Mario Basler hat für Deutschland 30 Länderspiele bestritten. Auch bei der EM 1996, als die DFB-Elf den Titel holt, gehört er zum Aufgebot. Verletzungsbedingt bestreitet er zwar kein Spiel, fühlt sich aber dennoch als Europameister. Auf seine Medaille wartet der 50-Jährige allerdings bis heute.

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Zwischen 1994 und 1998 kam Mario Basler 30-mal im Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft zum Einsatz. Gemessen am Talent des gebürtigen Pfälzers eine lächerliche Ausbeute. Trotzdem darf sich Basler Europameister nennen.

1996 gehörte der damalige Bremer dem Aufgebot an, das mit dem Titel aus England heimkehrte. Basler saß allerdings schon längst wieder Daumen drückend im heimischen Wohnzimmer, als sich Oliver Bierhoff mit seinem Golden Goal im Londoner Endspiel gegen Tschechien in die Geschichtsbücher einschrieb.

Mario Basler wird der deutsche Pechvogel der EM 1996

"Auf dieses Turnier hatte ich monatelang hingearbeitet", schildert Basler in seiner gerade erschienenen Autobiografie "Eigentlich bin ich ein super Typ". "Bei der EM wollte ich allen beweisen, was für ein großartiger Spieler ich war."

In der Bundesliga hatte es in der Saison 1994/95 keinen besseren Schützen als Basler gegeben. Er war mit 20 Treffern Torschützenkönig geworden und hatte zudem 12 vorgelegt. Auf nationaler Ebene musste Basler niemandem mehr seine Klasse beweisen.

Im Nationaltrikot allerdings war schon die WM 1994 in den USA für Basler zum Fiasko und besser bezahlten Sommerurlaub geworden. Ganze 18 Minuten Einsatzzeit im Eröffnungsspiel gegen Bolivien hatte ihm Bundestrainer Berti Vogts gegönnt.

Dass es in Baslers Karriere bei diesen 18 Turnierminuten blieb, lag auch an seinem späteren Bayern-Kollegen Christian Ziege. Dessen Tritte - wenngleich unbeabsichtigt - legten Basler gleich zweimal lahm: vor und während der EM 1996.

Zwei Tritte von Christian Ziege

Zwei Tage vor Turnierbeginn traf Ziege im Training Baslers rechtes Sprunggelenk. Basler wurde heimgeflogen und in Berlin operiert.

Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Russland war Basler aber zurück bei der Mannschaft und schon eine Woche nach dem Eingriff wieder "topfit", wie er in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" unterstrich.

Bis zur Begegnung mit den Russen waren es nur noch 48 Stunden. Die aber reichten, um Baslers Welt erneut einstürzen zu lassen.

Im Training sollte Basler im Auftrag des Bundestrainers Zieges Gegenspieler, den russischen Star Andrej Kantschelskis, imitieren. Einer der zahlreichen Zweikämpfe wurde Basler zum Verhängnis. Ziege traf ihn ausgerechnet an der frisch operierten Stelle.

Für Basler war das Turnier damit beendet: "Die Chancen, bei diesem Turnier aufzulaufen, waren gleich null", schreibt er in seinem Buch. "Mindestens eine Woche lang sollte ich pausieren, noch mal eine Woche würde es dauern, ehe ich mich wieder an die Startelf herangekämpft hätte."

Mario Basler: "DFB soll Medaille rüberwachsen lassen"

Von Manchester aus flog Basler am Tag des 3:0-Siegs über Russland nach Hause. Seine Mitspieler stürmten am Ende ohne ihn zum EM-Sieg. Im Gegensatz zu Günter Netzer, dem 1974 21 Vorrundenminuten gegen die DDR nicht genügten, um sich anschließend als Weltmeister zu fühlen, sagt Basler aber: "Natürlich fühlte auch ich mich als Europameister."

Er sei "bis kurz vor dem zweiten Gruppenspiel Teil der Mannschaft" gewesen und habe in der Qualifikation seinen Anteil daran gehabt, "dass wir es überhaupt bis nach England geschafft haben".

Die Belohnung dafür - in Form der goldenen EM-Medaille - sei aber ausgeblieben. "Die habe ich bis heute nicht erhalten", beklagt sich Basler in seiner Biografie und fordert den DFB auf, "die Medaille rüberwachsen" zu lassen: "Es wird langsam Zeit."

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