Mario Gomez ist einer der besten deutschen Torjäger der vergangenen Jahre. Dennoch gerät der Stürmer des FC Bayern immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Doch dieser Gegenwind scheint den 27-Jährigen eher zu beflügeln als zu bremsen.

Es war vermutlich einer der schwärzesten Momente in der noch jungen Karriere von Mario Gomez. Im EM-Spiel 2008 gegen Österreich verstolperte er nur wenige Zentimeter vor dem Tor den Ball. Der Spitzname "Gurken-Gomez" war geboren. Und es scheint ihm nicht vergönnt, dieses Stigma abzulegen.

Kaum ein deutscher Stürmer musste über die Jahre so viel Kritik einstecken wie Mario Gomez. Und das obwohl der Torjäger des FC Bayern regelmäßig trifft. Dabei kommt der Gegenwind nicht nur von außen, sondern auch aus den eigenen Reihen. Zuletzt hatte sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß in gewohnt markiger Manier über seinen Stürmer geäußert: "Mario Gomez ist gut, nicht sehr gut. Wenn er sehr gut wäre, wären wir jetzt Champions-League-Sieger."

Eine Aussage, die scheinbar aus dem Blauen heraus kommt, denn das verlorene Champions-League-Finale wollen die Bayern nach eigener Aussage endlich hinter sich lassen. Allerdings könnte dahinter Berechnung stecken. Denn wann immer Gomez am heftigsten kritisiert wird, bringt er danach sehr gute Leistungen.

2008/09 verbessert er sein Trefferkonto im Vergleich zur Vorsaison um fünf Tore auf 24. Und das, obwohl er nach der vergebenen tausendprozentigen Chance im Spiel gegen Österreich schon der erklärte "Depp der Nation" ist. Als Gomez zu Beginn der Saison 2010/11 bei den Bayern nur eine Reservistenrolle einnimmt, heißt es, er sei zu steif, zu unbeweglich. Rund 30 Millionen Euro hatten die Bayern für den Stürmer bezahlt. Diese Summe wird ihm stets um die Ohren gehauen. Doch dann plagt sich der Rekordmeister mit Personalsorgen, Gomez bekommt seine Chance, nutzt sie und wird mit 28 Treffern noch Torschützenkönig.

Gut in Erinnerung ist auch noch die Kritik von TV-Experte Mehmet Scholl während der letzten Europameisterschaft: "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wundliegt und mal gewendet werden muss." Wieder einmal wird Gomez vorgeworfen, er laufe nicht genug, biete keine Anspielstation. Im nächsten Spiel gegen die Niederlande trifft er doppelt, wird zum Spieler des Spiels gekürt.

Hoeneß: "Ich habe das Gefühl, dass ich ihn reizen muss."

Jetzt also die Kritik von Uli Hoeneß, die fast so klingt, als sei Mario Gomez alleine schuld am verpassten Champions-League-Triumph. Mit Mario Mandzukic und Claudio Pizarro haben die Bayern außerdem zwei neue Stürmer verpflichtet, die dem Torjäger zusätzlich Druck machen. Doch Gomez zieht daraus wohl seine Stärke. In Zeiten seines Reservistendaseins sagte er einmal der "Bild": "Ich brauche kein Mitleid, keine 100.000 Schulterklopfer, die mir sagen, dass ich ein supertoller Stürmer bin." Offensichtlich gibt es unter den Fußballern unterschiedliche Typen: Die einen brauchen Streicheleinheiten für die Seele, müssen nach Niederlagen wieder aufgebaut werden – Arjen Robben fällt in diese Kategorie. Er wird derzeit von den Bayern-Verantwortlichen über den grünen Klee gelobt.

Mario Gomez gehört wohl nicht diesem Typus an. Im Gegenteil: Gegenwind scheint ihn anzuspornen, es seinen Kritikern zu zeigen. Getreu dem Motto: "Jetzt erst recht!" Uli Hoeneß dürfte das erkannt haben. "Ich habe das Gefühl, dass ich ihn reizen muss - und das tue ich. Ich mache das nach meinem Bauchgefühl, und mein Bauch sagt mir, dass jetzt der Mario etwas braucht", sagte Hoeneß der "Abendzeitung". Der Bayern-Präsident weiß: Nur mit einem Mario Gomez in Topform kann der FC Bayern die Vize-Saison vergessen machen und wieder Titel holen. Ein paar harte Worte, um aus dem Stürmer das Äußerste heraus zu kitzeln, scheinen da ein probates Mittel.