Es war der Aufreger beim 3:1-Sieg des FC Bayern München im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV: Kurz vor dem Schlusspfiff stürmte ein Flitzer auf das Spielfeld und schlug Bayernspieler Franck Ribery mit einem Schal ins Gesicht. Die Situation ging vergleichsweise glimpflich aus. Doch was wäre gewesen, wenn der "Fan" eine Waffe zur Hand gehabt hätte? Wird das Gefahrenpotenzial von Flitzern unterschätzt?

Trotz hoher Sicherheitsauflagen in den Stadien schaffen es Flitzer bei Fußballspielen immer wieder auf das Spielfeld zu gelangen. Meistens bleiben die Ausflüge der Störenfriede und die anschließenden Verfolgungsjagden mit dem Ordnungsdienst eine amüsante Unterbrechung des Spielgeschehens. Denn Flitzer sehnen sich schlicht und einfach nach Aufmerksamkeit und wollen den Spielern in nahezu allen Fällen nicht schaden. Doch die Aktion in Hamburg zeigt, dass aus harmlosen Mutproben schnell bitterer Ernst werden kann. Die zugegeben ungefährliche Attacke auf Bayern-Profi Franck Ribery war wohl der erste tätliche Angriff eines Flitzers auf einen Fußballspieler in Deutschland.

Wie schaffen es Flitzer überhaupt auf den Platz?

Als Zuschauer auf das Spielfeld zu gelangen, ist kein leichtes Unterfangen, aber bei Weitem nicht unmöglich. In der ersten und zweiten Bundesliga sowie im DFB-Pokal gibt es zwar Ordner, die über die gesamte Spielzeit ausschließlich die Zuschauerränge im Blick haben. Allerdings sind diese in einem Abstand von mehreren Metern postiert. In einem Moment der Unaufmerksamkeit ist es für einen schnellen Fan aus den ersten Reihen durchaus machbar in den Innenraum zu klettern und die Sicherheitskette zu durchbrechen. Klar ist aber auch, dass es ein Großteil der Flitzer gar nicht erst auf den Rasen schafft und schon beim Versuch von den Sicherheitskräften aufgehalten wird.

Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große-Lefert forderte im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" jedoch einen zurückhaltenden Umgang mit Eindringlingen: "Ich möchte in jedem Fall aufmerksame Ordner – und sollte doch ein Flitzer aufs Spielfeld gelangen, keine unkoordinierten Jagdszenen zwischen Ordnern und Flitzern." So ist es auch zu erklären, warum der Flitzer in Hamburg quer über den Platz auf Ribery zulaufen konnte und erst dann von den Ordnern gefasst wurde.

Wie gefährlich sind Flitzer wirklich?

In Hamburg war es glücklicherweise nur ein Schal. Doch nicht auszudenken, hätte der Mann einen gefährlicheren Gegenstand als Waffe benutzt. Angesichts immer schärferer Einlasskontrollen sollten diese eigentlich nicht den Weg in die Stadien finden. Doch der häufige Einsatz von Pyrotechnik beweist, dass es hier immer wieder zu Versäumnissen seitens der Ordnungsdienste und der Vereine kommt.

Die Gefahr durch bewaffnete oder aggressive Flitzer wurde bislang kaum berücksichtigt. Dabei sind die rechtlichen Folgen in der sogenannten "Rechts- und Verfahrensordnung" des DFB klar definiert. Ein "nicht ausreichender Ordnungsdienst" kostet den Veranstalter bis zu 50.000 Euro. "Mangelnder Schutz des Schiedsrichters, der Schiedsrichter-Assistenten oder des Gegners" wird mit Geldbußen bis zu 100.000 Euro bestraft.

Mit welchen Strafen müssen Flitzer rechnen?

Seit 2006 können Fußballvereine diese Kosten immerhin teilweise an die Störer weitergeben. Das Rostocker Oberlandesgericht erlaubte dem Verein Hansa Rostock damals, drei Stadionflitzer auf 20.000 Euro Schadensersatz zu verklagen, nachdem der Verein zuvor vom DFB für ihr Verhalten bestraft worden war.

Darüber hinaus droht den Flitzern eine strafrechtliche Verfolgung wegen "Belästigung der Allgemeinheit". Auch im Hamburger Fall wurden entsprechende Schritte eingeleitet. "Wir haben den Flitzer der Polizei übergeben und dort Strafanzeige gegen ihn gestellt. Außerdem hat er ab sofort Stadionverbot", sagte Tobias Hauke von der Presseabteilung des HSV unserem Portal.

Wie sollen Spieler reagieren?

Der als Heißsporn bekannte Franck Ribery konnte sich nach dem überraschenden Angriff des Fans gerade noch beherrschen. Zwar machte der Franzose einige Schritte in Richtung des Angreifers und deutete seine Verteidigung an, stoppte jedoch gerade noch rechtzeitig. Eine unüberlegte Handlung hätte für Ribery nämlich ernsthafte Folgen gehabt. Laut Regelwerk ist in Deutschland auch für eine Tätlichkeit gegenüber Fans ein Platzverweis vorgesehen. Sie liegt dann vor, wenn übertriebene Härte oder Gewalt gegen Zuschauer ausgeübt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Geschädigte auf dem Platz oder auf der Tribüne befindet.