage der Pokalbegegnung aus der vergangenen Saison (im Oktober 2019 spielte man innerhalb von zwei Wochen in der Liga und im Pokal gegeneinander; der BVB gewann beide Partien) fachte auch wieder die Gerüchte um Gladbach-Trainer Marco Rose an.

Seit der Entlassung von Lucien Favre im Dezember ist zu vernehmen, dass Rose im Sommer ins Ruhrgebiet wechseln soll. Experten wie Heribert Bruchhagen und Marcel Reif gaben laut "sport1" sogar an, dass die Verpflichtung von Rose längst beschlossene Sache sei.

Hat Rose in Gladbach bessere Gegebenheiten?

So oder so bringt das Viertelfinale Anfang März jedoch eine interessante Konstellation mit sich. Denn mit einem Sieg seiner Gladbacher könnte Rose den BVB noch tiefer in die Krise stürzen, was die Frage aufwirft: möchte er überhaupt seinen Job in Gladbach gegen das derzeitige Dortmunder Chaos tauschen?

Der BVB hat sich in den vergangenen Jahren selbst ein wenig zum "kleinen FC Hollywood" entwickelt. Unruhe um Transfers, Stars, Mentalitätsdebatten und Krisen begleitet die Borussen schon eine ganze Weile. In Gladbach hingegen hat der 44-Jährige ein deutlich ruhigeres Umfeld und Zeit, um Spieler und Mannschaften zu entwickeln.

Zeit ist etwas, was der BVB Edin Terzic nicht geben kann. Er ist zum Siegen verdammt, ein Verpassen der Champions-League Qualifikation würde für den Club empfindliche Einschnitte bedeuten. Umso auffälliger ist es, dass Terzic immer wieder auf die gleichen Routiniers setzt, obwohl Spieler wie Julian Brandt, Marco Reus und Jadon Sancho allesamt ihrer Form hinterherlaufen.

Er kann es sich aber aktuell schlicht nicht erlauben, mit de facto-Jugendspielern wie dem 16-jährigen Youssoufa Moukoko Experimente einzugehen. Der derzeitige Zustand der Mannschaft zeigt sich aber auch darin, dass Torschütze Moukoko bei der 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg genauso viele Torabschlüsse hatte wie die genannten Stars zusammen.

Die Bilanz spricht für den BVB

Eines muss Rose also klar sein: sollte der BVB unter Terzic nicht doch noch irgendwie das Ruder herumreißen und eine herausragende Rückrunde spielen, dann würde er im Sommer eine Dortmunder Mannschaft übernehmen, die vor einem großen Umbruch steht. Zwar agiert der Verein in anderen finanziellen Dimensionen, allerdings ist je nach Abschneiden ein Verbleib von Spielern wie Sancho und Erling Haaland alles andere als sicher.

Zu früh sollte man den BVB aber nicht abschreiben: am 1. Spieltag zeigte man den Fohlen mit 3:0 deutlich ihre Grenzen auf. Auch die 2:4-Niederlage der Dortmunder beim Rückrundenauftakt erzählt nicht die ganze Geschichte: in den Phasen des Spiels, in denen sich die Gladbacher ein offenes Duell mit dem BVB lieferten, konnten sie der offensiven Wucht und Geschwindigkeit der Dortmunder nicht viel entgegensetzen. Erst als sie sich nach der Führung zurückzogen, trat die Schwierigkeit der Schwarz-Gelben zu Tage, gegen eine tiefstehende Mannschaft anzurennen.

Der DFB-Pokal ist in dieser Saison der einzig realistische Titel für Borussia Dortmund. Die Pokalnacht am 3. März könnte daher zum Schicksalsspiel werden. Für den BVB – und für Marco Rose.

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