Nach seinen Social-Media-Beleidigungen meldet sich der Fußball-Profi jetzt erstmals zu Wort. Doch wer auf eine Entschuldigung gehofft hat, wird enttäuscht.

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Am Sonntagabend kündigte Ribéry auf Twitter an, sich nun wieder auf die sportlichen Ziele konzentrieren zu wollen: "Macht euch keine Sorgen, es geht mir gut. Und nun zurück zum ernsten Geschäft, wir haben eine Menge Arbeit vor uns", schrieb der Franzose.

Für seine schriftlichen Entgleisungen und Obszönitäten muss Ribéry laut Sportdirektor Hasan Salihamidzic eine "hohe" Summe bezahlen. "Er hat Worte benutzt, die wir als FC Bayern München nicht akzeptieren können und die Franck als Vorbild und als Spieler des FC Bayern nie benutzen darf", begründete Salihamidzic im Trainingslager des deutschen Rekordmeisters in Katar.

Im Ton vergriffen

Nach der Berichterstattung über ein teures, mit Blattgold überzogenes Steak, das Ribéry und dessen Sohn während des Urlaubs im Emirat Dubai in einem Edel-Restaurant showträchtig serviert bekamen, wurde der Familienvater heftig kritisiert. Bei seiner nicht im Affekt entstandenen Replik vergriff er sich jedoch komplett im Ton - ganz unabhängig davon, dass er als Fußballprofi mit einem Millionensalär natürlich essen darf, was immer er mag.

"Lass uns beginnen mit den Neidern, den Hassern, die sicher durch ein löchriges Kondom entstanden sind. F... Eure Mütter, eure Großmütter und sogar euren Stammbaum", wütete Ribéry in Beiträgen, die er bei Twitter und Instagram veröffentlichte. "Ich schulde euch nichts. Meinen Erfolg habe ich Gott zu verdanken, mir und meinen Nächsten, die an mich glauben. Für die anderen, ihr wart nur Kieselsteine in meinen Socken." Diese Wortwahl sprach für sich.

Zur Reaktion gezwungen

Nachdem Ribéry vor zwei Monaten bereits nach dem Liga-Gipfel in Dortmund (2:3) gegen einen französischen TV-Mitarbeiter ausfällig geworden war, war der Club nun praktisch zu einer Reaktion gezwungen. Auch vor dem Hintergrund, dass die Vereinsbosse bei ihrer denkwürdigen Pressekonferenz im Herbst 2018 selbst durch Verweis auf das Grundgesetz und die Würde des Menschen hohe moralische Maßstäbe einforderten. Bei seiner Attacke im November entschuldigte sich Ribéry - diesmal nicht.

Salihamidzic war bei seinem Statement im Trainingslager bemüht, das Verhalten des Emotionsmenschen Ribéry irgendwie zu entschuldigen. Dieser sei eingeladen worden. Er habe nicht bezahlt. Durch die falsche Darstellung des Sachverhalts sei der Spieler überhaupt erst beschimpft worden, erläuterte der Sportdirektor. Auch die schwangere Ehefrau, Ribérys Kind und die Mutter im Krankenhaus seien beleidigt worden. "Daraufhin hat sich Franck vor seine Familie gestellt, hat sich gewehrt, hat die Familie verteidigt. Da hat er auch jedes Recht dazu, da unterstütze ich den Spieler auch. Leider ist das in einem Punkt total entgleist", sagte der Sportdirektor.

Wie viel der Profi zahlen muss, verriet Salihamidzic nicht. Die Summe werde sehr hoch sein, bemerkte der Sportdirektor nur. "Die Strafe hat er auch akzeptiert." Die bislang wohl höchste Geldstrafe beim FC Bayern hatte Musterprofi Philipp Lahm im Jahr 2009 zahlen müssen, als er nach einem vereinskritischen Interview mit 50 000 Euro zur Kasse gebeten wurde.

Unwürdiger Abgang droht

Ribéry hat sich mit den Schimpftiraden auch sportlich ein Eigentor geschossen. Nachdem er gegen Ende der Hinrunde mit wichtigen Treffern beim 1:0 gegen Leipzig und dem 3:0 in Frankfurt endlich wieder positiv aufgefallen war, kokettierte er sogar mit einem neuen Vertrag. Jetzt droht ein Bayern-Denkmal gemessen an seinen fußballerischen Verdiensten unwürdig von der großen Bühne abzutreten. Mutmaßlich ist seine 2007 begonnene Bayern-Ära im Sommer zu Ende.

"Wir wissen, dass Franck ein absoluter Mannschaftsspieler ist. Und wenn er sich angegriffen fühlt, ist es schon öfter vorgekommen, dass er sich um Alles auf der Welt verteidigt", gab Teamkollege Thomas Müller in Doha Einblick in die Person Ribéry. "Vielleicht mit Mitteln, die dann für andere durchaus überzogen sind. Er sieht das selbstverständlich dann eben anders, weil er anders fühlt."

Emotionen nicht im Griff

Wie der türkische Gastronom Nusret Gökçe, der seine Steakzeremonie auch schon vor Fußball-Weltstars wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo gerne medienwirksam inszenierte, stammt Ribéry aus einfachen Verhältnissen und hat einen beeindruckenden Aufstieg hinter sich.

Die Emotionen hat der Franzose aber viel zu häufig nicht im Griff, gerade auch auf dem Platz. Das Champions-League-Finale 2010 etwa verpasste er gesperrt. 2012 legte er sich in der Kabine sogar mit seinem Teamkollegen Arjen Robben an.

Konfliktbelastet ist das Verhältnis zu seiner Heimat, in der Ribéry für die Steak-Aktion besonders vehement kritisiert wurde. Dort gibt es immer noch Unmut über das WM-Aus 2010 der "Équipe Tricolore" als Tabellenletzter nach allerhand Eskapaden rund um Teammitglied Ribéry.

Die großen Ziele von Niko Kovac gingen am Wochenende im Wirbel um Ribéry unter. Der Coach hat auf seiner Agenda 2019 vor allem Borussia Dortmund. Seine Titelhochrechnung lautet: Der sechs Punkte entfernte Tabellenführer patzt mindestens einmal, dazu gibt es einen Heimsieg am 6. April im direkten Duell mit dem Rivalen. "Wir werden nicht mit großartig Krawall und Verbalattacken arbeiten, sondern wir müssen unsere Hausarbeiten machen. Mit Leistungen und guten Ergebnissen können und wollen wir den Druck auf den BVB erhöhen", sagte Kovac. Ein besonderer Druck lastet jetzt erst einmal auf Franck Ribéry.

(dpa/af)

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