Ein ungefragter Kuss überschattete vor eineinhalb Jahren den spanischen WM-Titel. Nun muss sich der damalige Verbandsboss Luis Rubiales vor Gericht verantworten. Und der Prozess beginnt mit einer deutlichen Aussage von Jennifer Hermoso.

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Rund eineinhalb Jahre nach dem aufsehenerregenden Kuss-Skandal bei der Fußball-WM der Frauen in Australien hat in Spanien der Prozess gegen den früheren Verbandsboss Luis Rubiales begonnen. Als erste wurde das mutmaßliche Opfer Jennifer Hermoso gehört. Vor dem Staatsgerichtshof in Madrid muss sich Rubiales des Vorwurfs der sexuellen Aggression und der Nötigung erwehren. Dem 47 Jahre alten Ex-Profi droht eine mehrjährige Haftstrafe. Mitangeklagt sind drei weitere Männerwegen Nötigung.

Jennifer Hermoso auf dem Weg ins Gericht. © IMAGO/Europa Press/IMAGO/Alberto Ortega

Hermoso bekräftigte zum Auftakt auf Fragen der Staatsanwältin, sie sei bei der Siegerehrung in Sydney von Rubiales ungefragt auf den Mund geküsst worden. "Es war ein Moment, der einen der glücklichsten Tage meines Lebens überschattet hat. Ich habe es überhaupt nicht kommen sehen", sagte die 34 Jahre alte Stürmerin, die für Tigres Feminil in Mexiko spielt und extra anreiste.

Rubiales und die restlichen Angeklagten sollen vom 12. Februar an gehört werden. Die mündliche Verhandlung läuft bis zum 19. Februar. Die Urteilsverkündung wird erst nach einigen Tagen oder Wochen erwartet.

Ungefragt auf den Mund geküsst

Der Skandal überschattete im August 2023 den WM-Triumph der Spanierinnen. Bei der Siegerehrung nach dem Finalsieg über England (1:0) in Sydney küsste Rubiales Hermoso vor den Augen in aller Welt auf den Mund.

Die Stürmerin widersprach damals der Aussage des Funktionärs, der Kuss sei einvernehmlich erfolgt. Sie erstattete Anzeige. Im Zuge des Skandals trat Rubiales wenig später als Chef des Nationalverbandes RFEF zurück. Er wurde anschließend unter anderem vom Weltverband FIFA für drei Jahre gesperrt. Rubiales hat mehrfach alle Vorwürfe zurückgewiesen.

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Neben Rubiales nahmen in San Fernando de Henares bei Madrid Ex-Frauen-Nationaltrainer Jorge Vilda, der frühere RFEF-Sportdirektor Albert Luque sowie der ehemalige Marketingchef des Verbandes, Rubén Rivera, auf der Anklagebank Platz. Die drei Männer werden der Nötigung beschuldigt, weil sie Hermoso unter Druck gesetzt haben sollen, damit sie Rubiales nicht beschuldigt.

Die Staatsanwaltschaft fordert für Rubiales zweieinhalb Jahre. Er soll das Opfer zudem mit 50.000 Euro entschädigen. Für jeden der drei Mitangeklagten wird ein Freiheitsentzug von eineinhalb Jahren gefordert. Haftstrafen bis zu zwei Jahren werden in Spanien allerdings in der Regel zur Bewährung ausgesetzt. (dpa/bearbeitet von ska)

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