Das Beste kommt zum Schluss - zumindest wenn es um Geldsummen im Fußball geht. Das Sommertheater um die spektakulärsten Transfers schließt mit den Last-Minute-Verfahren von Mesut Özil und Gareth Bale seine Türen. So mancher Wechsel versetzte die Sportwelt in den vergangenen Wochen in Staunen. Für den geheimen Coup um Kevin-Prince Boateng fordert man auf Schalke sogar den Oscar.

Adiós Madrid, hello London: Erst im Juni wurde Mesut Özils Wachsfigur bei Madame Tussaud's in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Nun müssen die Verantwortlichen dem künstlichen Zwilling ein neues Vereinstrikot überstreifen. Der echte Özil hat nämlich kurz vor Transferschluss noch einen neuen Job angenommen. Trotz vorheriger Liebesbekundung zu Real Madrid wechselt der deutsche Nationalspieler zum FC Arsenal nach England und wird Teamkollege von Lukas Podolski und Per Mertesacker. "Manchmal entwickeln sich die Dinge (...) anders, als ich sie selbst vor wenigen Tagen noch erwartet hätte", erklärt Özil seinen elf Millionen Fans auf Facebook. Für ihn müssen die britischen Journalisten auf der Computertastatur den Keycode für den Buchstaben "Ö" schnell auswendig lernen. Bis dahin heißt er auf der Insel einfach Ozil. Ist aber auch schön.

Hauptgrund für den plötzlichen Wechsel dürfte die Verpflichtung von Gareth Bale bei Real Madrid sein. Bei der Transfersumme haben sich die "Galaktischen" wieder einmal selbst übertroffen. Der Import von Tottenham Hotspur wird wohl kaum darum herumkommen, künftig "100-Millionen-Mann" genannt zu werden. Wenn Bale angesichts einer solchen Zahlenschlange ganz schwummerig wird, dürfte ihm die aktuelle Nummer zwei in der Rekord-Einkaufsliste die Hand halten. 2009 kostete Cristiano Ronaldo Madrid 94 Millionen Euro. Die Erwartungen an den Portugiesen und den neuen "Prince of Wales" könnten daher größer kaum sein. Die "Madridistas" lechzen seit elf Jahren nach dem nächsten Sieg in der Champions League.

Kevin-Prince Boateng kommt oscarreif nach Schalke

In der letzten Augustwoche sorgte auch in der Bundesliga ein überraschender Wechsel für Schlagzeilen. Kevin-Prince Boateng wurde über Nacht ein Schalker. Die Vereinsbosse aus Gelsenkirchen, diese Schlingel, haben die neugierigen Medien erfolgreich ausgetrickst und den Deutsch-Ghanaer unbemerkt vom AC Mailand weggelotst. "Dafür haben wir einen Oscar verdient", trompetet daher auch Schalke-Manager Horst Heldt stolz bei "Spiegel Online" heraus. Einen Preis für Bescheidenheit gibt es dafür aber nicht.

Eine afrikanische Fußball-Ikone sucht dagegen wieder das Licht der Öffentlichkeit. Samuel Eto'o spielt nach Jahren in der russischen Fußball-Peripherie künftig in der Premier League. Ex-Klub Anschi Machatschkala ist das Geld verprassen überdrüssig und gibt seine teuersten Fußballer ab. Mit gemunkelten 20 Millionen Euro Jahresverdienst galt Eto'o bislang als bestbezahlter Spieler der Welt. Beim FC Chelsea kann der Kameruner dagegen seine Titelsammlung erweitern. Mit dem FC Barcelona und Inter Mailand hat er insgesamt schon drei Mal die Champions League gewonnen.

Weniger vom Erfolg gesegnet ist dagegen Marko Arnautovic. Der Austro-Rabauke hat sich mit seinem Arbeitgeber Werder Bremen überworfen und wurde nun zu Stoke City versetzt. Im April wurde der 24-jährige Stürmer bereits nach einer Partynacht mitten im Abstiegskampf für einen Monat suspendiert. Einen Abschiedskuss bekommt er an der Weser deswegen nicht. "Wir sind alle zufrieden, dass es so gelaufen und ein Schlussstrich gezogen worden ist", sagt Manager Thomas Eichin in der "Bild" über den Wechsel. Herzlich klingt anders.

Luiz Gustavo darf in Wolfsburg wieder zugucken

Im Schnellverfahren wurde Luiz Gustavo Mitte August in Wolfsburg angeheuert. Nach einem Platzverweis in seinem zweiten Spiel im VfL-Trikot muss er aber wieder Zuschauer spielen. Die Aussicht kennt er bereits von seinem ehemaligen Verein FC Bayern. Bei den Münchnern ist unterdessen der gelernte "Sechser", Gustavos Position, nach diversen Verletzungen plötzlich Mangelware. Aber zum Glück haben sie ja Philipp Lahm. Der kann alles. Außer vielleicht Torwart.

Der aufsehenerregendste Nicht-Transfer des Sommers ist aber Robert Lewandowski. Über den geplatzten Wechsel zu Bayern München ist wohl der BVB-Torjäger selbst am meisten überrascht. Auch die Sportjournalisten werden die fast tägliche Meldung, dass Lewandowski "kurz", "sehr kurz" oder "ganz knapp" vor seinem Umzug an die Isar steht, sicher vermissen.