• In der Wahl ihrer Mittel sind die englischen Nationalspielerinnen im EM-Finale gegen Deutschland wenig wählerisch.
  • Grobe Fouls und ungeniertes Zeitspiel werden wenige Minuten vor Spielschluss noch getoppt, als Einwechselspielerin Lena Lattwein mit einem Zettel in der Hand den Rasen betritt.
Eine Analyse
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England und vorbildliches Fairplay: Diese einst unumstößliche Gleichung geht längst nicht mehr auf. Wer das EM-Finale der Frauen im Londoner Wembley-Stadion aufmerksam verfolgte, musste dies – teils entsetzt – registrieren.

Während knüppelharte Fouls und Zeitschinden nach bester italienischer oder spanischer Art selbst Fans nicht entgingen, die sich dem Geschehen nur gelegentlich zuwandten, spielte sich eine Unsportlichkeit eher versteckt ab: Zwei englische Spielerinnen holten zum Spick-Angriff aus.

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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg brachte in der 113. Minute Lena Lattwein für Felicitas Rauch. Zwei Minuten vorher hatte die eingewechselte Chloe Kelly den umjubelten 2:1-Führungstreffer für die Gastgeberinnen erzielt. Bei diesem Ergebnis und dem englischen Triumph blieb es, aber auch bei einem schalen Beigeschmack.

Martina Voss-Tecklenburgs Zettel wird ausspioniert

Dies hatte auch mit der Szene zu tun, die auf Lattweins Ankunft auf dem Rasen folgte. Lattwein hatte einen Zettel bei sich. Auf diesem hatte Voss-Tecklenburg Anweisungen notiert. Lattwein reichte diesen Zettel an Kathrin Hendrich weiter. In diesem Moment griff die Engländerin Ella Toone, Schützin des 1:0 in der 62. Minute, erfolglos nach dem Papier. Es wanderte von Hendrich weiter zu Sara Doorsoun. Doorsoun wirkte seit der 103. Minute anstelle von Marina Hegering mit. Als die deutsche Nationalspielerin studierte, was Voss-Tecklenburg aufgeschrieben hatte, las Alessia Russo von hinten einfach mit.

In einem Twitter-Eintrag waren die Bilder dazu unter anderem auf dem Account der Frauenfußball-Abteilung von Manchester United zu sehen. Auf diesen wies ein Sport1-Bericht hin.

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Über den Erkenntnisgewinn – schon aufgrund der Sprachbarriere – für Russo und ihre Kolleginnen hinsichtlich deren Spielführung in den verbliebenen Minuten lässt sich streiten. Nicht zuletzt deshalb stellt sich die Frage nach dem Sinn einer solchen Aktion.

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Den Engländerinnen ist für den Gewinn der EM jedes Mittel recht

Sie reihte sich indes ein in die bereits beschriebene, mitunter rücksichtslose Härte, die die Engländerinnen beispielsweise gegen Lena Oberdorf (101.) und Svenja Huth (104.) ins Spiel brachten. Dazu kamen übertriebene Theatralik, vor allem auch seitens der Torhüterin Mary Earps, Ballwegschlagen trotz erfolgtem Abseitspfiff und ein aufreizend auffälliges Zeitschinden, das Schiedsrichterin Kateryna Monzul aus der Ukraine nicht mit der entsprechenden Nachspielzeit ahndete.

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Verwendete Quelle:

  • sport1.de: Betrug? Spick-Angriff auf DFB-Frauen

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