Die Fans jubeln, die Fotografen knipsen, die Journalisten fragen – und die Bayernspieler kicken. Beim ersten Training des FC Bayern München unter Pep Guardiola ist eigentlich alles wie immer – oder etwa doch nicht?

"Für euch ist das alles doch einen Tick spannender als für uns", sagt Toni Kroos. Gemeint sind die Journalisten in der Mixed Zone, die eigentlich alle nur auf Pep Guardiola warten, den neuen Star am bayerischen Fußballhimmel. 171 Medienvertreter haben sich für das erste öffentliche Training in der Allianz Arena akkreditieren lassen, verkündet kurz darauf Mediendirektor Markus Hörwick. So viele wie bei einem Bundesligaspiel. Ach ja, auch Fans waren da. Etwa Zehntausend, klärt Hörwick auf.

Über eine solche Kulisse würde sich so manche andere Fußballmannschaft in der Liga freuen. Pep macht’s in München selbst bei einem Training möglich. Für Kroos aber kein Grund zur Aufregung. Für ihn ist nach einer fast dreimonatiger Verletzungspause endlich wieder der Alltag in München eingekehrt. "Ich denke, das war eine vernünftige Trainingseinheit, ein guter Trainingsauftakt, um reinzukommen", resümiert er trocken.

Als Pep Guardiola um 17.02 Uhr den Platz betritt, brandet Jubel auf. Kurz darauf kommt die Mannschaft. Auch hier Jubel. Das Rumpfteam – Leistungsträger wie Schweinsteiger, Dante, Martinez, Robben oder Mandzukic fehlen noch verletzungsbedingt, wegen des Confed-Cups oder WM-Quali-Spielen – trottet zum Mittelkreis. Es folgen leichte Dehnübungen, geleitet von einem der sieben Co-Trainer von Guardiola. Nur wenige Minuten später kommt auch schon der Ball ins Spiel.

Tik-tak, tik-tak – immer wieder tik-tak

"Rondo" nennen sie das in Spanien, klärt der katalanische Kollege auf der Pressetribüne auf. In Deutschland sagt man "Kreisspiel" oder "Fünf-gegen-Zwei". Das sei eine der Spezialitäten von Guardiola, weiß der Fachmann von der katalanischen Zeitung "Ara". Er berichtete schon über den Star-Trainer, als jener noch in Barcelona war. Nun mache er das eben bei Bayern München. Für die offizielle Vorstellung am vergangenen Montag sei er extra aus Berlin angereist, wo er eigentlich lebt. Doch nun überlegt er nach München zu ziehen.

Warum in Spanien das Interesse an Pep Guardiola noch immer so groß sei? Weil er mit vierzehn Titeln in vier Jahren der erfolgreichste Barca-Trainer aller Zeiten sei. Und nun trainiere die ehemalige Barca-Ikone gleich bei seiner ersten Station im Ausland das aktuell wohl beste Team der Welt, erklärt der spanische Journalist.

Tik-tak, tik-tak. Maximal zwei Ballberührungen, dann muss der Ball beim nächsten Spieler sein. Das Erfolgsgeheimnis beim FC Barcelona in der Ära Guardiola, das Tiki-Taka-Spiel, nun also auch in München. Immer wieder tik-tak. So geht es etwa eine halbe Stunde lang. Guardiola greift nicht ein, spricht vor allem mit seinen Co-Trainern Lorenzo Buenaventura und Carles Planchart, die er ebenfalls aus Barcelona mitgebracht hat.

Deutsch, englisch – und ein bisschen italienisch

Ein Pfiff vom langjährigen Bayern-Co Hermann Gerland. Die nächste Übung steht an: Stellungs- und Passspiel. Guardiola ist selbst am Ball, spielt seinen Spielern, die in einer Dreierreihe stehen, am Sechzehner nacheinander den Ball zu. Anschließend laufen sie bis zum Mittelkreis, bekommen erneut den Ball und spielen ihn sich untereinander zu. Alles flach, keine hohen Pässe.

Dann wieder ein Pfiff. Zurück zum "Rondo", diesmal nicht "Fünf-gegen-Zwei", sondern "Sieben-gegen-Drei" – und ein bisschen mehr Platz. Guardiola taut auf. Er gestikuliert fachmännisch, erklärt die Übung und was er erwartet. Später werden Thomas Müller und Manuel Neuer das gute Deutsch ihres Trainers loben. Und wenn er etwas einmal nicht sagen könne, wechsle Guardiola einfach ins Englische. Das könne er ja perfekt, sagt Neuer.

Nur mit Franck Ribery spricht er lieber nicht Englisch. "Das kann ich nicht so gut", sagt der mit einem Augenzwinkern. Aber man verstehe sich trotzdem. "Ein bisschen deutsch, ein bisschen italienisch." Der Techniker freut sich auch schon auf die Zusammenarbeit: "Er macht viel mit dem Ball, das ist super. Nur morgen früh, da müssen wir laufen", fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Die "Pep-Show" geht weiter

Also doch alles wie gehabt? "Es war jetzt nichts, was wir nie gemacht haben", sagt Kroos über den Trainingsauftakt – und will in die ersten 90 Minuten mit dem neuen Trainer nicht zu viel hinein interpretieren. Klar, mit Guardiola habe man fraglos einen fantastischen Trainer bekommen. Nun komme es darauf an, sich aneinander zu gewöhnen und das Neue, das er bringe, anzunehmen. Das hat aber Zeit, die Saison-Vorbereitung hat ja gerade erst begonnen.

Guardiola sagte den wartenden Journalisten nach dem ersten Training übrigens nichts mehr. Er schrieb lieber Autogramme. Die Pep-Show in München geht aber weiter, bereits am Donnerstagabend steht das nächste öffentliche Training in der Allianz Arena an.

Wahrscheinlich warten wieder ähnlich viele Journalisten auf ein Statement des neuen Trainers. Und wahrscheinlich sind die Ränge beim zweiten Training wieder ähnlich gut gefüllt wie beim ersten. Franck Ribery bringt es am Ende auf den Punkt: "Ich habe noch nie einen Klub erlebt, wo so viele Fans nur zu einem Training kommen. Das ist eben der FC Bayern."