Als Assistent stand Hansi Flick Bundestrainer Joachim Löw lange zur Seite - und tut dies auch jetzt. Der Bayern-Trainer verteidigt den früheren Weggefährten gegen Experten-Kritik. Der 55-Jährige mahnt zur Besonnenheit und ist auch ein bisschen erstaunt.

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In der Diskussion um die Nationalmannschaft hat Hansi Flick seinen langjährigen Weggefährten Joachim Löw gegen die zunehmende Kritik verteidigt. "Ich finde das, was aktuell passiert, schon sehr, sehr übertrieben. Jogi hat einen sensationellen Job gemacht als Bundestrainer", sagte der Trainer des FC Bayern am Mittwoch. Der langjährige Assistent von Löw, mit dem er 2014 zusammen Weltmeister wurde, wunderte sich über einige der kritischen Stimmen.

Flick kritisiert Experten: "Hatten schon seit 25, 30 Jahren keinen Ball mehr an den Füßen"

Es seien manche Experten dabei, "die schon seit 25, 30 Jahren gar keinen Ball mehr an den Füßen hatten", sagte Flick. Er erinnere sich noch an die aktive Zeit einiger Experten, die sich als Spieler über die Kritik der damaligen Experten aufgeregt hätten. "Und schwuppdiwupp, ist man selber auf der Seite und haut selber das eine oder andere Ding raus. Das tut dem deutschen Fußball und der Sache nicht unbedingt gut", sagte der 55-Jährige.

Mehrheit der deutschen Fußball-Fans stimmen gegen Löw

Die Mehrheit der deutschen Fußball-Fans sieht Joachim Löw nicht mehr als den richtigen Bundestrainer an. 76,5 Prozent der Befragten stimmten in einer repräsentativen Umfrage der App FanQ im Auftrag des Sport-Informations-Dienstes (SID) mit "Nein". © ProSiebenSat.1

"Man muss ein bisschen zurückgehen und ein bisschen Schärfe rausnehmen", forderte Flick. "Wir müssen gucken, dass wir sachlich bleiben und gemeinsam an die Dinge rangehen." Er selbst erinnerte sich an Zeiten im Nationalteam, an denen er "auch schon solche Momente" erlebt habe, sagte Flick. "Es ist auch die Pflicht eines Nationaltrainers, Dinge auszuprobieren." Die Trainingseinheiten würden nicht nur den Klubs fehlen, sondern ebenfalls den Nationalmannschaften.

Bayern-Trainer sieht auch die Vereine in der Pflicht

Er sieht die Vereine mit in der Pflicht. "Wir Bundesliga-Vereine sind dafür da, dass wir Spieler ausbilden, die dann irgendwann in der Nationalmannschaft spielen", sagte Flick. "Deswegen müssen wir schauen, dass wir Stürmer und Außenverteidiger kreieren. Das ist unsere Aufgabe, und da müssen wir alle gemeinsam im deutschen Fußball die Dinge auch angehen."

Aus dem 3:3 gegen die Schweiz werde Löw mit seinem Team "die richtigen Schlüsse ziehen", prognostizierte Flick. Vom "rein Fußballerischen" her sei der Auftritt "sehr gut" gewesen.

Kritik von vielen Ex-Nationalspielern

Unter anderem hatten sich Lothar Matthäus, Dietmar Hamann, Olaf Thon, Bastian Schweinsteiger und Berti Vogts zuletzt kritisch zu diversen taktischen Aspekten, Personalien oder der Einstellung der Mannschaft geäußert.

So wurde es vergangene Woche nach dem verspielten Sieg gegen die Türkei zwischen Matthäus und Löw fast schon persönlich: "Wieder kosteten taktische Fehler von Jogi Löw bei den Einwechslungen den Sieg. Ich wundere mich, wenn ich sehe, dass da viele Spieler wie Nico Schulz für Deutschland auflaufen, die in ihren Vereinen auf der Bank sitzen", sagte Matthäus der "Bild"-Zeitung: "Genau deshalb schaltet für Deutschland keiner mehr den Fernseher ein."

Auch Bastian Schweinsteiger sah bei der deutschen Nationalmannschaft Probleme in Sachen Fan-Bindung. "Man kann sich nicht mehr so 100-prozentig identifizieren mit der Nationalmannschaft - und das ist schade. Ich hoffe, dass das Ruder wieder rumgerissen wird", sagte der frühere Fan-Liebling als ARD-Experte beim Nations-League-Premierensieg in der Ukraine. (mgb/dpa)