• DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat seine Bereitschaft geäußert, auf den Begriff "Die Mannschaft" in Zukunft zu verzichten.
  • Dafür hat er allerdings Bedingungen und fordert neben emotionalen auch rein sachliche Gründe.
  • Außerdem nennt Bierhoff seine Ideen für mögliche Aktionen im Zuge der umstrittenen Winter-WM in Katar.

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In der Debatte um den umstrittenen Begriff "Die Mannschaft" für die deutsche Fußball-Auswahl hat sich DFB-Direktor Oliver Bierhoff offen für eine kritische Diskussion gezeigt. In einem am Freitag veröffentlichten Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" deutete Bierhoff an, dass er auch einen Verzicht auf den Begriff akzeptieren würde, sollte die Führung des Deutschen Fußball-Bundes dies beschließen.

Zwar wies der Europameister von 1996 darauf hin, dass die Mehrheit der Fans dem Label positiv gegenüberstehen würde, "vor allem junge Fußballfans", das hätten Marktforschungen ergeben. "Aber wenn sich das Präsidium des DFB trotz sachlicher Argumente anders entscheidet, kann ich damit leben", sagte Bierhoff.

Bierhoff: "Der Begriff 'Die Mannschaft' polarisiert"

"Der Begriff 'Die Mannschaft' polarisiert, das weiß ich. Aber es muss sachliche Gründe geben, ihn abzuschaffen, nicht nur emotionale", führte der 54-Jährige aus. Man habe den Begriff analysiert und werde es wieder tun. "Wenn gute Argumente dagegensprechen, werden wir sie nicht ignorieren", sagte Bierhoff.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte sich für eine Abschaffung der Bezeichnung ausgesprochen. "Dieser Begriff ist mir zu abgehoben", sagte Watzke dem "Spiegel" im Januar. Watzke ist Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Fußball Liga und gehört daher auch dem DFB-Präsidium an.

Für eine Abschaffung plädierte auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Der 61-Jährige sagte der "Bild", dass "Die Mannschaft" normal für eine Einheit stehe. "Das war Deutschland zuletzt weder auf dem Platz bei den enttäuschenden Turnier-Auftritten, noch im Verband. Es werden nun auf allen Ebenen neue Wege beschritten. Deswegen wäre es gut, einen neuen Namen zu erfinden, Frische reinzubringen."

Bierhoff zur Katar-WM: "Wir müssen Position beziehen"

In dem "Spiegel"-Interview hat Bierhoff dabei auch die Position des Verbands zu Aktionen wegen der Menschenrechtslage im WM-Gastgeberland Katar bekräftigt. "Wir müssen eine Haltung haben, Position beziehen", sagte er. Es solle über "mit der europäischen Fußballfamilie" koordinierte Aktionen nachgedacht werden. Ähnlich hatte sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, geäußert.

Es gehe ihm nicht darum, mögliche individuelle Aktionen der Spieler einzuschränken, sagte Bierhoff: "Aber es sollte nicht zu einem Wettrennen der guten Aktionen kommen. Dann bleibt die Wirkung aus. Besser wäre eine große, konzertierte Aktion, die zeigt: Wir alle haben uns mit den kritischen Themen auseinandergesetzt und zeigen jetzt Flagge." Die Nationalmannschaft bereitet sich aktuell auf das Spiel in der Nations League am Samstag (20:45 Uhr/RTL) in Bologna gegen Italien vor.

Eine konkrete Idee hat Bierhoff noch nicht

Eine konkrete Idee habe er noch nicht, sagte Bierhoff. "Vieles ist denkbar, wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir am effektivsten Zeichen setzen können. Fest steht: Wir werden für unsere Werte einstehen." Die Nationalmannschaft hatte im vergangenen Jahr mit einer T-Shirt-Aktion für Menschenrechte demonstriert. Im März tauschte sich die DFB-Auswahl mit Menschenrechtsorganisationen aus, am Mittwoch organisierte der Verband ein Dialogforum mit Vertretern verschiedener Interessengruppen.

"Uns ist es wichtig, dass alle einen Eindruck gewinnen, wie die Verhältnisse vor Ort sind und welche Themen bei dieser WM eine Rolle spielen: die Rechte von Frauen und von Homosexuellen, die Bedingungen für Arbeiter", sagte Bierhoff. "Vieles kann man sich ja kaum vorstellen und ist nicht akzeptabel. Dass dort Menschen in 50 Grad Hitze auf Baustellen ohne Pause schuften und am Ende ihr Lohn mitunter nicht ausgezahlt wird." (lh/dpa)

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